Auf dem roten Teppich

Til Schweiger und die Medien - Analyse einer Hassliebe

Kaum ein deutscher Prominenter liefert sich mit den Medien so intensive Hassliebe-Gefechte wie Til Schweiger, weiß Annika Schönstädt.

Annika Schönstädt berichtet aus der Welt der Prominenten.

Annika Schönstädt berichtet aus der Welt der Prominenten.

Foto: Getty/Reto Klar / BM

Berlin. Til Schweiger macht es Journalisten leicht, ihn nicht zu mögen. Interviews gibt der Schauspieler seit Jahren am liebsten einer Handvoll wohlgesonnener Kollegen. Andere werden explizit sogar von Pressekonferenzen ausgeladen. Wird man des 55-Jährigen auf dem roten Teppich dann doch einmal habhaft, kann es passieren, dass entgegengepusteter Zigarettenqualm Sicht und Gespräch erschweren. Pressevorführungen seiner Werke hält der Filmemacher für überbewertet. Es könnte ja schließlich eine Kritik dabei herauskommen. Dass der Umgang damit nicht seine Stärke ist, hat Schweiger in der Vergangenheit mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Bevorzugtes Medium des Schweigerschen Wutbürgertums ist seine Facebook-Seite. Sein „Tatort“ stößt beim Fachpublikum nicht auf Gegenliebe? Nicht mit Schweiger! „Ich als Filmemacher / Schauspieler / Produzent / Writer / Cutter / Composer.... viel mehr Ahnung.... ich habe viiiieel mehr Ahnung von der Craft( Materie)....KUNST.... als die meisten von diesen Trotteln, die darüber schreiben!!!!“ Und warum geben die „Trottel“ nicht zu, dass sein „Tatort“ „der bahnbrechendste seiner Art!!!“ ist? „Weil sie schwach und klein sind!“ Jan Böhmermann hat dem Phänomen den Song „Besoffen bei Facebook“ gewidmet. „Ich hau’ mir ‘nen Weißwein rein und schreibe nur was ich mein’“, heißt es da.

In welchem Zustand Schweiger seine Kommentare verfasst, möchte ich nicht beurteilen. Fest steht, dass er sich des Ballasts eines Mindestmaßes an Höflichkeit in der Kommunikation schon vor langer Zeit entledigt hat. Alles raus, was keine Miete zahlt. Oder so ähnlich. Leider gilt das häufig auch, wenn Schweiger sich für eine eigentlich gute Sache einsetzt. Posts gegen Fremdenfeindlichkeit verschwinden hinter Beleidigungen, unverständlichen Argumentationen und inflationären Ausrufezeichen.

Schweiger braucht PR - und die Medien einen Geschichte

Dabei kann Schweiger auch anders. In der vergangenen Woche stellte er in Berlin eine Kampagne für verschiedene Hilfsorganisationen vor und rief, ganz zivilisiert, zu mehr sozialem Engagement auf. Der Haken: In solchen Momenten brauchen sich Schweiger und die Presse dann doch. Der eine, weil er PR für ein Projekt möchte, die anderen, weil Schweiger immer eine sichere Geschichte ist. Im Guten wie im Schlechten. Sonst könnte man sich in gegenseitigem Einvernehmen ja auch stillschweigend ignorieren.

Til Schweiger und die Presse – also nur eine Geschichte voller Missverständnisse? Zugegebenermaßen ist ein gewisse Voreingenommenheit und kultivierte Häme seitens der Medien nicht von der Hand zu weisen. Scheitert Til Schweiger, so wie mit dem US-Remake seines Erfolgsfilms „Honig im Kopf“, wird das genüsslich seziert. Gleiches gilt für Wasserpreise in seinem Restaurant, Rechtschreibfehler in den sozialen Medien oder manchmal einfach nur die Art und Weise, wie Schweiger auf einem Foto eine Pizza hält.

Til Schweiger wird oft belächelt oder einfach ignoriert

Ist Schweiger erfolgreich, so wie mit seinen Komödien „Keinohrhasen“ und „Kokowääh“, wird das im besten Fall ignoriert, im schlimmsten belächelt. Der Deutsche Filmpreis blieb Schweiger so lange verwehrt, bis eine Auszeichnung für den besucherstärksten Film eingeführt wurde. Über Qualität sagt diese Kategorie wohlweislich nichts aus. Zuvor war Schweiger als Folge seiner Nichtberücksichtigung unter lautem Getöse aus der vergebenden Deutschen Filmakademie ausgetreten und hatte die Gründung eines eigenen Preises angekündigt.

Küchenpsychologisch betrachtet könnte man meinen, es handle sich bei diesem Gebaren tatsächlich um gekränkte Eitelkeit eines zurückgewiesenen Liebhabers. Denn irgendwie möchte Schweiger sie ja doch, die Anerkennung für seine Arbeit, das Lob, die warmen Worte. Der Ton macht die Musik, pflegt meine Mutter in solchen Fällen verunglückter Kommunikation zu sagen. Vielleicht ein guter Rat an Til Schweiger. Und an die Presse.