Auf dem roten Teppich

Es ist zwar etwas teurer, dafür ist man unter sich

Sommerzeit ist Ferienzeit, auch bei den Prominenten. Die zieht es traditionell im Rudel an Ziele wie Sylt oder Saint-Tropez.

Annika Schönstädt beobachtet das Leben der Promis in Berlin.

Annika Schönstädt beobachtet das Leben der Promis in Berlin.

Berlin. Als Fomo (Fear of missing out) bezeichnet man die Angst, etwas zu verpassen. Eine Gelegenheit, ein Event, eine Versuchung, das nächste, dieses Mal wirklich lebensverändernde Tinder-Match. Berliner gelten aufgrund des Überangebots an Partys und Menschen als besonders Fomo-anfällig.

Und so beschleicht auch mich ein leichtes Unwohlsein, während ich auf Sizilien in der Sonne liege. Denn zu Hause in der Heimat wurden vergangene Woche Brad Pitt, Leonardo DiCaprio und Quentin Tarantino zur Deutschlandpremiere von „Once Upon a Time in Hollywood“ erwartet. Während ich also die Füße hochgelegt habe und mir nur Gedanken darüber machen müsste, ob ich heute lieber zum Strand gehe oder am Pool bleibe, schweife ich ab zu Brad und Leo. Die trifft man schließlich nicht alle Tage.

Sylvie Meis ließ sich beim Planschen an der Côte d'Azur ablichten

Dabei wollte ich mich doch entspannen. Mal gar nicht an die Arbeit denken. Keine Mails, keine Nachrichten, keine Deadline. Dolce far niente, wie wir Italiener sagen. Die Promis machen es schließlich vor. Pünktlich zur Sommerlochzeit lassen uns jedes Jahr George Clooney am Comer See, Angela Merkel in Südtirol und die Mitglieder der deutschen Fußballnationalmannschaft auf Yachten im Mittelmeer an ihrem Urlaub teilhaben.

Sylvie Meis ließ sich kürzlich mit ihrem neuen Lover Niclas Castello beim Planschen an der Côte d’Azur ablichten. Der aufmerksame Klatschblattleser dürfte dabei ein Déjà vu erlebt haben. Im vergangenen Jahr badete die Moderatorin mit Bart Willemsen in Miami, 2017 mit Charbel Aouad auf Capri. Natürlich kann Sylvie Meis so viele Männer daten, wie es ihr beliebt. Ich frage mich vielmehr: Warum fährt man als Prominenter dorthin, wo es eine Paparazzigarantie gibt? Die permanente Öffentlichkeit ist laut Meis schließlich eines ihrer Hauptprobleme beim Dating. Ich behaupte mal, auf Rügen wäre das nicht passiert.

Cannes ist wirklich nicht besonders schön

Ich war in diesem Frühjahr zum ersten Mal in Südfrankreich. Mit einer Freundin, die ebenfalls Journalistin ist. Fomo-getrieben fuhren wir also auch nach Saint-Tropez und Cannes, wo gerade das Filmfestival stattfand. Man muss ja schließlich wissen, worüber man schreibt. Von Cannes waren wir dann etwas irritiert. Die Stadt ist wirklich nicht besonders schön. Der Strand an der Promenade La Croisette ist zudem für Otto-Normal-Urlauber nur an einem kurzen Abschnitt am hinteren Ende zugänglich. Bis dahin reiht sich Beachclub an Hotelstrand.

Saint-Tropez ist hingegen tatsächlich sehr hübsch, wenn auch sehr klein. Wer hier gesehen werden möchte, bleibt garantiert nicht unbemerkt. Gelegenheit bietet sich am Hafen mit der großen Yachtparade, auf deren Sonnendecks sich ältere Männer bei der Balz um junge Frauen beobachten lassen. Leider erfolgreich.

Dekadenz hüllt sich auf Sylt in ein bodenständiges Gewand

Das deutsche Pendant ist Sylt. „Die Insel“ ist ohne Frage wunderschön. Kilometerlange weiße Sandstrände, Dünen, Leuchttürme … Möchte man das alles genießen, sollte man allerdings über das nötige Kleingeld verfügen oder die Verwunderung über die Preise spätestens bei der Fahrt über den Hindenburgdamm hinter sich lassen. Es ist zwar etwas teurer, dafür ist man unter sich, nicht wahr? Dabei hüllt sich die Dekadenz auf Sylt in ein ganz bodenständiges Gewand. Dresscode: Shorts, Polohemd, Segelschuhe. Vor der „Buhne 16“ sitzt man auf Holzbänken, und selbst die Nobelboutiquen kommen unter ihren Reetdächern ganz zurückhaltend daher.

Als ich zum ersten Mal in der „Sansibar“ war, saß am Nebentisch Günter Netzer. Ich vermute, es verhält sich hier wie im „Borchardt“: Irgendein Prominenter ist immer da. Auf der Toilette erteilte derweil eine Frau ihrer Tochter eine Lektion fürs Leben: „Schau, es ist ganz einfach“, sagte sie. „Du musst einfach immer von allem das Beste nehmen.“ Vielleicht ist das das ganze Geheimnis. Wobei „das Beste“ natürlich Ansichtssache ist.

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Hätte man nichts zu meckern, wäre es nicht Berlin