Auf dem roten Teppich

Schönheitschirurgie bei Promis - Die Dosis macht das Gift

Botox und plastische Eingriffe sind in der Promi-Branche allgegenwärtig – auch wenn kaum jemand darüber spricht.

Sylvie Meis , die ohne Zweifel über gute Gene verfügt, sah in den vergangenen Wochen, nun ja, verändert aus. Leider nicht zum Besseren, beobachtet Annika Schönstädt.

Sylvie Meis , die ohne Zweifel über gute Gene verfügt, sah in den vergangenen Wochen, nun ja, verändert aus. Leider nicht zum Besseren, beobachtet Annika Schönstädt.

Berlin. „Was ist bloß mit ihrem Gesicht passiert?“, fragen Klatschzeitschriften gern, wenn sie einer prominenten Dame (zunehmend auch den Herren) den übermäßigen Gebrauch von Botox, Hyaluron oder Facelifts unterstellten wollen.

Anzeichen dafür sind eine verdächtig glatte Stirn mit 40 plus, eine zu akkurate Kinnlinie mit 60 plus, aufgepuffte Wangen, eine starre Mimik und im finalen Stadium katzenähnlich verengte Augen. Besondere Aufmerksamkeit auf diesem Gebiet wurde zuletzt Sylvie Meis zuteil. Die 41-jährige Moderatorin, die ohne Zweifel über gute Gene verfügt, sah in den vergangenen Wochen, nun ja, verändert aus. Leider nicht zum Besseren.

Eine Frage, die in meinem Umfeld bei diesem Thema immer wieder aufkommt, ist: Warum haben Menschen mit so viel Geld ganz offensichtlich so schlechte Ärzte? Eine Schönheitschirurgin aus Düsseldorf, neben der ich einmal bei einem Dinner saß, erzählte mir, dass operativ entgleiste Gesichtszüge mitnichten der Qualität des medizinischen Personals zuzuschreiben, sondern allein eine Frage der Dosierung seien.

Wer sich täglich im Spiegel sehe, verliere irgendwann das Augenmaß. Den entsprechenden Ärzten sei nicht mangelndes Können, sondern Geldgier vorzuwerfen, wenn sie bei ihren prominenten Patienten nicht irgendwann stopp sagten. Im Zweifelsfall mache es schließlich jemand anderes.

Botox, Hyaluron oder Facelifts: Eingriffe nur dann gut, wenn man sie nicht sieht

Gut gemacht sei der Eingriff, wenn man ihn eben nicht sehe, so meine Tischnachbarin. Wie bei Nena oder Iris Berben, konnte sie nur mutmaßen. Denn zugeben möchten die Wenigsten, dass sie der Natur ein wenig auf die Sprünge geholfen haben.

Das Geheimnis ewiger Promi-Jugend? Ausreichend Schlaf, Sport, viel Wasser und eine ausgewogene Ernährung! Plötzlich voluminösere Lippen? Das muss die neue Haarfarbe sein! Designer Wolfgang Joop ließ sich seinen Verzicht auf Schönheitsoperationen von der „Süddeutschen Zeitung“ sogar schon einmal per Gegendarstellung bescheinigen.

Wer sich hauptberuflich in der High Society bewegt, ist ständig von Menschen umgeben, die genau so optimiert sind wie man selbst. Deshalb kann ich den Druck, jederzeit perfekt und alterslos aussehen zu wollen, sogar nachvollziehen. Leider muss auch ich immer häufiger feststellen, dass mein Blick durch die Allgegenwart von plastischen Eingriffen und fragwürdigen BMIs in der Branche mittlerweile unnatürlich verzerrt ist.

Das gilt für prominente Gesichter genau so wie für mich selbst. Nach jeder Fashion Week fühle ich mich angesichts einer Überdosis Modelmaßstab wie eine alte, schwabbelige Kuh. Wenn ich im Gespräch mit einer Schauspielerin, Sängerin oder Moderatorin doch einmal auf zarte Stirnfalten blicke, fällt mir das mehr auf als wenn es nicht so ist – von Extrembeispielen wie Harald Glööckler oder Gina-Lisa Lohfink einmal abgesehen. „Die sieht aber verhärmt aus“, pflegt ein ähnlich berufsgeschädigter Kollege von mir dann anzumerken.

Dabei denke ich bei Barbara Schöneberger, Nazan Eckes oder Anke Engelke jedes Mal, wie viel schöner als ihre gesichtsmanipulierten Kolleginnen sie aussehen. Wann ich zum letzten Mal graue Haare bei einer prominenten Dame auf dem roten Teppich gesehen habe, kann ich mich nicht einmal mehr erinnern.

Männer reifen, Frauen welken, nicht wahr?

Unnötig zu erwähnen, dass für Männer weniger strenge Regeln gelten als für Frauen. Männer reifen, Frauen welken, nicht wahr? Robert Redford sieht mit 82 Jahren doch wirklich noch fa-bel-haft aus. Das findet sicher auch seine 20 Jahre jüngere Ehefrau. Und wer würde schon George Clooney kurz vor seinem 60. Geburtstag von der Bettkante schubsen wollen? Frauen bleibt korrespondierend ein zweiter Frühling als MILF (Mutter, die ich gern f***** würde). Das schönste Kompliment, das man jenseits der 50 von seinen Kindern bekommen kann. Fragen Sie mal Veronica Ferres.

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