Arnos Woche

Von „Ich geh nach Tram“ bis „Ich hol mich Döner“

Arno Müller beobachtet eine starke Verkürzung der deutschen Sprache. Ist das einfach falsch oder Jugendsprache?

“Ich geh nach Tram“ - Kiezsprache lebt von starken Verkürzungen

“Ich geh nach Tram“ - Kiezsprache lebt von starken Verkürzungen

Foto: Steffen Pletl

Sprache verändert sich und das ist eine Entwicklung wie jede andere auch, eigentlich etwas Positives. Warum also zum Schlimmeren? „Kommst du mit Aldi?“ „Musst du Personalabteilung“ oder „Ich hol mich Döner, Digga“ sind in unserem Alltag angekommen. Gestern hörte ich auf der Straße einen Vater seine Tochter fragen, woher sie den Mann, der sie gerade gegrüßt hatte, kennen würde. Raten Sie mal, was sie gesagt hat? „Von Club!“ Was ist das denn? An dieser Antwort stimmt ja gar nichts! Was haben diese Verstümmelungen zu bedeuten? Haben wir es hier mit kleineren Verfehlungen oder schon mit einer eigenen Sprache zu tun?

Mit „Ich mach dich Messer“ hat das angefangen, was man inzwischen als „Kiez-Deutsch“ bezeichnet und auch in der Schriftform schlägt sich da so einiges nieder: Neulich erklärte mir eine Kollegin, dass sie zwar wüsste, dass „Laura’s Blog“ falsch geschrieben wäre, dies aber absichtlich so schreiben würde. Warum? Das ist falsches Deutsch! „Nee, Jugendsprache, Alter“, grinste sie mich an. Wobei ich ihr zugutehalte, dass sie das nicht respektlos meint, sondern mich damit als „Kumpel“ bezeichnet.

Mittlerweile sprechen auch immer mehr Erwachsene diese Sprache, in der es zu so etwas wie „Ey Schule, du hast Problem“ kommt. Wollen sie sich anpassen, um mit ihren Kindern auf einer Wellenlänge zu sein? Wissen diese Eltern denn nicht, dass die Kids keine Aussicht auf einen Job haben, wenn sie so dermaßen falsch sprechen? Es stellt doch keine Firma jemanden ein, der „Ich ruf mal Chef“ auf eine Beschwerde eines Kunden antworten würde. In der Kommunikation bestimmt der Empfänger, ob sie gelingt. Solange unser Land also kein Kiez ist und unsere Unternehmen keine Straßenecken sind, lohnt es sich, im Deutschunterricht aufzupassen und das Gelernte anzuwenden. Dann schaffen es diejenigen vielleicht auch bald mal wieder „in die U-Bahn“ und nicht nur „nach Tram“.

Arno Müller ist Programmdirektor von 104.6 RTL und Moderator von „Arno und die Morgencrew“ (Montag bis Freitag von 5 bis 10 Uhr)