Auf dem roten Teppich

Wenn der Assistent den Schampus hinterherträgt

Im Vergleich zu den Kollegen aus Hollywood sind die Marotten von deutschen Prominenten natürlich Kinderkram, meint Annika Schönstädt.

Annika Schönstädt beobachtet das Leben der Promis in Berlin.

Annika Schönstädt beobachtet das Leben der Promis in Berlin.

Foto: Getty/Reto Klar / BM

Wenn man ein paar Jahre im Klatsch-und-Tratsch-Business zugebracht hat, gibt es Veranstaltungen, die sich anfühlen wie ein immer wiederkehrendes Déjà-vu. „Und täglich grüßt der rote Teppich“ – oder so ähnlich. Eine dieser Veranstaltungen ist die Bertelsmann-Sommerparty. In der vergangenen Woche war es wieder so weit. Und siehe da: Auf die Gütersloher war auch dieses Mal wieder Verlass. Immer derselbe Ort, immer derselbe Ablauf, immer dieselben Leute, immer dieselben Gespräche. Ein lieb gewonnenes Detail ist eine Geschichte, die mir zu diesem Anlass jedes Jahr ein geschätzter Kollege erzählt. So sei über die Gastgeberin Liz Mohn überliefert, dass sie auf diesen Feierlichkeiten einmal Sekt an die Geladenen ausschenke, während sie selbst sich von einem Assistenten eine Flasche Champagner hinterhertragen ließ.

Ich weiß nicht, ob an der Anekdote etwas dran ist und was Liz Mohn von solchen Gerüchten hält. Ich finde allerdings, wenn Schrullen dieser Art kolportiert werden, dann weiß man doch, dass man es geschafft hat. Nennen Sie es Neid oder Anerkennung. Auf jeden Fall muss man sich eine solche Mystifizierung verdienen. Auch soll die Unternehmerin im Gespräch mit dem damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau über seinen einzigen Assistenten einmal gesagt haben, damit käme sie niemals aus. Sie habe acht.

Auch hier gilt: Es könnte sich so zugetragen haben oder eben auch nicht. Aber seien wir mal ehrlich. Komplett unwahrscheinlich ist das alles nicht. Schließlich gibt es im Showgeschäft genug lebende Beweise für kultivierte merkwürdige Angewohnheiten und zum Markenzeichen gewordene Ticks, die man jedem anderen als schlechtes Benehmen auslegen würde. Heino und seine ewige Sonnenbrille – auch in Gesprächen. Axel Schulz und das unsägliche Basecap – auch bei Tisch. Kida Ramadan und die festgewachsene Jogginghose – auch auf der Gala-Premiere. Helmut Schmidt und die Kettenraucherei – auch als alle anderen dafür schon längst vor die Tür gehen mussten. Guido Maria Kretschmer hat in seiner Tasche immer einen Salzstreuer dabei, falls das Essen mal nicht schmeckt. Dazu diverse Glücksbringer. Und Lars Eidinger verziert sich bei seinen DJ-Auftritten mit Aufklebern das Gesicht. Den Gesprächsstoff liefern diese Prominenten mit ihren Eigentümlichkeiten ganz frei Haus.

Echte Dekadenz und Exzentrik ist unter Deutschlands VIPs aber leider selten oder passiert hinter verschlossenen Türen. Abgesehen von Lichtgestalten wie den Geissens, Harald Glööckler oder dem einen oder anderen Fußballprofi. Direkt als Sympathieträger geht aber keiner von ihnen durch. Die Fans mögen ihre Idole bodenständig. Eine Ausnahme war Karl Lagerfeld. Der Designer bescherte seiner Katze ein Luxusleben, lästerte freimütig über jeden, der ihm nicht passte, puderte sich die Haare und soll täglich zehn Dosen Cola Light getrunken haben. Trotzdem liebten ihn die Deutschen. Vielleicht, weil sie ihn in seiner Pariser Wahlheimat mit sanftmütigem Abstand betrachten konnten.

Deutsche Schauspieler, die auch in den USA arbeiten, beklagen mit dem Blick von außen oft die heimische Neidgesellschaft. Denn im Vergleich zu den Kollegen aus Hollywood sind Marotten wie ein Stickeralbum auf der Stirn natürlich Kinderkram. So soll Madonna vor jedem Toilettenbesuch auf eine neue Klobrille bestehen. Mariah Carey – Königin der Sonderwünsche – verlange komplett rosafarbene Lebensmittel und einen Raumduft aus 24 Aromatherapie-Kerzen (Vanille und weiße Rosen). Ihre Kollegin Jennifer Lopez hingegen übernachtet der Legende zufolge nur in komplett weiß eingerichteten Räumen, die auf 25,5 Grad erwärmt werden müssen.

Wäre ich prominent, würde ich es jedenfalls genau so machen. Jogginghose, Champagner UND Duftkerzen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

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