Auf dem roten Teppich

Let's talk about Sex - Wenn Promis über Intimes plaudern

Manchmal geben Prominente mehr intime Details von sich preis, als man in seinen kühnsten Albträumen für möglich gehalten hätte.

Foto: dpa/Reto Klar/BM Montage

Berlin. Vor ein paar Tagen bekam ich per Post eine kryptische Einladung zu einer – ich kann nur mutmaßen – Kunstperformance. „Love, Sex and Crime und ein Pfund Philosophie!“ wurden versprochen. Unterschrieben war handschriftlich mit „Ihr Eros“. Etwa 150 Mails und Briefe landen jeden Tag in meinen analogen und digitalen Postfächern. Eine Karte vom griechischen Gott der Liebe war bisher noch nicht dabei, das muss man den Einladern lassen. Richtig schlau wurde ich allerdings nicht daraus. Eros landete im Papierkorb.

So richtig los ließ er mich danach aber trotzdem nicht. Hat man erst einmal angefangen darauf zu achten, ist der Sex plötzlich überall, wo er nicht notwendigerweise hingehört. Bei der Arbeit beispielsweise. In Form von Pressemitteilungen, Interviewangeboten und Einladungen. So erfuhr ich: Die „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“-Schauspielerinnen Anne Menden und Valentina Pahde setzen an Halloween auf verführerische Kostüme wie den Klassiker „sexy Krankenschwester“. Die Chippendales kommen in die Stadt und veranstalten „ein sexy Bühnenfeuerwerk“, bei dem garantiert 1320 Unterhemden zerrissen und zwölf Dosen Kokosöl geleert werden. Und die sexy Meisterdiebin „Jett“ kommt zu Sky. Klar, Sex sells. Das wissen auch findige PR-Menschen. Als Empfänger möchte man manchmal allerdings rufen: Stop! Too much information!

Sex-Beichten von Blümchen, Dieter Bohlen und Prinz Charles

Auch bei der Auseinandersetzung mit Prominenten erfährt man in dieser Hinsicht oft mehr Details als einem lieb ist. Denn ganz ehrlich, wer wollte jemals die abgefallenen Brustwarzen von Patricia Blanco sehen? Oder wissen, dass Prinz Charles gern der Tampon seiner heutigen Frau Camilla gewesen wäre, als diese noch seine außereheliche Affäre war. Gastrokritiker Heinz Horrmann, so musste ich erfahren, mag keinen Staudensellerie, empfiehlt ihn aufgrund seiner Form aber zum Üben für gewisse Praktiken.

Jasmin Wagner alias Blümchen wurde von Lucas Cordalis entjungfert. Dieter Bohlen erlitt beim allzu wilden Geschlechtsverkehr mit seiner ehemaligen Partnerin Nadja Abd El Farrag einen Penisbruch. Und wo Boris Beckers Tochter Anna Ermakowa gezeugt wurde, ist dank der Besenkammeraffäre, die später zu einer Treppenhausaffäre korrigiert wurde, auch hinreichend bekannt.

Lieber Kuchen mit Guido als "Venus" mit Micaela

In die Kategorie „Dinge, die ich lieber nicht gewusst hätte“, fiel kürzlich auch eine Mail anlässlich der Erotikmesse Venus. Eingeladen wurde zu einer Fragerunde mit Fototermin in Anwesenheit von Micaela Schäfer. Das Nacktmodel wollte den Masturbator Opus Mica „für intime Schäfer-Stündchen“ (Höhö!) präsentieren. Das Gerät, so die Verheißung, sei eine originalgetreue Nachbildung des Intimbereichs der 35-Jährigen. Angefertigt von einem Spezialisten für Körperabformungen. (Was es nicht so für Berufe gibt!) Zudem sei das Sex-Spielzeug „weich und anschmiegsam“ für „ein absolut einmaliges Erlebnis“ und auf Wunsch ausgestattet mit dem Heizstab „Hot Rod“, um den Opus Mica auf Körpertemperatur aufzuheizen. Sowohl der Gedanke an den Pressetermin als auch an die Endkonsumenten hatten bei mir schlimmes Kopfkino und ausgeprägte Fremdscham zur Folge. Sie können sich denken: Ich bin dann lieber nicht hingegangen.

Trotzdem war ich verstört. Ein kuscheliger Termin musste her. Irgendwas mit Wohlfühlfaktor. Babytiere vielleicht? Ich könnte doch auch mal über die Pandazwillinge im Zoo schreiben. Oder wenigstens die Haustiere der Stars. Auf jeden Fall etwas mit angezogenen Menschen. Der Geburtstag der Magazine „Barbara“ und „Guido“ kam mir da in der vergangenen Woche ganz recht. Barbara Schöneberger und Guido Maria Kretschmer – zwei meiner absoluten Lieblingspromis – an einem Ort. Dazu Kaffee, Kuchen, Umarmungen und ein paar aufmunternde Worte vom Frauenversteher. Denn Guido hat euch lieb. Immer. Und zwar ganz platonisch.