Auf dem roten Teppich

Gebrauchanweisung für den Umgang mit Royals

Begegnungen mit Royals können Normalsterbliche vor Herausforderungen stellen. Glücklicherweise gibt es aber das Protokoll.

Kronprinzessin Mette-Marit und Kronprinz Haakon von Norwegen in Berlin

Kronprinzessin Mette-Marit und Kronprinz Haakon von Norwegen in Berlin

Foto: Getta/Reto Klar/BM Monatge

Hat man es beruflich mit Prominenten zu tun, gibt es vom Management vorab oft eine Art Handreichung. „Keine persönlichen Fragen“ ist dabei eine beliebte Formulierung, die zu umgehen die hohe Kunst eines Klatschinterviews ist. Komplizierter wird es, wenn die Prominenten blaublütiger Abstammung sind. Dann nämlich kommt das sogenannte Protokoll ins Spiel. Verhaltensregeln für Normalsterbliche, wenn sie Königs unter die Augen treten.

Ich hatte in den vergangenen Jahren das Vergnügen mit Willem-Alexander und Máxima der Niederlande, Königin Silvia von Schweden und ihrem Schwiegersohn Prinz Daniel, Prinz William und Kate sowie Prinz Charles und seiner Frau Camilla.

Die Royals in Berlin - mit der Einladung kommt das Regelwerk

Am nächsten kam ich den britischen Royals bei der traditionellen Gartenparty des Botschafters in seiner Residenz in Grunewald. Mit der Einladung kommt praktischerweise ein ausführliches Regelwerk frei Haus. So lautet die offizielle Anrede beim ersten Mal „Your Royal Highness“, danach „Sir“ oder “Ma’am“. Knicks oder Verbeugung sind hingegen nicht obligatorisch. Für Männer reicht ein Händeschütteln mit angedeuteter Verbeugung, für Frauen ein Händeschütteln.

Fotos sind nicht erlaubt, Geschenke nicht notwendig. Dresscode: Day Dress, Lounge Suit, Uniform oder Tracht. Die Royals schreiten über einen ausgelegten Läufer, die Gäste stehen auf dem Rasen. Deshalb – Obacht! – lieber keine High Heels anziehen.

Donald Trump tritt regelmäßig ins Fettnäpfchen

So weit die Theorie. In der Praxis sieht das natürlich alles ein wenig anders aus. Vor allem Amerikaner scheinen mit dem Verhaltenskodex aus Old Europe ihre Schwierigkeiten zu haben. Donald Trump tritt bei Begegnungen mit dem Königshaus regelmäßig ins Fettnäpfchen und auch Herzogin Meghans Kampf mit dem Hofzeremoniell scheint noch nicht final ausgefochten.

Michelle Obama schreibt in ihrer Biografie, wie sie Elizabeth II. bei ihrer ersten Begegnung in London freimütig herzte. Dabei gilt die Monarchin als unberührbar. Die Queen habe es ihr nicht übel genommen, so die damalige First Lady. Wie amused sie wirklich war, ist freilich nicht überliefert. Aber auch beim Besuch von Charles und Camilla im doch recht intimen Rahmen in Berlin wurde vor allem das Selfie-Verbot flächendeckend ignoriert. Die beiden schienen sich daran nicht zu stören. Oder ließen es sich – very british – nicht anmerken.

Der lange Arm des britischen Königshauses reicht übrigens auch bis hin zu angeheirateten Familienangehörigen und ehemaligen Kollegen.

Anfassen ist bei den norwegischen Royals erlaubt

Im vergangenen Jahr bekam ich ein Interview mit James Middleton, dem Bruder von Herzogin Kate, angeboten. Fragen zur royalen Verwandtschaft waren allerdings strengstens untersagt. Genau so wie bei meinem Treffen mit Sarah Rafferty, die neben der damals noch bürgerlichen Meghan Markle in der Serie „Suits“ zu sehen war.

Am Wochenende waren nun Prinz Haakon von Norwegen und seine Frau Mette-Marit in der Stadt. Vielleicht lag es daran, dass es sich nicht um einen offiziellen Staatsbesuch handelte. Jedenfalls wirkten die beiden überaus entspannt. Statt Empfängen mit Politikern besuchte das Paar eine Buchhandlung und unterhielt sich mit den Berlinern über Literatur. Mette-Marit tätschelte dabei mehrfach den Arm ihres Gegenüber.

Alle Besucher des Hochadels sind absolut pünktlich

Anfassen ist bei den norwegischen Royals also offensichtlich erlaubt. Und auch sonst wurden von der Botschaft vorab keine Do’s und Don’ts kommuniziert. Nur wer sich mit den beiden in ihrer Muttersprache unterhalten wollte, musste wissen, dass hier eine königliche Höflichkeitsform zum Einsatz kommt. Alle anderen Menschen werden im Norwegischen geduzt. Was mich auch dieses Mal wieder erstaunte und allen Hochadelsbesuchen gemein ist, war die Pünktlichkeit. 13.15 Uhr ist als Termin angegeben? Also fährt die Limousine um exakt 13.15 Uhr vor! Das Protokoll hat manchmal eben auch seine guten Seiten.