Single Mom

Unsitte Elterndienst: Der beste Kuchen ist mit Hass gebacken

Rundmails für den Frühjahrsputz, Abmahnungsschreiben über Flohmärkte – die Schule nimmt Eltern gerne mal ran. Das riecht nach Rache.

Das Schulfest steht an und ein Kuchen muss her? Manchmal hilft es, kreativ zu werden – und ein bisschen gehässig.

Das Schulfest steht an und ein Kuchen muss her? Manchmal hilft es, kreativ zu werden – und ein bisschen gehässig.

Foto: Rosales / Werner

Berlin. „Wir legen sehr viel Wert auf Elternbeteiligung“, so vermittelte es mir die Direktion vor der Einschulung meines Sohnes. Wir saßen an einem altehrwürdigen Eichentisch bei der Vertragsunterzeichnung. Weder die Direktorin noch ich wollten jetzt einen Fehler machen. Also lächelten wir uns an.

Elternbeteiligung – ein Wort, dass ich prompt wieder vergaß und weil wohl bei vielen anderen Eltern ebenso mit einer solchen spontanen Vergesslichkeit zu rechnen war, sind die Ranzen unserer Kinder und mein Mailfach wochentags stets voller sanfter schriftlicher Erinnerungshilfen. Die Regel ist dabei klar: entweder Partizipation oder Bezahlen. Ein moderner Ablasshandel, könnte man sagen.

Freier Tag oder Tombola fürs Schulfest organisieren?

Wer keine Elterndienste leistet (das gilt an vielen Schulen), bekommt am Schuljahresende die Rechnung. Mehrere Hundert Euro für nicht geleistete Pflichtstunden. Und nein, ich bin nicht scharf darauf zu blechen. Andererseits denken viele berufstätige Eltern wie ich eher an eine Schreitherapie in den Wäldern Kanadas, als an seinem einzigen freien Tag noch die Tombola für das Schulfest zu organisieren.

Vergangene Woche schon wieder. Ein Schreiben. „Liebe Eltern der 1b, in der kommenden Zeit stehen zwei Ereignisse an, bei denen Sie die Möglichkeit haben, Ihre Elternarbeit umzusetzen.“ Neben den Zeilen, die Zeichnung einer Sonne, die dämlich grinst. Liebevoll heftete ich den Zettel an unsere Pinnwand in der Küche. Da wird er wohl hängen, bis er gelb wird.

Dann gibt es eben keinen Flohmarkt

An der Grundschule meiner Freundin herrschen wohl derweil ähnliche Unsitten. Neulich bekam auch sie ein Schreiben. Darin stand: „Weil sich zu wenige Eltern gemeldet haben, kann der Schulflohmarkt nicht stattfinden.“ Ein Brief wie eine leere Drohung. Kein Flohmarkt. Sechs, setzen!

„Ja, dann findet er halt nicht statt. Schade“, sagte meine Freundin. Wir begannen, hysterisch zu lachen. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus genereller Überforderung und spontaner Totalverweigerung. Dann findet der Flohmarkt halt NICHT statt. Schade auch. Und sowas von egal.

Eltern sind froh über freien Sonntag mit der Familie

Denn wie sollen Eltern in Zeiten von wirtschaftlichem Druck, Schichtdienst, Homeoffice (der Witz des Jahrhunderts!), sinkenden Renten, steigenden Mieten und ungerechter Familienpolitik für Alleinerziehende weiter so tun, als würden sie wie in den Achtzigern nachmittags um 5 Uhr nach Hause kommen, in die Hausschuhe schlüpfen, mit ihren Kindern im heimeligen Heim spielen und sich auf das Wochenende und das Schulfest freuen?

Eltern heutzutage sind ÜBERHAUPT mal froh, EINEN freien Sonntag als Familie zu haben. Sonntage, an denen keiner Lust hat, noch einen in Mayonnaise ertrinkenden Nudelsalat zum Stand des Schulfestes durch eine Horde rumrennender Kinder zu balancieren. Und tatsächlich musste ich herausfinden: Auch mein Vater stand einst mit den verpflichtenden Büfett-Beigaben auf Kriegsfuß.

Reissalat à la Papa – mit Kapern, Pfirsichen und Harissa-Soße

„Zu einem Schulfest damals“, erzählte mir mein 72-jähriger Papa neulich „habe ich einen Hass bekommen, weil jeder einen Salat mitbringen sollte.“ Er habe, so schilderte er mir, also zwei Kilo Reis gekocht und alles, wirklich alles, was er im Kühlschrank finden konnte mit dem Reis vermischt – Kapern, Pfirsiche im Glas, Ketchup, Harissa-Soße, Rosinen, Thunfisch, Gürkchen, Eier.

Zum Schluss habe er alles umgerührt, so dass eine rosa Pampe entstand. Diese habe er dann in eine Glasschüssel gefüllt und noch mit einer Petersilienblume garniert. In seiner Rachelust befriedigt, hatte mein Vater dann den Reissalat aus der Hölle auf dem Büfett abgestellt und ihm keine weitere Aufmerksamkeit geschenkt. Bis ihn meine damalige Klassenlehrerin ansprach.

„Sie sind doch der Vater von Caroline“, habe sie zögerlich gesagt. „Ja“, sagte mein Vater. Und meine Lehrerin schlug sich erfreut in die Hände und sagte: „Dann ist die Sache ja klar: Das ist der beste Reissalat, den ich in meinem Leben gegessen habe.“ (Caroline Rosales)

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