Kolumne

Gerüchteweise 30.000 Euro für den Abend mit Boris Becker

Prominente und der Sport, das ist so eine Sache. Vor allem, wenn es um Charity-Veranstaltungen geht, weiß Annika Schönstädt.

Annika Schönstädt berichtet über die Welt der Prominenten.

Annika Schönstädt berichtet über die Welt der Prominenten.

Foto: Getty/Reto Klar / BM

Derby? Ich höre immer nur Derby! Die ganze Redaktion, ach was, die ganze Stadt, war in der vergangenen Woche vollkommen aus dem Häuschen. Schuld war ein Fußballspiel. Hertha gegen Union. Ein Derby eben, alles klar. Wenn ich das Wort höre, denke ich allerdings an Pferderennen. Es könnte sein, dass das mit meinem Betätigungsfeld zusammenhängt. Ins Fußballstadion musste ich beruflich nämlich noch nicht. Jedenfalls nicht während eines Spiels.

Kommt der Ballsport im Klatsch-Universum vor, geht es meist um Spielerfrauen oder teure Accessoires. Beim Pferderennen hingegen bin ich jede Saison gleich mehrfach. Zu meinem Bedauern geht es dort in Berlin weder so royal zu wie in Ascot noch so verdorben wie bei Hunter S. Thompson in Kentucky. Vielleicht habe ich für die Gonzo-Version eines Tages in Hoppegarten bisher aber einfach nur die falschen Substanzen konsumiert.

Schaumwein hingegen ist auf der Rennklub-Tribüne in erfreulichen Mengen vorhanden. Das wissen auch prominente Besucher wie Claus Theo Gärtner, Tom Schilling und Alexandra Neldel zu schätzen. Tini Gräfin Rothkirch ist eine großzügige Gastgeberin. Dazu wird zaghaft gewettet. Allein Florian Martens verliert dabei manchmal die Contenance. Aber der hat auch ein eigenes Pferd im Rennen. Hüte gibt es natürlich auch. Im Fall von Nanna Kuckuck selbst designt und mithilfe einer Heißklebepistole auf dem Kopf arrangiert. Georg Friedrich Prinz von Preußen gibt den Vertreter der Nobilität, und besonders reiche Unternehmer reisen schon mal mit dem Helikopter an, wollen das aber später nicht in der Zeitung lesen.

Auf dem Golfplatz trifft sich Oberschicht-Berlin

Auch wenn in Berlin und Umgebung gegolft wird, bin ich regelmäßig zugegen. Die Sportart genießt bei Otto Normalbürger nicht den besten Ruf. Zu teuer, zu elitär, zu snobistisch. Wer einmal im Golfclub Wannsee war, ist geneigt zu sagen: nicht ganz zu unrecht. Der Parkplatz ähnelt einem Showroom für Luxuskarossen, die Grüns sind grüner als der Rasen in Windsor, und auf der Driving Range trifft sich Tout Oberschicht-Berlin. Vom Politiker, über Schauspieler, Sterneköche und Unternehmer bis hin zu Hoteldirektoren. Ich habe vor Jahren auch mal eine Platzreife gemacht. Zu einer Mitgliedschaft hat es allerdings nie gereicht.

Dass man mich trotzdem reinlässt, liegt daran, dass Golf oft für den guten Zweck gespielt wird. Und das will natürlich dokumentiert werden. Ich gebe mir also Mühe, Klaus Wowereit nicht in seinen Schwung zu quatschen, Jan Josef Liefers nicht beim Putten zu stören oder Herbert Knaup überhaupt erst am 19. Loch zu belästigen und dabei trotzdem einen brauchbaren Text zu schreiben. Was dabei herauskommt, gefällt den Protagonisten nicht immer. Der Ausrichter eines Charity-Golfturniers befand einmal, mein Bericht ließe die nötige Ernsthaftigkeit vermissen und verlangte zukünftig nach einem anderen Kollegen. Ein Sportreporter ist an mir offensichtlich nicht verloren gegangen.

Gerüchteweise 30.000 Euro für einen Abend für Boris Becker

Trotzdem habe ich in den vergangenen Jahren schon Interviews mit diversen Profisportlern geführt. Beziehungsweise mit solchen, die es früher einmal waren. Michael Stich, Arne Friedrich, Rosi Mittermaier, Katarina Witt und Britta Steffen beispielsweise. Zum Glück für beide Seiten ging es dabei nur peripher um Sport und in erster Linie um die Zweitverwertung des prominenten Namens nach der großen Karriere. Soziales Engagement bietet sich da immer an. Testimonial für ein Produkt wird auch gern genommen.

Besonders lukrativ kann man sich für ein Event einkaufen lassen. Boris Becker war vor kurzem im Hotel „Der Lindenhof“ in Gotha zu Gast. Für gerüchteweise 30.000 Euro ließ sich die einstige Sportikone einen Abend lang Fragen zu seinem Privatleben gefallen und signierte ein paar Tennisbälle. Ich glaube nicht, dass Boris Becker dazu eine ähnlich ernsthafte Berichterstattung wie zu einem Wimbledon-Spiel erwartet. Bobbele und ich – wir verstehen uns.