Auf dem Roten Teppich

Was Veranstalter für einen Hollywood-Star hinblättern müssen

In Berlin laden in diesen Wochen große Marken zu Partys mit internationalen Gästen. Das hat seinen Preis, beobachtet Annika Schönstädt.

roter teppich kolumne

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Foto: Getty/Reto Klar / BM

Berlin. In Berlin können wir uns wahrlich nicht über mangelnde Aufmerksamkeit aus Hollywood beklagen. Jedes Jahr werden im Sony Center zahlreiche Kino-Weltpremieren mit US-Superstars gefeiert. Im Vorfeld sind Schauspieler wie Leonardo DiCaprio und Charlize Theron häufig beim Sightseeing oder Shopping zu beobachten.

Als George Clooney 2013 „The Monuments Men“ in der Hauptstadt drehte, blieb er gleich mehrere Monate. Claire Danes schwärmte 2015 nach den Dreharbeiten zu „Homeland“ ungläubig von ihrem Besuch im „Berghain“, wo wirklich immer alle nackt seien: „Der beste Ort der Welt!“ Ich durfte dank meines Jobs schon Geoffrey Rush in einem Wohnwagen in Babelsberg, Ryan Reynolds im „Hotel de Rome“ und Christy Turlington im – Überraschung – „Borchardt“ treffen.

Nun neigt der Berliner grundsätzlich zu einem großen Selbstbewusstsein, wenn es um die Strahlkraft der eigenen Heimat geht – und ich möchte sagen: zu Recht. Dass Hollywoodstars nur in die Stadt kommen, weil die Currywurst bei „Konnopke“ so einen exzellenten Ruf genießt, ist aber dennoch nicht ganz richtig. Es tut mir leid, Sie enttäuschen zu müssen, aber manchmal muss auch in Berlin ein wenig nachgeholfen werden, damit Goldie Hawn oder Orlando Bloom in den Privatjet Richtung Deutschland steigen. Die Konditionen dafür sind offiziell top secret.

Einmal lud mich der Eigentümer einer Agentur, die sich auf die Organisation von Red-Carpet-Events mit großem Promi-Aufgebot spezialisiert hat, von sich aus zu einem Interview ein. Er wolle mir erzählen, wie das eigentlich so abläuft, wenn beispielsweise Naomi Campbell eingeflogen kommt. Ein Blick hinter die Kulissen, ganz offen und ehrlich, so das Versprechen. Mein Chef frohlockte: Das sei genau die Geschichte, die die Menschen lesen möchten! Ich war skeptisch. Naomi Campbell ist nicht unbedingt für ihre unkomplizierte Art bekannt. Wollte er sie als Kundin behalten, könnte es mit der Offenheit schwierig werden. Tatsächlich habe ich das Gespräch nie gedruckt. Der Herr versicherte mir eineinhalb Stunden lang sehr blumig, dass das britische Model VIP-Veranstaltungen nur aus reiner Verbundenheit zur einladenden Marke besuche und keinerlei Forderungen an ihren Auftritt geknüpft seien.

Ein Gast aus Hollywood? Ab 60.000 Euro aufwärts

In Berlin stehen in den kommenden Wochen wieder einige solcher Partys an, und auch die Fashion Week steht vor der Tür. Angekündigt haben sich auf Einladung großer Unternehmen unter anderen „Desperate Housewives“-Darstellerin Teri Hatcher und das tschechische Topmodel Karolína Kurková. Natürlich kenne ich die Verträge der Damen nicht. Aus diversen Gesprächen mit den PR-Menschen meines Vertrauens kann ich Ihnen aber sagen: Günstig wird das für die Veranstalter sicher nicht. Möchte man sich mit einem Gast aus Hollywood schmücken, geht es ab etwa 60.000 Euro aufwärts. Deutsche A-Promis sind ab 20.000 Euro zu haben. Hinzu kommen Anreise, Übernachtung und – je nach Verhandlung – Hair & Make-up, Outfit, eine Begleitung oder andere Sonderwünsche. „Präsenzgage“ nennt sich das dann. Geregelt sind die exakte Zeit, die der Prominente vor Ort verbringen muss, Fotos und Sperrfristen für andere Events an den vorherigen oder darauffolgenden Tagen. Bei Influencern kommen die Anzahl der Posts oder Instagram-Stories hinzu, die noch einmal extra vergütet werden. Gäste der Kategorie B- bis C-Promi sind schon ab etwa 4000 Euro zu haben. Ein Auftritt von Mariah Carey oder Beyoncé schlägt hingegen schon mal mit einem Millionenbetrag zu Buche.

Nicht immer nimmt das Arrangement für die Gastgeber den gewünschten Ausgang. Beim Wiener Opernball tauchte Lindsay Lohan 2010 gar nicht erst auf. Die vorgestreckten Reisekosten in Höhe von mehr als 100.000 Euro soll Richard Lugner nie wieder gesehen haben.