Meine Woche

“Berlin“-Schriftzug am Breitscheidplatz? Eine sinnvolle Idee

Innensenator Geisel korrigiert die Schutzmaßnahmen für den Breitscheidplatz. Richtig so, schreibt Christine Richter.

Christine Richter, Chefredakteurin der Berliner Morgenpost, schreibt über Berliner Landespolitik.

Christine Richter, Chefredakteurin der Berliner Morgenpost, schreibt über Berliner Landespolitik.

Foto: dpa/Reto Klar/Montage: BM

Berlin. Das kommt nicht oft vor: Ein Senator korrigiert eine eigene Entscheidung. Meistens bleiben Politiker bei ihrem Kurs, auch wenn sich schon nach kurzer Zeit herausgestellt hat, dass dieser falsch war. In dieser Woche jedoch hat der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) das getan, was selten vorkommt – und die Terror-Abwehrmaßnahmen am Breitscheidplatz korrigiert. Wie klug, wie gut.

Vor zweieinhalb Jahren, im Dezember 2016, raste der Attentäter mit seinem Lkw auf den Breitscheidplatz in der City West. Zwölf Menschen fanden bei diesem abscheulichen Attentat den Tod, mehr als 50 wurden verletzt, viele kämpfen noch heute mit den Folgen. In den Monaten danach fragten sich die Berliner Politiker, allen voran natürlich Innensenator Geisel, wie man den Platz besser schützen kann. Da wurden schon seit Anfang 2018 Versuche gemacht – mit Betonpollern und anderen schweren Absperrungen.

Einmal fuhr ein Pkw bei einem Unfall gegen einen der Betonpoller und verschob ihn ein ganzes Stück. Da wurde schon deutlich, dass man auf diese Art wohl keinen Lkw wird abwehren können. Vor ein paar Wochen wurden dann neue schwarze Gitterkästen, mit Sand gefüllt, auf dem Mittelstreifen an der Budapester Straße und rund um den Breitscheidplatz aufgestellt, außerdem gab es neue rot-weiße Poller, auch die Zufahrten wurden zugestellt.

Die Sicherungsmaßnahmen sahen scheußlich aus

Es sah, gelinde gesagt, scheußlich aus. Und es schreckte viele Berliner und Touristen ab. Die umliegenden Hoteliers klagten, dass ihre Gäste verunsichert seien angesichts der massiven Sicherheitsmaßnahmen, der Pfarrer der Gedächtniskirche berichtete, dass wegen der Absperrungen weniger Menschen in seine Kirche kämen, dass auch die Vermüllung auf dem Platz zunehme. Aus dem City-Platz, der mit der Gedächtniskirche und seiner Geschichte so wichtig in Berlin ist, war innerhalb kürzester Zeit ein Platz geworden, den keiner mehr mag.

Auch Innensenator Geisel schaute sich die Sache an. Für ihn ist das Thema ja schwierig. Die Terrorgefahr ist in Berlin, in Deutschland unverändert hoch – auch wenn zum Glück in den vergangenen Monaten nichts passiert ist. Berlin ist als deutsche Hauptstadt noch einmal besonders gefordert – mit den vielen Großveranstaltungen, Demonstrationen und Staatsbesuchen. Den Breitscheidplatz nicht zu sichern, das geht natürlich nicht. Denn sollte dort wieder ein Attentat passieren, dann müsste Geisel, müssten alle verantwortlichen Politiker die Frage beantworten, warum nach dem Attentat 2016 nichts unternommen wurde. Geisels Antwort konnte also nur lauten: Wir haben den Platz besser geschützt, um ein Attentat zu verhindern. Doch wie macht man das am besten?

Geisel schaute in London oder Moskau nach Vorbildern

Geisel sah ein, dass die vorhandenen Sicherungsmaßnahme nicht die beste Lösung für diesen zentralen Stadtplatz war. Und er sah sich in anderen Metropolen wie London oder Moskau an, was die Verantwortlichen dort unternommen hatten. Das Leitmotiv, das Geisel ausgab: „So viel Sicherheit wie nötig, so wenig Einschränkungen wie möglich.“ Herausgekommen ist ein Konzept, das mich zumindest überzeugt.

An der Stelle, wo der Attentäter damals mit dem Lkw durchgebrochen und auf den Weihnachtsmarkt gerast war, wird ein Berlin-Schriftzug stehen. Die Buchstaben aus Stahl sollen zwei Meter hoch sein und so verankert werden, dass sie auch einen Lkw stoppen können. Ich tippe mal, dass das ein beliebtes Foto-Motiv wird – für Touristen, aber auch für uns Berliner. An der Budapester und der Tauentzienstraße werden Poller aufgestellt, die ober- und unterirdisch verbunden und damit stabiler sind, die dauerhafte Sicherung des Platzes wird aber deutlich dezenter sein. Geht doch.