Hannes Jaenicke

„Ich überlege gerade, mir eine Wohnung in Berlin zu kaufen“

Jeden Mittwoch trifft Alexandra Kilian einen Menschen der Stadt zum Lunch. Heute: Schauspieler Hannes Jaenicke im Literaturhaus-Café. Es gibt: Bohneneintopf.

Foto: Uwe Zucchi / dpa

Wie war Ruanda?

Da haben wir eine Doku gedreht zu dem Film mit Alexandra Neldel, der an diesem Dienstagabend im Fernsehen läuft, „Gegen den Sturm“. Sat.1 wollte, dass man nach dem Film einmal sieht, wie die echten Ärzte in Krisen- und Katastrophengebieten leben und arbeiten. Und das ist hart. Es ist soweit weg von dem Wohlstand und Luxus, in dem wir hier leben, und macht gleichzeitig so unendlich viel Sinn. Ruanda ist das dichtest besiedelte Land Afrikas und kämpft immer noch mit den Folgen des Genozids von 1994, der über eine Million Menschen das Leben gekostet hat. Und das bei einer Einwohnerzahl von nicht einmal zehn Millionen.

Welche Konsequenz haben solche Eindrücke für Sie?

Man sieht es den Menschen einfach an, selbst 20 Jahre später. Was dort passiert ist, ist unvorstellbar, vor allem, weil die ganze Welt wusste, was dort passiert und tatenlos zugesehen hat. Trotzdem sind solche Reisen wertvoll. Sie rücken alles in eine gesunde Perspektive. Worüber wir uns hier den Kopf zerbrechen, worüber wir hier jammern und meckern – da kann man Leuten nur empfehlen, einmal in so ein Land zu fahren.

Träumen Sie in der Heimat von Ihren Erlebnissen aus Afrika?

Nein, zum Glück nicht. Woody Allen hat mal gesagt: „Was regen sich alle immer so über den Holocaust auf? Mich wundert, dass so etwas nicht jeden Tag passiert!“ Womit er leider Recht hat.

In Ihren Dokumentationen behandeln Sie solche Themen, im Film eher die seichten. Ist das der Unterschied, den Sie brauchen?

Warum heißt es in Deutschland immer, Komödien seien seicht? Weil wir keine guten Comédies hinkriegen? Oder weil wir so humorlos sind? Komödie ist nun mal das schwerste Genre und genau deshalb mache ich sie gern. In den Dokus geht es mir natürlich nicht darum, reine Unterhaltung zu machen. Daran wäre in Ländern wie Ruanda auch nicht zu denken. Die Menschen dort haben sich damals mit Macheten und Harken umgebracht. Und Frauen gezielt mit Aids angesteckt. Mit Massenvergewaltigungen.

Ich versuche gerade, den Übergang zu finden. Aber ich finde keinen.

Ich überlege gerade, mir eine Wohnung in Berlin zu kaufen. Ist das ein möglicher? Ich drehe so viel in Berlin, dass es Sinn machen würde, eine eigene Wohnung zu haben anstatt immer im Hotel zu wohnen. Ich habe gerade ein Objekt im Osten gefunden. Eine alte Fabrik, in die auch Sozialwohnungen sollen. So was würde mir gefallen.

Was mögen Sie an Deutschland?

Die Zuverlässigkeit. Dass wir trotz unserer Geschichte eine halbwegs funktionale Demokratie haben. Die Meinungsfreiheit, die findet man nämlich selten auf der Welt. Ich habe auch gar nichts gegen unsere viel belächelte Pünktlichkeit und Sauberkeit. Wer viel in der sogenannten dritten Welt herum reist, lernt dies zu schätzen. An Berlin mag ich, dass es die einzige echte deutsche Großstadt ist. Sie ist kosmopolitisch, hat ein phänomenales Kultur- und Kunstangebot und das bunteste Restaurantangebot der Republik!

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.