Arnos Woche

Die Körperwelten sind nicht jedermanns Sache

Nicht Exponate befremden, sondern die Darstellungsform: Arno Müller über die „Körperwelten“-Ausstellung am Alexanderplatz.

Sollte man verstorbenen Menschen die Haut abziehen, sie konservieren und so ausstellen? Diese Frage stelle ich mir, seitdem Gunther von Hagen, der Initiator der Körperwelten-Ausstellung, öffentlich sagte, dass er zum Nachdenken anregen wolle.

Irgendwie wirken die Bilder der Körperwelten-Toten auf mich wie ein Gruselkabinett. Andere meinen, es wäre eine Mischung aus Skandal und Sensation. Ein Exponat, darf man das in diesem eigentlich Falle so nennen, zeigt einen Mann auf Knien und eine Frau, die über ihm schwebt, auf seine Hand gestützt. Sie haben rote Muskeln und starre Glasaugen. Er hält ihr einen Spiegel vor.

Was soll uns das sagen? Ist das, wie von Hagen behauptet, Wissenschaft? Ein einäugiges Skelett, das, aus welchem Grund auch immer im Yogasitz drapiert wurde, reißt seinen Mund weit auf zu einem Schrei und jagt mir einen Schrecken ein, eine tote Frau wurde in der Mitte gespalten und ich soll mir ihr Gehirn zwischen ihrem in zwei Teilen auseinanderklaffenden Totenkopf ansehen. Ist das respektlos, wie die Gegner von Hagen vorwerfen? Ihrer Meinung nach sollten Menschen mit Würde bestattet werden und nicht als Museumsattraktion dienen.

Für mich besonders skurril sind nicht einmal die Exponate an sich, sondern die Darstellungsform: Die Toten umarmen sich, tanzen, machen Sport und wirken so trotz ihrer Plastination erschreckend lebendig. Das finde ich einfach schaurig. Aber es gibt durchaus Ausstellungsbesucher, die begeistert sind und sich sogar selbst plastinieren lassen wollen, wie es in der Fachsprache heißt. 12.500 Freiwillige sollen bei Gunther von Hagens auf der Liste stehen, um nach ihrem Tod präpariert zu werden.

Ob man nun Gegner oder Befürworter der Ausstellung ist: Gunther von Hagen schafft es, mit seinen „Körperwelten“ einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen – und immer wieder für viel Gesprächsstoff zu sorgen. Meine Sache ist das nicht.

Arno Müller ist Programmdirektor von

104.6 RTL und Moderator von „Arno und

die Morgencrew“ (Montag bis Freitag von

5 bis 10 Uhr)