Mittendrin

Das ist die stolze Mutter von Bundeskanzlerin Merkel

Florian Kain beobachtet in seiner Kolumne „Mittendrin“ das politische Leben abseits der Gremien. Heute: Herlind Kasner bei der dritten Vereidigung ihrer Tochter Angela Merkel zur Bundeskanzlerin.

Foto: JOHANNES EISELE / AFP

Angela Merkel, die Frau, deren Erfolgsgeheimnis es auch ist, dass sie sich immer zu hundert Prozent unter Kontrolle hat – sie gewährte uns am Dienstag im Bundestag einen der ganz raren Momente, in denen man den Hauch einer Ahnung davon bekommt, wie es in ihr aussehen mag.

Schon bei ihrer zweiten Vereidigung vor vier Jahren vergaß die Bundeskanzlerin vor lauter Aufregung, die rechte Hand zum Schwur zu heben. Dieses Mal durfte die Nation dabei zusehen, wie die Regierungschefin, die ihr Familienleben fast völlig aus der Öffentlichkeit heraushält, ihrer 85 Jahre alten Mutter Herlind Kasner auf der Besuchertribüne zuwinkte. „Deutschlands stolzeste Mama“ (“Bunte“) war in einer lila Jacke erschienen.

Und weil Angela Merkels Mann, der Chemie-Professor Joachim Sauer, es auch dieses Mal wieder vorgezogen hatte, in seinem Uni-Büro zu bleiben, waren es die Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth, Angela Merkels Büroleiterin Beate Baumann und Regierungssprecher Steffen Seibert, die sich dort oben um den Ehrengast kümmerten. Herlind Kasner strahlte nachher über beide Ohren und sagte: „Mir geht es glänzend“.

Herlind Kasner ist „Deutschlands stolzeste Mama“

Das ist keine Selbstverständlichkeit in diesem hohen Alter, zumal der Tod von Horst Kasner 2011 für sie und ihre Tochter ein Einschnitt gewesen sein muss. Eine halbe Stunde zogen sich die beiden nach der Vereidigung ins Reichstagsbüro der Kanzlerin zurück. Wie lange Herlind Kasner danach in Berlin blieb, ist nicht verbürgt.

Aber spätestens am Donnerstag dürfte sie wieder zurück gewesen sein im brandenburgischen Templin. Dann steht um 17.30 Uhr in der örtlichen Volkshochschule ihr wöchentlicher Englisch-Konversationskursus (C1) auf dem Programm (Gebühr: 58 Euro für 15 Sitzungen).

Als Englisch-Lehrerin in Rente ist Herlind Kasner fraglos vom Fach. Ihr Wunsch sei es, schreibt sie auf der Internetseite der Kreisvolkshochschule Uckermark, „dass Lernen nicht nur als anstrengend und mühevoll erfahren wird, sondern als etwas, das Spaß macht und Gewinn bringt“.

Ganz ähnlich beschreibt auch die Tochter ihre Leidenschaft für die Politik. Herlind Kasner gibt diese Kurse nun schon seit 1989. Wenn man mal davon ausgeht, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, dann könnte Angela Merkel es auch im Kanzleramt noch einige Zeit aushalten.