Auf dem roten Teppich

Fromme Wünsche einer VIP-Reporterin zum Weihnachtsfest

Trennungen und andere Promi-Katastrophen ereignen sich gern zu ungünstigen Zeitpunkten. Bitte nicht an Weihnachten.

Foto: Getty/Reto Klar / BM

Wenn Sie das hier lesen, befinde ich mich schon auf dem Weg in die Weihnachtswaagerechte. Heiligabend überleben und dann zwei Tage lang in Jogginghose auf dem Sofa bei meinen Eltern liegen. Ein Glas Schaumwein in der einen, wechselnde Snacks in der anderen Hand. Das Schlimmste, was in dieser Zeit passieren sollte, ist, dass Emma Thompson die Joni-Mitchell-CD auspackt. Ja, ich gehöre zu den Menschen, die sich seit 16 Jahren immer wieder die Schmonzette „Tatsächlich Liebe“ anschauen. Und „Kevin – allein zu Haus“. Jetzt ist es raus.

Zu meiner Verteidigung kann ich sagen, dass ich mit meiner Vorliebe für eine gewisse Feiertagsroutine nicht allein dastehe. Auch die Promis verbringen Weihnachten gern getreu dem Motto „Alle Jahre wieder“. „Game of Thrones“-Star Emilia Clarke schaut ebenfalls „Tatsächlich Liebe“ mit der Familie, Jochen Schropp entflieht dem deutschen Winter nach Südafrika, Hollywood urlaubt geschlossen auf St. Barth, und der Bundespräsident hat im Fernsehen ein paar warme Worte parat. Gerhard Schröder, so habe ich in der „Bunten“ gelesen, möchte auch bei der neuen Schwiegerfamilie in Korea partout nicht auf seine Weihnachtsgans verzichten. Soyeon wird’s schon richten.

Worst Case: Ein Prominenter stirbt während der Feiertage

Als Klatschreporter bedeutet diese Zeit: keine roten Teppiche, keine Termine, kein Stress. Alles so schön ruhig hier. Das bessere Sommerloch sozusagen. Also im günstigsten Fall. Im schlechtesten Fall trennt sich Helene Fischer von Florian Silbereisen – so wie im vergangenen Dezember – und wirft die sorgfältig ausgearbeitete Zwischen-den-Jahren-Planung über den Haufen.

Worst Case: Ein Prominenter stirbt. So wie Jahr 2011, als Johannes Heesters am 24. Dezember verstarb. Wir hatten den Nachruf auf Johannes Heesters schon vorbereitet. Das klingt für Außenstehende wahrscheinlich makaber, ist in der Medienbranche aber häufig üblich. Anders lassen sich solche Ereignisse im tagesaktuellen Journalismus oft nicht stemmen.

Welche bekannten Persönlichkeiten im ausgehenden Jahr verstorben sind, ist dann häufig auch Gegenstand der vor Silvester allgegenwärtigen Rückblicke. Bei großen Galas wie dem Deutschen Filmpreis ist es ebenfalls üblich, mit einer Rückblende an verstorbene Kollegen zu erinnern. Mir beschert das jedes Mal Gänsehaut und einen dicken Kloß im Hals.

Rest-in-Peace-Welle für verstorbene Prominente hat ihre Berechtigung

Nicht nur deshalb, weil es immer traurig ist, wenn jemand stirbt, sondern weil mir bewusst wird, wie häufig ich diesen Menschen tatsächlich schon persönlich begegnet bin. In diesem Sommer verunglückte Lisa Martinek im Urlaub in Italien. Nur wenige Tage vorher hatte ich sie beim Raffaello Summer Day getroffen. Ebenso wie Peaches Geldof, die dort einige Jahre zuvor zu Gast war und später an einer Heroin-Überdosis starb.

Miriam Pielhau begleitete ich einmal bei den Proben zu ihrem Musical „BurnOut“, in dem sie eigene Erfahrungen verarbeitete. Die damals 40-Jährige strahlte vor Lebensfreude. Im Jahr 2004 überlebte sie die Tsunami-Katastrophe in Thailand, 2008 wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Ich fand ihre Persönlichkeit und ihre Energie unglaublich inspirierend. Als sie im Juli 2016 nach einer erneuten Krebserkrankung starb, hat mich das sehr berührt.

Wenn in so einem Fall dann in den sozialen Medien die große Rest-in-Peace-Welle losbricht, wird häufig beklagt, am Tod von ganz normalen Menschen würde nicht so viel Anteil genommen. Vielleicht stimmt das sogar. Ich finde aber, diese Art der Trauer hat trotzdem ihre Berechtigung. Öffentliche Personen erzeugen Identifikation und Emotion – in guten wie in schlechten Zeiten. Mir würde für die bevorstehenden Feiertage in dieser Hinsicht allerdings die fiktive Version aus Hollywood genügen.

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