Die deutsche Industrie für Gebäudesicherheit profitiert von der wachsenden Zahl der Flüchtlinge. Ein Besuch auf einer Branchen-Messe.

Neulich hat es einige Einbrüche bei uns im Haus gegeben. Den Mitarbeitern des Restaurants im Erdgeschoss, die den Zugang zu ihrem Keller durch unsere Haustüre haben, wird vorgeworfen, sie würden nicht richtig schließen. Darüber gab es reichlich Ärger unter den Bewohnern. Es wurde viel darüber diskutiert, wie wir unsere Sicherheit im Haus verbessern könnten: Welche Art Tür brauchen wir? Welches Schloss? Wie können wir vermeiden, dass wir uns zwar gut einschließen, aber bei einem Notfall nicht schnell genug aus dem Haus entkommen können? Oder dass wir eine selbstschließende Tür haben, bei der man sich die Finger einklemmt? Unglaublich, wie viel Zeit man mit all diesen Fragen verbringen kann.

Vergangene Woche besuchte ich in Nürnberg die 4. internationale Messe „Perimeter Protection“ für Zauntechnik, Gebäudesicherheit und Zutrittskontrolle. Nicht aus persönlichen Gründen, sondern um über die wachsende sogenannte Perimeterschutz-Industrie für meine Zeitung zu berichten.

Ein echtes Erlebnis

Aber es war zugleich natürlich eine gute Gelegenheit, einige der Ausstellerfirmen nebenbei fragen zu können, wie ich mein eigenes Gebäude – genauer die Haustüre – eventuell absichern könnte. Es war wirklich ein Erlebnis, auf diese Weise in eine Welt einzutauchen, von der ich bis dato keine Ahnung hatte.

Zirka 100 Aussteller präsentierten ihre Waren dort auf der Messe. „Der Schutz vor den unliebsamen Gästen steht bei mir als Bayerischer Innenminister hoch im Kurs,“ schrieb Joachim Herrmann (CSU) im Vorwort des Messeführers. Obwohl er dort aber nicht erwähnte, wie trefflich es doch sei, dass diese Messe in Bayern stattfand, also eben genau dort, von wo aus die meisten der Flüchtlinge ins Land kommen. War es doch auffällig, dass sehr viele Produkte von den Herstellern mit Bezug auf die wachsende Zahl von Flüchtlingen angepriesen wurden.

So zum Beispiel „Roboguard“, ein funkgesteuertes Perimeter-Frühwarnsystem zur Außen- und Freigeländeüberwachung. Es ist in Südafrika entwickelt worden und nun auch in Deutschland erhältlich – für einen relativ bescheidenen Preis von 500 Euro. Der Importeur dieses Produkts erzählte mir, dass dieses System vor allem bei Kunden beliebt sei, die in der Nähe eines Flüchtlingsheimes wohnen.

1000 Euro pro Meter

Oder zum Beispiel ein „Peperosso“, ein Zerstäuber, der im Eingang installiert wird, und Chilispray in die Augen eines unwillkommenen Gastes sprüht. Die ungarische Firma, die „Peperosso“ herstellt (ebenfalls für um die 500 Euro zu haben), bietet Kunden, die bereit sind, mehr Geld für ihre Sicherheit ausgeben, ein Zaunsystem Namens „Quadrosense“. Dieses System wird übrigens gerade an der Grenze zwischen Ungarn und Serbien eingesetzt, um Flüchtlinge aus Ungarn abhalten zu können. Der Preis dafür: etwa 1000 Euro. Pro Meter wohlgemerkt.

Und der Wirkungseffekt? „Hoch“, entgegnete die Dame vom Marketing sehr zuversichtlich. „Die Zahl der Flüchtlinge an der ungarischen Grenze liegt jetzt fast bei null“, sagte sie. Und die Idee des republikanischen US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, auf kompletter Länge einen Grenzzaun zwischen den USA und Mexiko zu ziehen, sei technisch gar nicht so schwer umzusetzen. Schließlich, so fügte ein Messemitarbeiter hinzu, sei Deutschland ja auch mal durch eine Mauer getrennt gewesen. „Wobei wir hier kein Mauermesse sind, sondern eine für Zäune, aber das Prinzip ist das Gleiche“, sagte er. Ich nickte einfach und machte mir Notizen.

Ein ölgedämpfter Schließgeschwindigkeitskontrollmechanismus

Mir erschien es, als sei von Gittermatten und Absperrpfosten über Schiebetore, Schranken, Gabionen bis hin zu Drehkreuze, Stacheldraht und Bodendetektionssysteme dort alles erdenklich Mögliche für den Gebäudeschutz zu finden. Immerhin habe ich auch die Lösung für das Problem mit unserer eigenen Haustür gefunden. Dank einer Firma aus Augsburg bekommen wir jetzt ein Panikschloss gekoppelt mit einem ölgedämpften Schließgeschwindigkeitskontrollmechanismus. Bald werde ich wieder viel besser schlafen können.

Kate Connolly ist Korrespondentin vom „The Guardian & The Observer“