Arnos Woche

Arno Müller und die Packstation

DHL-Pakete werden in den wenigsten Fällen beim Empfänger direkt abgegeben. Man findet abends eine Karte im Briefkasten und holt sein Paket dann beim Nachbarn oder in der nächsten Postfiliale ab.

Zumindest dachte ich, dass das so sei. DHL-Pakete werden in den wenigsten Fällen beim Empfänger direkt abgegeben. Man findet abends eine Karte im Briefkasten und holt sein Paket dann beim Nachbarn oder in der nächsten Postfiliale ab. Zumindest dachte ich, dass das so sei. Bisher hatte meine Frau diese Aufgabe übernommen, weil sie meistens vor mir zu Hause ist. Doch letzte Woche war ich es, der die Abholkarte in unserem Briefkasten fand.

Da ich schon sehnsüchtig auf meine Bestellung gewartet hatte, stieg ich sofort ins Auto und fuhr zu der angegebenen Adresse. Statt einer Postfiliale fand ich dort einen großen gelben Kasten mit der Aufschrift „Packstation“, was ich noch nie gesehen hatte. In der Mitte dieser Packstation gibt es einen Bildschirm mit Touchscreen, wie man ihn vom Bankautomaten kennt. Auf dem wird unter anderem die Option „Sendung abholen“ angezeigt. Ich drückte also selbstbewusst auf diesen Menüpunkt. Das klappte, aber im nächsten Schritt wurde ich zur Eingabe eines Pins aufgefordert. Was für ein PIN? Ein Paket-Pin, was ist das? Ich wusste nicht, was ich jetzt tun sollte. In diesem Moment steuerte ein anderer Mann mit einem gelben Abholschein in der Hand auf die Packstation zu.

Ich sprach ihn an: „Entschuldigen Sie bitte, haben Sie das schon öfter gemacht? Können Sie mir vielleicht sagen, wie ich an mein Paket herankomme?“ Der Mann warf mir zuerst einen erstaunten Blick zu, lächelte dann aber verständnisvoll: „Sie sind wohl nicht von hier?“ Bevor ich über eine Antwort näher nachdenken konnte, sagte er freundlich: „Der Pin steht hier auf Ihrer Karte.“ Er zeigte auf eine Zahlenfolge auf meinem Abholschein. Ich tippte den Pin ein – und es öffnete sich ein kleines Fach, in dem mein Paket lag. Ich bedankte mich bei dem Mann für seine Hilfe und lief mit meinem Paket unter dem Arm zum Auto zurück.

Irgendwie fühlte ich mich aber wie Damian Lewis aus der Serie „Life“, der nach zwölf Jahren Haft die moderne Welt für sich neu entdecken muss. Als ich zu Hause meiner Frau von meinem Erlebnis erzählte, lachte sie und sagte: „Du hast das neueste iPhone, iPad, du bist auf Twitter, Facebook, und jetzt weißt du auch noch, wie man ein Paket abholt – ich bin stolz auf dich!“ Das hat mich ein wenig getröstet. Trotzdem lasse ich mir in Zukunft meine Pakete in den Sender schicken, da ist nämlich immer jemand da, der sie in Empfang nehmen kann.

Arno Müller ist Programmdirektor von 104.6 RTL und Moderator von „Arno und die Morgencrew“ (Montag bis Freitag von 5 bis 10 Uhr)