Meine Woche

Warum „LovL“ leider nicht Love Letter bedeutet

Die Sommerferien enden, die Schule beginnt. Und der Berliner Senat versündigt sich an den Kindern.

Foto: Funke Medien/pa

Was für ein wunderbarer Sommer. Auch in dieser Woche spielte sich mein Leben nach der Arbeit vor allem im Freien ab. Wie schön ist es doch, abends bei Freunden auf der Dachterrasse zu sitzen oder sich beim Italiener zu treffen und den Abend draußen zu verbringen. Nach der tollen Leichtathletik-Europameisterschaft – wieder einmal die beste Werbung für Berlin und das Olympiastadion – war ich eh beschwingt, ob dieser tollen Zeit, dieses großartigen Sommers in Berlin.

„Wie schnell sechs Wochen Sommerferien vergehen“, dachte ich dann, als die obligatorische Pressekonferenz der Bildungssenatorin anstand. Jedes Jahr informiert sie kurz vor Beginn des neuen Unterrichtsjahres über die Lage an den Berliner Schulen. Vor allem über die Zahl der neuen Lehrer, denn seit einigen Jahren steigen die Schülerzahlen wieder deutlich an, und die Hauptstadt kommt mit der Ausbildung neuer Lehrkräfte nicht hinterher. Und weil Berlin anders als andere Bundesländer seine Lehrer nicht verbeamtet, wird es auch immer schwieriger, Pädagogen für die Schulen zu finden.

Das Zauberwort von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) heißt deshalb seit einiger Zeit: Quereinsteiger. Das sind jene Menschen, die in ihrem bisherigen Job nicht mehr zufrieden sind oder mal etwas anderes machen wollen, und dann an die Schulen wechseln. Sie müssen sich auch weiterbilden, aber ein pädagogisches Studium, das haben die meisten nicht.

Frau Scheeres hatte am vergangenen Donnerstag eine neue Botschaft dabei: „LovL“. Eine neue Abkürzung für Love Letter? Ich war mir nicht sicher, denn mit der Liebesbotschaften in der Schule, auch noch bei diesem Senat, kann es eigentlich nicht weit her sein. Und richtig, dahinter verbirgt sich etwas ganz anderes: LovL steht für „Lehrer ohne volle Lehrbefähigung“. Das seien Akademiker, die allerdings kein Fach studiert hätten, das in den Berliner Schulen direkt gefragt sei, erklärte Frau Scheeres. Viele von ihnen hätten in Willkommensklassen unterrichtet, würden an den Schulen gebraucht und sollen nun für ein bis zwei Jahre weiter beschäftigt werden. Unter den insgesamt 2700 neuen Lehrkräften für das kommende Schuljahr haben rund 1000 Menschen ein abgeschlossenes Lehramtsstudium, hinzu kommen rund 740 Quereinsteiger. Und die übrigen, immerhin mehr als 900 Menschen – ja, das sind LovL. Die Quereinsteiger und LovL werden übrigens vor allem an den Brennpunktschulen, also an den Bildungseinrichtungen, wo die Probleme eh schon groß sind, eingesetzt.

Sandra Scheeres lobte sich dafür, dass es gelungen sei, die Lücke bei den Lehrkräften zu schließen. Mit diesem Lob steht sie allerdings alleine. Natürlich muss man als Staat alles tun, dass es genügend Lehrer gibt – und in schwierigen Zeiten auch auf Quereinsteiger zurückgreifen. Aber die Entwicklung hält doch schon länger an. Warum werden nicht sehr viel mehr Lehrer ausgebildet? Warum werden die Pädagogen in Berlin nicht endlich wieder verbeamtet? Warum wird die Senatsschulverwaltung von dem Anstieg der Schülerzahlen offensichtlich jedes Jahr überrascht?

Wenn Sie sich an Ihre eigene Schulzeit erinnern, so fällt Ihnen bestimmt auch der eine oder andere Lehrer ein, der trotz pädagogischen Studiums alles andere als ein guter Lehrer war. Mir geht es jedenfalls so. Doch ich bin froh, dass ich von Lehrern unterrichtet wurde, die wussten, was Pädagogik ist, die unterschiedliche Lehrformen kennengelernt hatten. Was sich der Senat dagegen jetzt mit den vielen Hundert Quereinsteigern und LovL erlaubt, das ist mehr als ein Trick, um die Lehrerstatistik besser aussehen zu lassen. Die Landesregierung versündigt sich an den Kindern.

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