Kolumne Immer Hertha

Wie Fußballer trickreich ihren Vereinswechsel erzwingen

Wo im Fußball ein Wechselwunsch ist, ist auch ein Weg – scheint zumindest Hertha-Talent Arne Maier zu glauben. Hat er recht?

Jörn Lange hat Hertha in die USA begleitet.

Jörn Lange hat Hertha in die USA begleitet.

Foto: Sören Stache/dpa; Maurizio Gambarini (Montage)

Berlin. Wenn Fußball-Profis Doppelpass mit den Medien spielen, um eine Freigabe von ihrem bisherigen Klub zu erwirken, liegt meist etwas im Argen. In der Regel sind diese Spieler nicht besonders gut beraten, hinterlässt ein solches Vorpreschen doch stets einen bitteren Nachgeschmack. Das Verhältnis zum Noch-Verein ist danach nachhaltig erschüttert, stattdessen verfestigt sich die Vermutung, der Kicker sei charakterlich etwas, nun ja, speziell.

Auch bei Hertha BSC gibt es seit dieser Woche einen solchen Verdachtsfall. Arne Maier, das 21 Jahre alte Ausnahme-Talent der Berliner, hat mittels einer großen Boulevardzeitung seinen Wechselwunsch hinterlegt. Ein Vorgang, der jede Menge Staub aufwirbelte, schließlich gilt Maier als Rohdiamant, der Hertha erst sportlichen Glanz verleihen und später eine horrende Ablösesumme einbringen soll. Ob daraus nun noch etwas wird?

Tatsächlich hat sich der neue Trainer Jürgen Klinsmann nicht gerade als großer Maier-Fan geoutet, wobei man berücksichtigen muss, dass der Mittelfeldspieler in letzter Zeit verletzt oder zumindest nicht bei 100 Prozent war. Weil Hertha auf seiner Position aber gleich zwei millionenschwere Zugänge an Land gezogen hat, fühlte sich Maier nicht mehr gebraucht. Als der Klub ihm dann aus äußerst nachvollziehbaren Gründen einen Vereinswechsel in diesem Winter verwehrte, wurde der junge Mann ungeduldig und versuchte den Druck auf die Entscheider zu erhöhen – natürlich erfolglos. Eine heile Hertha-Welt sieht anders aus.

Die Frage ist ja, ob und wie sich dieses Geplänkel in Zukunft auswächst. Die Fußball-Historie hat in diesem Zusammenhang jedenfalls schon markante Beispiele geliefert, die Maiers jüngsten Vorstoß eher harmlos wirken lassen.

Aubameyang provozierten Wechsel mit ausgedehnten Shoppingtouren

Erinnern Sie sich an den früheren Dortmunder Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang? Der Gabuner provozierte seinen Wechsel zum FC Arsenal 2018 trotz gültigen Vertrags mit ausgedehnten Shoppingtouren nach Mailand, die es ihm leider nicht möglich machten, pünktlich zum Training zu erscheinen.

Am Ende durfte er für gut 60 Millionen Euro gen England ziehen. Dort machte sich der heutige Bayern-Profi Philippe Coutinho zeitgleich mit anderen Kniffen unbeliebt. Vor einem Königsklassen-Spiel seines FC Liverpool meldete er sich mit Rückenschmerzen ab, ehe vor einem Pokal-Match plötzlich die Leiste zwickte. Irgendwann wurde es Trainer Jürgen Klopp und Co. zu blöd. Der Brasilianer durfte zum FC Barcelona – für stolze 160 Millionen Euro.

Noch tiefer in die Trickkiste griff 2014 Hakan Calhanoglu. Nachdem er in einem Interview kundgetan hatte, dass er sich beim Hamburger SV nicht mehr wohl fühle, ließ er sich von einer Psychologin vier Wochen krankschreiben. An eine Rückkehr ins Training war danach nicht mehr zu denken. Calhanoglu besorgt: „Da ist so viel Wut und Hass.“ Dass er kurz darauf bei Bayern Leverkusen (Ablöse 14,5 Millionen Euro) wieder völlig angstfrei über den Platz dribbelte, versteht sich von selbst.

"Er hat gedroht, ein Eigentor zu schießen"

So oder ähnlich ließe sich die Liste fast endlos fortführen. Mit dem Holländer Rafael van der Vaart, der trotz Anstellung beim HSV freimütig mit einem Trikot seines Wunschvereins FC Valencia posierte. Oder dem Kroaten Luka Modric, der vor seinem Wechsel von Tottenham zu Real Madrid eine USA-Reise bestreikte.

Nicht zu vergessen: William Gallas. Nachdem der Franzose 2006 von Chelsea zum Stadt-Rivalen Arsenal gewechselt war, gaben die „Blues“ bekannt: „Er hat gedroht, ein Eigentor zu schießen oder sich eine absichtliche Rote Karte einzuhandeln.“ Eine Aussage, die Gallas zwar dementierte, aber natürlich war das Tischtuch zwischen ihm und seinem Ex-Klub da längst zerschnitten.

Ob Ähnliches nun auch zwischen Hertha und Maier droht? Ich mag es mir nicht vorstellen. Der Bursche ist jung, da kann man mal einen Fehler machen. Und wer weiß, vielleicht findet Trainer Klinsmann ja doch noch Gefallen an ihm. Alles andere wäre: wirklich schade.