Arnos Woche

Hunde, die auf Möhren kauen

Arno Müller über Veganer, die ihrem Haustier Dinkel-Zucchini-Pâté servieren. Die Hersteller von Fertignahrung für Tiere machen hier ein gutes Geschäft.

Veganismus liegt absolut im Trend. Heutzutage ist man nicht mehr einfach nur Vegetarier. Als überzeugter Weltverbesserer verzichtet man aus guten Gründen vollständig auf tierische Produkte jeglicher Art. Dank Tofu, Seitan, Lupine und Tempeh ist das auch kein Problem mehr. Statt eines saftigen Steaks isst man einen Veggie-Burger. Statt Schurwolle trägt man Hanf. Statt Kuhmilch trinkt man einen Mandel-Soja-Drink.

Doch was passiert eigentlich, wenn man als Veganer im Besitz eines fleischfressenden Haustieres ist? Nehmen wir zum Beispiel des Menschen besten Freund, den Hund. Der Haushund ist ein Abkömmling des Wolfes. Während der Wolf sich vor allem von frischem Wild ernährt, stehen auf der Speisekarte unseres gemeinen Haushundes Pedigree, Chappi und Co. Hundefutter, ob trocken oder aus der Dose, besteht zum größten Teil aus tierischen Produkten.

Ich denke, dass das den Veganer vor ein Dilemma stellen muss. Auf der einen Seite lebt er das fleischlose Paradies auf Erden, auf der anderen Seite zählt er einen fleischfressenden Teufel zu seinen Mitbewohnern. Will der Veganer seine Glaubwürdigkeit nicht verlieren, bleiben ihm eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder er trennt sich von seinem vierbeinigen Freund oder er passt die Ernährung des Hundes seinem eigenen Lebensstil an. Für die erste Variante entscheiden sich wohl doch die wenigsten. Tierliebe ist eben größer als … Tierliebe. Aber wenn man sich mit dem Thema etwas intensiver beschäftigt, lernt man, dass die zweite Variante zunehmend an Popularität gewinnt.

Auf einer Heimtiermesse in Berlin, die gerade erst stattgefunden hat, gingen die Angebote eindeutig in Richtung veganes Tierfutter. Statt Gänseleber bekommt der Hund nun Dinkel-Zucchini-Pâté serviert. Und statt eines Knochens kaut er Herrchen oder Frauchen zuliebe auf einer Möhre. Die Hersteller von Fertignahrung für Tiere machen hier ein gutes Geschäft, weil durch das vegane Futter die Nachfrage nach Zusätzen wie Kalzium, Phosphat oder Taurin ebenfalls steigt. Denn eben diese Stoffe fehlen dem Hund in der fleischlosen Kost.

Somit sind letztlich alle glücklich und zufrieden: Die Tierfutterindustrie verdient noch mehr Geld, der vegane Hund führt ein ethisch korrektes Leben und sein veganer Besitzer kann guten Gewissens seinen Hund behalten. Aber gibt es eigentlich auch vegane Tierpfleger? Was ist mit denen? Werden sie demnächst ihre Löwen und Tiger mit Gurke und Blumenkohl füttern? Wahrscheinlich wird es so sein, denn Veganismus liegt voll im Trend.

Arno Müller ist Programmdirektor von 104.6 RTL und Moderator von „Arno und die Morgencrew“ (Montag bis Freitag von 5 bis 10 Uhr)