Arnos Woche

„Bring back Clarkson“

Ob Genie oder Wahnsinn, manche Menschen ticken anders: Einer davon ist Jeremy Clarkson, der Quotengott der BBC seit 1989.

Jeremy Clarksons Autoshow „Top Gear“ ist keine Null-acht-fünfzehn-Autotest-Schnarch-Sendung. Clarkson fällt auf. Eine kleine Auswahl der unglaublichen Stunts, die ich in der Sendung so liebe: Er veranstaltete mit A-Promis wie Hugh Jackman, James Blunt oder Jimmy Carr Autorennen, spielte mit seinen Co-Moderatoren Autofußball oder Dart, mit echten Autos als Pfeile. Er fuhr im Bugatti ein Rennen gegen einen Eurofighter oder mit einem Toyota zum Nordpol.

Clarkson sagte: „Der Jaguar kriegt in den Kurven seinen Schwanz schneller raus als George Michael“, und riet den Suzuki zu meiden „wie ungeschützten Sex mit einem äthiopischen Transvestiten“. Ja, das ist krass und sarkastisch und das polarisiert. Das ist britischer Humor. Clarkson ist politisch inkorrekt und deshalb macht er mir so viel Spaß.

Jetzt hat der Sender Jeremy, der schon oft wegen seiner Provokationen Ärger hatte, suspendiert. Wegen eines „Streits mit einem seiner Producer“. Er soll ihn geschlagen haben, weil dieser vergessen hatte, das Mittagessen zu bestellen. Erst im vergangenen Jahr, nachdem Clarkson in Argentinien einen regelrechten Volksaufstand verursachte und mit Polizeischutz aus dem Land eskortiert wurde, tat sich die BBC schwer, seinen Vertrag für drei Jahre zu verlängern. Eines scheint sicher: Das, womit Clarkson der BBC jahrzehntelang Geld und 350 Millionen Zuschauern auf der ganzen Welt pro Folge „Top Gear“ gebracht hat, seine Taktlosigkeiten und Skurrilität, werden ihm jetzt vielleicht zum Verhängnis.

Jeremy Clarkson fällt aus der Rolle, geht über Grenzen – und das macht ihn bemerkenswert, so hat er meine Aufmerksamkeit erregt. Diesen Tick Anderssein finde ich spannend. Warum sollte ich mir für einen eintönigen Plauderer die Zeit nehmen? Langeweile ist der Tod meiner guten Unterhaltung. In eine Online-Petitition „Bring back Clakson“ haben sich nun hunterttausende Fans aus der ganzen Welt eingetragen – ich auch. Ich hoffe, die BBC überlegt sich das nochmal.