Arnos Woche

Raus ins Grüne

Unser Kolumnist Arno Müller äußert sich über Urlaub auf dem Land.

Arno Müller

Arno Müller

Foto: Promo

Hanna-Maus sammelt Eier im Hühnerstall ein und reicht sie ihrer Mutter. Behutsam legt diese eins ums andere in den Korb, der über ihrem Arm baumelt. Als sie acht Stück beisammenhaben, gehen die beiden in die Bauernküche, wo schon frisches Brot und selbst gemachte Marmelade auf dem Frühstückstisch stehen. Die Mutter macht Rühreier, sie streut frische Petersilie obendrauf. Dieses Prozedere wiederholt sich jeden Morgen, eine Woche lang. Die Vierjährige und ihre Familie nennen das Urlaub. Und damit liegen sie voll im Trend: Immer mehr Deutsche machen Ferien auf dem Land, und zwar in Deutschland.

„Diese Stille“, schwärmte auch eine Kollegin, nachdem sie von einer Bergtour aus Bayern zurück war. „Das war Erholung pur. Wir hängen doch nur noch am Handy rum, wie soll man denn da sonst runterkommen?“ Anonyme All-inclusive-Bettenburgen und überfrachtete Rundreisen durch ferne Länder sind nicht mehr. Das Exotische findet sich nun vor unserer Haustür. Auf Malle waren wir alle schon mal, aber wer kennt schon den Schwarzwald?

Die Deutschen gehen wieder auf Wanderschaft oder fahren mit dem Fahrrad und Zelt nach Mecklenburg. Erwachsene machen jetzt genau den Urlaub, für den sie als Kinder ihre Eltern gehasst haben. Auf dem Land gibt es alles, was wir in der Stadt nicht haben, Wald, gute Luft, Ruhe, oftmals Netz. Erst später, wenn sie zurück sind, werden die Social-Media-Accounts mit Fotos überflutet, von dem Baum oder waghalsige Schnappschüsse an Felsabgründen.

Was hat sich geändert, woher kommt das offensichtliche Umdenken, wieso wollen wir unsere Freizeit auf einmal wieder in der Natur verbringen? Immer mehr Menschen sehnen sich offensichtlich nach Ruhe. Sie wünschen sich weniger Stress, wollen nicht erreichbar sein. Manche fühlen sich schon als Sklave der digitalen Welt, habe ich gerade gelesen. Die Stadt, die Zeit, unser Leben werden immer schneller und lauter, die Anforderungen und der Druck nicht nur im Job immer höher. Überall sollen wir top sein, auf dem neuesten Stand, Tausende Infos prasseln auf uns ein, die bedacht, sortiert, verarbeitet werden müssen.

„Ich will nicht einmal daran denken, dass ich am Pool einen Cocktail trinke, wenn ich mir dabei vorstellen muss, dass da noch mehr Leute rumliegen“, sagt die Kollegin, die gerade auf dem einsamen Berg war. Sie will allein im Wald spazieren gehen und Kastanien sammeln, gerade mal mit den eigenen Kindern. Abends lesen, kochen und Karten spielen. Echt jetzt? „Dazu kommt, dass ein Urlaub in den heimischen Gefilden wesentlich preiswerter ist als eine Flugreise nach Thailand“, antwortet sie mir.