Auf dem roten Teppich

Wie Promis Interviews verhindern

Manchmal hat man den Eindruck, als Journalist sei man für Promis durch bloße Anwesenheit eine Zumutung, beobachtet Annika Schönstädt.

Annika Schönstädt beobachtet das Leben der Promis in Berlin.

Annika Schönstädt beobachtet das Leben der Promis in Berlin.

Foto: Getty/Reto Klar / BM

Berlin. In die vergangene Woche startete ich mit Vorfreude. Ich hatte einen Interviewtermin mit Bastian Pastewka zur letzten Staffel von „Pastewka“. Nicht meine Lieblingsserie, nicht der heißeste Scheiß im Promi-Universum, aber dank der 90er-Jahre-Sendung „Die Wochenshow“ doch einer der Fernsehhelden meiner Jugend. Das würde amüsant werden, dachte ich. Leider wurde nichts daraus.

Das Einzelinterview wurde erst zu einem Gruppengespräch und schließlich zu einer Art Pressekonferenz geschrumpft. Kurz vorher wurde mir zudem mitgeteilt, für Fotos stünde der Hauptdarsteller ebenfalls nicht zur Verfügung. Ich war enttäuscht. Sollte Bastian Pastewka etwa einer dieser Comedians sein, die überhaupt keinen Spaß mehr verstehen, sobald die Kamera aus ist? Oder war er das Opfer einer übervorsichtigen PR-Agentur, deren Pressearbeit eher einer Interviewverhinderungsmaßnahme gleicht?

Interviews mit Promis - Fragen zu Lifestyle "langweilen den Künstler"

In Vorabgesprächen wird da gerne versucht, Fragen vorher abzusprechen, ganze Themengebiete auszuschließen und Fotos mit der Androhung von horrenden Kosten für Frisur und Make-up zu vermeiden. Manchmal soll man das sogar per Unterschrift versichern. Die absurdeste Mail in diesem Zusammenhang bekam ich kürzlich mit angehängten, streng vertraulichen Hinweisen zu Dos und Don’ts beim Zusammentreffen mit dem Künstler. Der spreche nämlich nur über seinen „künstlerischen Output“. „Alle Fragen, die sich thematisch eher Society-News und Lifestyle-Interessen zuordnen lassen, langweilen den Künstler.“ Soso, dachte ich. Leider langweilte mich in diesem Fall dann der Künstler.

Häufig ist es so, dass der entsprechende VIP beim tatsächlichen Interview dann vollkommen entspannt ist und jeden Quatsch mitmacht. Andere Prominente hingegen schaffen es auch ganz ohne PR-Agentur, dass ihnen in der Branche ein gewisser Ruf vorauseilt. Die Schauspielerinnen Heike Makatsch, Katja Riemann und Martina Gedeck beispielsweise gelten unter Journalisten als, sagen wir mal, schwierig. „Haste die schon mal gesprochen? War es schlimm?“, wird sich vor einem Treffen konspirativ bei den Kollegen erkundigt. Aus Gründen.

Katja Riemann, Heike Makatsch und Martina Gedeck gelten als schwierig

Wenn Heike Makatsch sich auf einem Foto von einer Veranstaltung nicht gefällt, kann es schon mal vorkommen, dass sie mit dem Versuch, das Bild nachträglich aus dem Internet löschen zu lassen, die Mitarbeiter einer Agentur einen ganzen Tag lang beschäftigt. Vor Interviews mit Martina Gedeck riet der Deutsche Journalisten-Verband 2016 ausdrücklich ab. Sie wolle nicht nur die üblichen Zitate, sondern auch Überschrift, Zwischenzeilen sowie Bilder und Bildunterschriften autorisieren lassen. Bei Katja Riemann kann es passieren, dass sie am roten Teppich pöbelt, man solle nicht so dämliche Fragen stellen, wenn sich ganz trivial nach den Erwartungen für den Abend erkundigt wurde.

Das Einsammeln von O-Tönen zu solchen Anlässen ist selten Pulitzer-Preis-verdächtiger Journalismus. Da gebe ich ihr Recht. Das, was auf Bühnen oder auf der Leinwand stattfindet, ist im Gegenzug aber auch nicht immer Hochkultur. Man arrangiert sich eben. Ich habe keine der Damen jemals zum Einzelinterview getroffen. Vielleicht sind sie in diesem Fall ja ganz verträglich.

Interviews mit Prominenten: Im besten Fall ein Geben und Nehmen

"Ich mache hier auch nur meinen Job“, möchte ich in den anderen Momenten aber gern eines Tages einmal entgegnen. Und ihnen erklären, dass Interviews nun mal Teil des ihren sind. Im besten Fall ist das Zusammentreffen von Presse und Prominenz ein Geben und Nehmen. Wer das nicht so sieht, sollte es vielleicht lassen mit der Berühmtheit. Augen auf bei der Berufswahl.

Im Fall von Bastian Pastewka löste sich mein Ärger am Ende übrigens doch noch in Wohlgefallen auf. Er war schlicht vollkommen erkältet und brachte den Interviewtag im Rahmen der Möglichkeiten tapfer hinter sich. Und lustig war er trotzdem.

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