Auf dem roten Teppich

Wenn Promis auf die Toilette gehen

Auch Prominente wie Daniel Brühl oder Gerhard Schröder müssen mal. Und dabei kann man was erleben, berichtet Annika Schönstädt.

Foto: dpa/Montage: BM

Schon Großmutter wusste: Ein verlässlicher Trick, um die Ehrfurcht vor dem Chef, dem ersten Date oder eben in meinem Fall einem sehr prominenten Interviewpartner zu verlieren, ist, sich seinen Gegenüber auf dem Klo vorzustellen. Dort seien schließlich alle gleich.

Nun gibt es auf jedem Red-Carpet-Event den Augenblick, in dem dieses Kopfkino Wirklichkeit wird – zumindest bis zu einem gewissen Grad. Anders als auf mancher Aftershowparty gibt es bei den dazugehörigen Toiletten nämlich keinen VIP-Bereich. Und so treffen in der Schlange vor dem Damen-WC schon mal Journalisten und Servicepersonal auf Gäste wie Katja Riemann, Anna Maria Mühe oder Martina Gedeck.

Mit Prominenten auf der Toilette - Plätschern aus der Nebenkabine

Die Vorstellung, dass das anschließende Plätschern aus der Nebenkabine von einer dieser Frauen stammt, ist manchmal recht absurd. Daneben ist aber eigentlich alles wie überall sonst. Vor dem Spiegel wird sich über Klatsch und Kleider ausgetauscht, während der Lippenstift nachgezogen und die Nase gepudert wird.

Ap­ro­pos Nase pudern: Was hinter verschlossenen Türen passiert, wenn kleinere Grüppchen auffällig unauffällig zusammen auf der Toilette verschwinden, können Sie sich sicher denken. Leider auch dann, wenn nach dem Dinner über Trennwände hinweg ein leises Würgen erklingt. Auf dem Bundespresseball habe ich es schon erlebt, dass sich eine Dame im Abendkleid in den Papierkorb im Vorraum übergab. Auch der letzte Champagner ist eben manchmal schlecht.

Mit Gerhard Schröder am Pissoir - beobachtet vom Bodyguard

Noch intimer geht es, so habe ich mir sagen lassen, bei den Herren zu, da man sich am Pissoir naturgemäß noch ein Stück näher kommt. Ein Freund von mir traf beim Festakt zum 75. Geburtstag von Günter Grass einmal Gerhard Schröder am Becken neben sich an. Als Geleitschutz hatte der damalige Bundeskanzler einen Herrn vom BKA dabei. Dass es besagtem Freund unter so viel Beobachtung schwer fiel, sich zu entspannen, blieb Schröder nicht unbemerkt. „Anfangs konnte ich auch nicht pinkeln, wenn jemand neben mir stand“, kommentierte er – den Blick diskret auf die geflieste Wand gerichtet. Im Anschluss bot er an, seinen Sicherheitsmann noch für einen Moment der Privatsphäre vor der Tür stehen zu lassen.

„Angie“ von den Rolling Stones - Mit Daniel Brühl Karaoke auf der Toilette singen

Es muss etwa acht Jahre her sein, dass ich in der Kreuzberger „Soju Bar“ einmal Daniel Brühl auf der Toilette begegnete. Der winzige Club im Hinterzimmer des Restaurants „Angry Chicken“ hatte eine Kabine mit einer Karaokemaschine ausgestattet. Wir sangen gerade „Angie“ von den Rolling Stones, als ein Paar dazu kam. Sie gab sich mit wiederholten „Schaaaaahaaatz“-Bekundungen einige Mühe, dass das auch bemerkt wurde, er war vergleichsweise zurückhaltend. Der Schauspieler war damals relativ frisch mit der Psychologin Felicitas Rombold zusammen. „Das hält nie“, dachte ich angesichts des Auftritts. Ich sollte mich täuschen. Die beiden sind heute verheiratet und Eltern eines Sohnes.

Meine Klo-Begegnung der prominentesten Art ereignete sich allerdings ein wenig später im Museum für Naturkunde. Das „Zoo Magazine“ hatte zum Dinner unterm Dinosaurier geladen, um irgendetwas zu präsentieren. Die Anlässe zu solchen Abenden verschwimmen im Laufe der Zeit ehrlich gesagt zu einem unentwirrbaren Eventdurcheinander. Mitfinanziert wird das Magazin für Mode, Kunst, Musik und Literatur von dem kanadischen Musiker Bryan Adams.

Bryan Adams irrte sich in der Toilettentür

Als ich mich zwischen den Gängen zum Frischmachen verabschiedete, wurde ich vor dem Spiegel vom Gastgeber höchstpersönlich überrascht. Für einen kurzen Augenblick schauten wir uns beide verwirrt an – er vermutlich aus anderen Gründen als ich. Er habe sich wohl in der Tür geirrt, bemerkte der Sänger, entschuldigte sich und stellte sich noch höflich vor, bevor er in die richtige Richtung verschwand: „Hi, I’m Bryan. Nice to meet you.“