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Warum ich keine Bastelnachmittage im Kindergarten brauche

Kindergärten nehmen Mütter gerne in die Pflicht. Dabei vergessen wir, dass da niemand mitmachen muss, findet Caroline Rosales.

Caroline Rosales

Caroline Rosales

Foto: PA/ Caroline Rosales / Funke Medien Gruppe

Stellen Sie sich einmal Top-Manager Josef Ackermann vor, meine Damen und Herren, Josef Ackermann himself – ab-straktionsfrei auf der ersten Ebene. Oder Reinhold Würth, Mogul der Würth-Gruppe mit über 74.000 Beschäftigten. Oder Warren Buffet, lange Zeit der reichste Mann der Welt, heute immer noch im Maßanzug und gutsitzender Krawatte unterwegs. Und jetzt bringen sie diese Herren einmal mit einem Herbst-Igel-Bastelnachmittag im Kindergarten zusammen.

Stellen wir uns mal vor, so ein Vorstand eines börsennotierten Unternehmens sitzt Achtziger-Jahre-mäßig an seinem Schreibtisch mit Blick auf die Skyline, als plötzlich die Erinnerung zum Herbst-Igel-Bastelnachmittag in seinem Blackberry aufpoppt. Und er so über die Sprechanlage zu seiner Sekretärin: „Ich habe jetzt eine externe Besprechung. Canceln Sie alle Termine.“ Und dann ist er auch schon aus der Tür.

Und jetzt sehen wir mal einer berufstätigen Mutter in Berlin-Mitte zu, die im Büro feststellt, dass ihr der Igel-Nachmittag zwischen Steuererklärung, Präsentation, geplantem Roggenbrot-, Bananen und Küchenrollen-Einkauf kurzzeitig entfallen ist. Sie wird denken „Oh, scheiße“ und erst einmal die Schuld bei sich selbst suchen. Denken: „Was bin ich bloß für eine miese Mutter, die ihren Scheiß nicht zusammen hat.“ Und vielleicht wird ihr sogar ein Tränchen über die Wange laufen. Dann wird sie eventuell den halben Tag Home Office machen und mit schlechtem Gewissen das Büro Richtung Kindergarten verlassen. Mimimimimi.

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Am Ende des Nachmittags gibt es dann einen Herbst-Igel aus Tonpappe mehr auf der Welt, einen Sechsjährigen, der trotzig sagt, dass ihm Herbst-Igel „scheißegal“ sind, und eine Mutter, die abends mit Laptop auf der Couch sitzt und heulen will.

Keine Eltern-Bastelnachmittage in Frankreich

In solchen Momenten denke ich als Halbfranzösin an mein zweites Heimatland. Da, wo es keine Eltern-Bastelnachmittage gibt, weil die Mütter UND Väter dort ARBEITEN und den Sinn des Kindergartens darin verstehen, dass ihr Kind solange dort ist, wie sie eben ARBEITEN müssen.

Sie ARBEITEN nicht halbtags aus Alibi-Gründen, sondern im echten Leben und das ist richtig, richtig wichtig. Für die finanzielle Existenz, für das Fortleben der freien Wirtschaft. Warum also in den Kindergarten kommen, um MIT DEM KIND zu basteln?

Cateringunternehmen im Kindergarten

Meine französischen Cousinen verstehen nicht einmal das Konzept eines solchen Nachmittags. Auch nicht von Kuchenbasars oder Buffetlisten zu Festen oder Fress-Rucksäcken zum Wandertag. Dafür gibt es in Frankreich flächendeckend nämlich je eine Köchin oder ein Cateringunternehmen im Kindergarten, die oder das DER STAAT bezahlt. Wenn ein Kind Geburtstag hat, backt die Kita-Köchin einen Kuchen. Keine französische Mutter stellt sich abends nach einer Zwölf-Stunden-Schicht noch mit einer Schockini-Backmischung in die Einbauküche.

Das sind Maßnahmen, die Müttern vermitteln: Eure Arbeit ist essentiell wichtig und wir, der Staat, haben Respekt davor. Wir schätzen sie wert und sehen ein, dass es hier einen sozialen Ausgleich aus UNSERER Tasche geben muss. In Frankreich gibt es sehr viele, sehr erfolgreiche berufstätige Frauen. Keine, die sich das Mutterkreuz erbacken oder das Image vom heimeligen Heim wie einen dreckigen Wäschekorb bis in den Kindergarten mitschleppen muss.

Und deshalb habe ich die Konsequenz gezogen. Gerade als Alleinerziehende nehme ich an Bastelnachmittagen außerhalb der Jahresfeste nicht teil. Aus Prinzip. Auch kaufe ich den Kuchen für meine Kinder zum Geburtstag im Laden. Weil ich nicht backen kann und will.

Und das hat nichts mit „böser Mutter“, nichts mit Mimimimi, sondern mehr mit Typen wie Warren Buffet zu tun. Die ihren Wert kennen, wissen, dass sie extrem viel arbeiten und niemandem eine Entschuldigung für ihre Entscheidungen schulden. Mächtige weiße Männer sind in der Regel kein Vorbild – in punkto Selbstliebe allerdings schon.

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