Auf dem roten Teppich

In den Wohnzimmern der Prominenten

Manchmal laden Prominente nach Hause ein. Intimer wird es dadurch in Interviews selten, weiß Annika Schönstädt.

Annika Schönstädt berichtet aus der Welt der Prominenten.

Annika Schönstädt berichtet aus der Welt der Prominenten.

Foto: Getty/Reto Klar / BM

Berlin. Ihr Zuhause schützen deutsche Prominente vor den Augen der Presse meist wie ihren Augapfel. Aus Privatsphärengründen zum einen, aus Angst vor Sozialneid zum anderen. Ausnahmen sind sogenannte Homestorys, die gern genutzt werden, um ein bestimmtes Image zu transportieren. Der Bodenständige, der Familienmensch, der Geschmackvolle und so weiter. Nicht immer ist der Effekt der gewünschte. Man erinnere sich nur an das „Liebesnest“ von Natalia Wörner und Heiko Maas. Großzügig dekoriert mit Möbeln der Marke Westwing. Anouschka Renzi beklagte einmal in der „Bunten“, sie müsse nach ihrer Scheidung mit 80 Quadratmeter Wohnraum statt mit 270 auskommen. Unwürdig. Und mit Sicherheit ganz nah am Leser.

In Los Angeles gibt es Touren für Touristen, die die Villen der Hollywoodstars abfahren. Aus Berlin ist mir nichts dergleichen bekannt, obwohl es durchaus genug Prominente gibt, die hier wohnen. Ich vermute, das liegt an der etwas anderen VIP-Größenordnung, aber sich auch an den strengeren deutschen Persönlichkeitsrechten. Ein paar Adressen sind dann aber doch bekannt. Die von Angela Merkel zum Beispiel, was ihr, in Kombination mit ihrem Job, ständige Polizeipräsenz vor der Tür beschert.

Manchmal laden mich Prominente aber tatsächlich zu sich nach Hause ein. Auch ohne Homestory. Weil es für sie bequemer ist vielleicht, oder weil sie noch keine Superstars sind und sich nichts dabei denken. Ich erinnere mich sehr gern an mein erstes Treffen mit Marina Hoermanseder. Die Designerin hatte zu diesem Zeitpunkt gerade ihre erste Fashion Week absolviert und war über Nacht zur Hoffnung der Berliner Modeszene geworden. Werkstatt, Atelier, Castinglaufsteg – das alles spielte sich damals noch in ihrer Wohnung ab. Dass ich sie so kennengelernt habe, ist sicher mit einer der Gründe, warum ich sie bis heute so sympathisch finde.

Zudem ist so ein unverstellter Blick hinter die Kulissen für einen Reporter natürlich Gold wert. Selten lernt man einen Prominenten so schnell von so einer privaten Seite kennen. Ich muss mich in solchen Fällen immer sehr beherrschen, nicht allzu auffällig die gesamte Umgebung zu scannen. Was steht herum? Gibt es Fotos? Ist die Einrichtung von Ikea? Ist es ordentlich? Genau wie bei anderen Menschen, deren Zuhause man zum ersten Mal betritt, formt sich in diesem Moment das ganze Bild der Person noch einmal neu.

Nie vergessen werde ich, wie ich einmal Désirée Nick in Falkensee besuchte. Die Entertainerin hatte dort gerade ein neues Haus bezogen. Berlin sei ihr schlicht zu teuer geworden, erklärte sie mir. Sie sei schließlich nicht Friede Springer. Das Haus sah genau so aus, wie man sich das bei Désirée Nick vorstellt: ein bisschen viel von allem. Vor der Tür ein Auto mit den Initialen der Künstlerin. Während des gesamten Interviews hatte La Nick Lockenwickler auf dem Kopf, was, in Kombination mit ihrem stilprägenden Gezeter, eine gewisse Cruella-de-Vil-Anmutung hatte. Ich gehe davon aus, dass das von ihr genau so beabsichtigt war. Fotografieren durften wir sie so aber leider nicht.

Einen zauberhaften Nachmittag hatte ich in der vergangenen Woche mit Gabi Decker. Bei Kaffee und Kuchen an ihrem Wohnzimmertisch erzählte mir die Kabarettistin Geschichten aus ihrem Leben. Zwischendurch plauderten wir über Privates. Aus gegebenem Anlass auch über die beste Pflege für Locken. Der Nieselregen an diesem Tag hatte mir eine Frisur vom Typ aufgeplatztes Sofakissen verpasst. Bevor ich mich verabschiedete, verschwand Gabi Decker im Badezimmer und kehrte mit einer Flasche Shampoo zurück, die sie mir schenkte. Eine Offenbarung, wie sie sagte. Niemand mit Locken sollte ohne dieses Shampoo leben. Ich ging beseelt zurück in die Redaktion. Ich hatte mein Interview-Glück zurück.