Auf dem roten Teppich

Good Cop, bad Cop in der Präsidentensuite

Trifft man in Berlin einen Hollywoodstar zum Interview, gibt es dabei ganz eigene Regeln zu beachten, erzählt Annika Schönstädt.

Promis haben oft ihre Eigenheiten, hat Annika Schönstädt erlebt (hier im Bild mit Hugh Grant) - auch bei Interviews.

Promis haben oft ihre Eigenheiten, hat Annika Schönstädt erlebt (hier im Bild mit Hugh Grant) - auch bei Interviews.

Foto: dpa/Reto Klar

Berlin. Kennen Sie den Film „Notting Hill“, in dem Hugh Grant als Buchladenbesitzer William versehentlich in einen Pressetag mit Julia Roberts alias Hollywoodstar Anna gerät und sie spontan als Vertreter des Reitsportmagazins „Horse & Hound“ interviewt? Ich liebe diese Szene, weil sie in ihrer Absurdität ziemlich exakt der Wahrheit entspricht. Wenn ich mich mit einem deutschen Prominenten zum Interview verabrede, lasse ich diesen meist den Ort bestimmen. Ein Lieblingscafé oder eine Ecke im eigenen Kiez etwa. Mein Gegenüber fühlt sich dort wohl und erzählt in diesem Zusammenhang vielleicht schon die erste Geschichte. Im besten Fall trifft man sich nur zu zweit, ist sich einigermaßen sympathisch und unterhält sich entspannt für eine unbestimmte Zeit.

Bei internationalen Prominenten sieht die Sache ein wenig anders aus. Die Zeitspannen für Interviews bewegen sich hier zwischen fünf und 20 Minuten. Geladen wird von Filmverleih oder Plattenlabel meist in eines der Fünf-Sterne-Häuser der Stadt. Auf diese Weise habe ich in Berlin schon mehr Hotelzimmer von innen gesehen als an jedem anderen Ort der Welt, ohne jedoch ein einziges Mal dort übernachtet zu haben. Viel zu früh angekommen, wird man zunächst in der Lobby oder auf einem Flur geparkt. Bestellt wird man mindestens eine halbe Stunde vor Beginn des eigentlichen Interviews. Um mindestens noch einmal die gleiche Zeit verschiebt sich dann alles nach hinten.

Rücksichtnahme beim Interview mit dem Hollywood-Star ist völlig fehl am Platz

Wenn man Pech hat, wird man anschließend nicht einmal zur Einzelaudienz vorgelassen, sondern mit anderen Kollegen an einen Tisch in einem Konferenzraum gesetzt und erst einmal sich selbst überlassen. Roundtable nennt sich das dann. Nach zähem Smalltalk, gefolgt von angestrengtem Aufs-Handy-Starren, betritt endlich der VIP den Raum. Schüchterne oder faule Journalisten stellen dann einfach ihr Aufnahmegerät an und hören zu, was die anderen so vorbereitet haben. Unter den übrigen Kollegen entbrennt währenddessen der Kampf um die Platzierung möglichst vieler eigener Fragen. Entschieden wird ganz einfach nach dem Prinzip „Survival of the Fittest“. Rücksichtnahme ist hier völlig fehl am Platz. Vor allem, wenn man in eine Gruppe mit seriösen Filmjournalisten geraten ist, die sich ausführlich über das Licht, den Ton oder das Drehbuch unterhalten wollen.

Cameron Diaz ließ mich hinausbitten, Bar Refaeli wollte nicht zum Nahostkonflikt sprechen

Bei einem Einzelinterview sitzt der Hollywoodstar meist schon im Hotelzimmer, nicht selten eine große Suite. Schließlich müssen sehr viele Menschen darin Platz finden. Jemand für die Haare, jemand fürs Make-up, jemand von der Produktion, jemand zum Luftzufächeln, ein PR-Manager, ein Fotograf, der Interviewte und ich. Dann läuft die Uhr, für Smalltalk ist hier keine Zeit. Also schnell zu den Fakten. Das Interview verläuft bei US-Promis häufig nach dem Good-Cop-bad-Cop-Prinzip. Sind die Fragen genehm, wird amerikanisch freundlich und sehr professionell geplaudert. Ist das nicht der Fall, schaut man plötzlich in verstummte Gesichter und aus dem Off erklingt die Stimme des Managers: „Keine privaten Fragen“, „kein Kommentar“ oder wenn es ganz schlecht läuft „das Gespräch ist an dieser Stelle beendet“.

Cameron Diaz beispielsweise ließ mich einmal hinausbitten, nachdem ich zum Film „Bad Teacher“ wissen wollte, wie die Arbeit mit ihrem Ex-Freund Justin Timberlake so war. Bar Refaeli sollte ich auf Wunsch meiner Chefin einmal zum Nahostkonflikt befragen. Leider gab es ein Thema, über das das Model unter keinen Umständen sprechen wollte. Designerin Olivia Palermo sah sich kürzlich außerstande, sich zu Karl Lagerfeld zu äußern, mit dessen Label sie wohlgemerkt eine Kollektion entworfen hatte. Und bei Sängerin Janelle Monáe und ihrer Kooperation mit einer Wodka-Marke war dieser Punkt vergangene Woche bei meiner Frage nach ihrem Tipp bei einem schlimmen Kater erreicht. Ich bin mir sicher, es lag daran, dass man von diesem Wodka ganz einfach keinen Kater bekommt.

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