Auf dem roten Teppich

Warum Preisverleihungen meistens langweilig sind

Hinter den Kulissen der Preisverleihungen geht es meist weniger glamourös zu als man denkt, weiß Annika Schönstäd zu berichten.

Wer einmal eine Preisverleihung im Saal miterlebt hat, weiß: Spannend ist das nur für die Nominierten. Für alle anderen ziehen sich die Stunden (vier! im Falle des Filmpreises) wie Kaugummi, beobachtet Annika Schönstädt.

Wer einmal eine Preisverleihung im Saal miterlebt hat, weiß: Spannend ist das nur für die Nominierten. Für alle anderen ziehen sich die Stunden (vier! im Falle des Filmpreises) wie Kaugummi, beobachtet Annika Schönstädt.

Foto: dpa/Reto Klar / BM

Berlin. Haben Sie neulich den Deutschen Filmpreis im Fernsehen gesehen? Ich nicht. Ich war nämlich im Palais am Funkturm live dabei. Ich nehme an, aus der Sofaperspektive ist so eine Preisverleihung ein recht kurzweiliges Vergnügen. Sie schalten pünktlich das heimische Gerät ein und lassen sich unterhalten. Snacks und Getränke in Griffweite, mit dem Partner, Freunden oder zur Not auf Twitter zum Lästern bereit. Und wenn es doch einmal zu lange dauert, liegt die Fernbedienung in rettender Nähe. Herrlich!

Vor Ort gestaltet sich das ein wenig anders. Die Vorfahrt auf dem roten Teppich beginnt bei großen Veranstaltungen gerne schon am späten Nachmittag. Jedenfalls theoretisch. Praktisch passiert erst einmal nichts. Wenn man den Fehler gemacht hat, zu früh mit einer Liveübertragung zu starten, redet man sich nun um Kopf und Kragen, während man bereut, die High Heels aus Eitelkeit schon jetzt angezogen zu haben.

Schließlich macht sich unter den Journalisten allmähliche Langeweile breit

Dann, endlich, finden doch die Gäste aus der Kategorie B- bis C-Promi ihren Weg ins Rampenlicht und nutzen die Gunst der Stunde. Schließlich macht sich unter den Journalisten allmählich Langeweile breit. Medienexperte Jo Groebel macht die Runde zur Not auch zwei Mal. Sicher ist sicher. Etwa eine halbe Stunde vor Beginn wird es dann hektisch. Die Stargäste aus Hollywood kommen alle gleichzeitig, während von Managern und Organisatoren zur Eile gemahnt wird, man ist schließlich spät dran.

Eine Preisverleihung ist nur für die Nominierten spannend

Danach teilt sich die illustre Gesellschaft in zwei Gruppen. Jene, die als Prominente, deren Begleitung oder sonstwie Beteiligte geladen und mit einem Sitzplatz im Saal versehen sind. Und solche, die im Pressezentrum oder backstage ausharren, bis der Spuk vorbei ist. Aus jahrelanger Erfahrung kann ich sagen: Das Pressezentrum ist meist die bessere Wahl. Auch wenn schmucklose Räume mit fragwürdiger Klimatisierung natürlich nur wenig Glamour versprühen. Aber: Dort gibt es oft ein Büffet, kalte Getränke, Kaffee, die Gala auf großen Bildschirmen und die Möglichkeit, ungestört die Schuhe auszuziehen oder die Krawatte zu lockern. Fast wie bei Ihnen zu Hause also.

Wer einmal eine Preisverleihung im Saal miterlebt hat, weiß: Spannend ist das nur für die Nominierten. Für alle anderen ziehen sich die Stunden (vier! im Falle des Filmpreises) wie Kaugummi, während der Magen knurrt und die Sehnsucht nach einer Zigarette immer größer wird. Das sehen übrigens auch viele der VIPs so, weshalb es mit fortschreitender Zeit an der Bar vor der Tür immer voller wird, wo die Gäste, mit der Ausrede, nur kurz auf die Toilette zu müssen, stranden. Beim Filmpreis wurde von den Caterern überlegt, Müsliriegel auf jedem Sitz zu deponieren. Allerdings könnte es recht unvorteilhaft aussehen, wenn gerade in dem Moment die Kamera auf Iris Berben schwenkt, wenn sie sich Showproviant in den Mund schieben möchte.

A-Promis verschwinden direkt ins "Borchardt"

Gegen kurz vor Mitternacht ist es dann für alle überstanden. Während Sie den Fernseher ausschalten oder bereits eingedöst sind, gilt es nun vor Ort, es gemeinsam richtig krachen zu lassen. So zumindest die Legende. Tatsächlich sind betrunkene Ausgelassenheit oder wilde Knutschereien unter den Prominenten auf solchen Aftershowpartys eine echte Seltenheit. Schließlich besteht jederzeit die Gefahr, von einem Smartphone abgeschossen zu werden.

Als Schauspielerin Julia Malik sich bei der vergangenen Berlinale zu später Stunde schwer verliebt mit einem Unbekannten zeigte, ohne dass zuvor die Trennung von ihrem Ehemann August Diehl bekannt geworden war, grenzte das an eine Sensation. Die A-Promis verschwinden für gewöhnlich direkt ins „Borchardt“ oder feiern in einem abgetrennten Bereich. Auf der offiziellen Tanzfläche drängen sich derweil Schauspielnachwuchs und Journalisten bei der Balz um eine Geschichte. Dazu legt meist Lars Eidinger auf. Und wenn es ein guter Abend ist, zieht wenigstens der sich aus.