Auf dem Roten Teppich

Warum das Borchardt in Berlin kein guter Platz zum Essen ist

Das „Borchardt“ ist Treffpunkt der Promis. Warum sich ein Besuch lohnt - aber nicht unbedingt zum Essen, erzählt Annika Schönstädt.

Das Essen im "Borchardt" ist im Vergleich mit Berlins Spitzengastronomie mittelmäßig, dafür aber teuer.

Das Essen im "Borchardt" ist im Vergleich mit Berlins Spitzengastronomie mittelmäßig, dafür aber teuer.

Foto: picture alliance / Markus C. Hur / Montage: BM

Berlin. Ich muss Ihnen ein Geständnis machen: Ich mag das „Borchardt“ nicht. Als Society-Journalistin ist das natürlich hinderlich, eigentlich müsste ich quasi dort wohnen. Denn egal an welchem x-beliebigen Tag im Jahr Sie dort ein Schnitzel essen gehen, irgendein Prominenter ist sicher schon vor Ihnen da.

Das kann Angela Merkel sein, die sich mit ihrem Ehemann Joachim Sauer einen netten Feierabend macht oder Joachim Löw und Thomas Gottschalk auf Berlin-Besuch. Als Heidi Klum und ihr Verlobter Tom Kaulitz im vergangenen Jahr zum ersten Mal in der Hauptstadt knutschten, gingen sie vor ihrem Abstecher ins „Kater Blau“ abendessen – natürlich im „Borchardt“.

Das Essen im "Borchardt" ist im Vergleich mittelmäßig, aber teuer

Warum, das will sich mir einfach nicht erschließen. Die Einrichtung erinnert mit ihren Säulen und roten Polstern entfernt an das „Villa Medici“ aus Helmut Dietls 80er-Jahre Kultserie „Kir Royal – Aus dem Leben eines Klatschreporters“. Das Essen ist im Vergleich mit Berlins Spitzengastronomie mittelmäßig, dafür aber teuer.

Und legen nicht deutsche VIPs sonst so viel Wert auf ihre Privatsphäre? Als ich eines der wenigen Male doch privat mit Freunden dort war und wir fragten, ob wir zu unserer Flasche Wein ein Glas Leitungswasser bekommen könnten, ließ der Kellner uns wissen: „So ein Restaurant sind wir nicht.“ „Ein gutes, meinen Sie?“, ging es mir durch den Kopf.

Matt Damon, Tom Hanks, Nicole Kidman, Demi Moore waren schon im "Borchardt"

Trotzdem hat sich der Ruf des „Borchi“ sogar bis nach Hollywood herumgesprochen. Matt Damon, Tom Hanks, Demi Moore, Nicole Kidman und Dustin Hoffman waren schon da. Aus der Tiefgarage des benachbarten Fünf-Sterne-Hotels „Regent“ führt praktischerweise ein diskreter Verbindungsgang zum Hintereingang des Restaurants.

Wenn Barack Obama in der Stadt ist, sitzt garantiert in jeder Ecke ein Reporter auf der Pirsch, um zu schauen, ob der ehemalige US-Präsident auch dieses Mal wieder zum Dinner in den Laden von Roland Mary kommt. Der Gastronom ist im Vergleich zu anderen Promi-Wirten übrigens recht zurückhaltend. Trifft man ihn vor Ort an, dann meist im zurückgenommenen Gespräch mit einzelnen Gästen. Den großen Auftritt überlässt er anderen.

Emilia Schüle kam auf einem Pferd ins „Borchardt“

Ausnahmezustand herrscht im „Borchardt“ während der Fashion Week und der Berlinale. Vor zwei Jahren kam Schauspielerin Emilia Schüle zur „Place to B“-Party auf einem Pferd ins Restaurant geritten. Eine Hommage an ihre britische Kollegin Bianca Jagger, die 1977 in New York mit einen ähnlichen Auftritt im berühmten Club „Studio 54“ zur Legende wurde.

In diesem Jahr verwandelten sich Gastraum und erste Etage unter dem Motto „Berlinale meets Barbarella“ in einen Prominentenspielplatz in Gestalt einer Mondlandschaft – Hostessen in Raumanzügen inklusive. Hat man an solchen Abenden nur einen kleinen Schluck aus seinem Champagnerglas genommen, steht ganz sicher schon ein Kellner mit der goldenen Magnumflasche im Anschlag bereit.

Michael Michalsky im Bällebad

Wer sich die vorbeifliegenden Mini-Schnitzelchen mit warmem Kartoffelsalat übergegessen hat, kann auf das Gummitierbüfett ausweichen und dabei Michael Michalsky mit zwei oberkörperfreien Jünglingen im Bällebad beobachten.

Und auch während bei Berlins anderen Roter-Teppich-Ereignissen die Anfänger noch auf der offiziellen Aftershowparty tanzen, können Sie sich sicher sein, dass die eigentlich interessante Feierei schon längst an der Französischen Straße stattfindet. Dort ist nach dem Bambi oder Filmpreis bestimmt spontan kein Tisch zu bekommen.

In ausgelassener Stimmung und vermeintlich intimer Runde kann es dann schon einmal vorkommen, dass Til Schweiger seinem Kollegen Elyas M’Barek auf die Nase haut. Wenn ich es mir recht überlege, lohnt sich ein Besuch also doch in den meisten Fällen. Vielleicht nicht unbedingt zum Essen.

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