Mittag mit...

Nicola Galliner - "Das Festival ist wie mein zweites Kind"

Jeden Mittwoch trifft Alexandra Kilian einen Menschen der Stadt zum Lunch. Heute: Nicola Galliner, Direktorin des Jüdischen Filmfestivals, mit Hund Boris im Reinhard’s. Es gibt: Rinderkraftbrühe.

Foto: dpa Picture-Alliance / Eventpress Herrmann / pa/dpa

Sonntag startet Ihr Festival. Der schönste und schlimmste Moment in den letzten 20 Jahren?

Das Festival ist wie mein zweites Kind. Und wie das bei Kindern so ist, gibt es unendlich viele schöne Erlebnisse, aber auch viele schwierige Momente. Bei Festivals waren das oft Momente, in denen der finanzielle Schuh drückt. Die Finanzierungslage ist sehr eng. Aber auch hier gibt es viel Positives zu berichten. So haben wir durch die Brandenburger Politik von Anfang an große Unterstützung erfahren. In Berlin war das oft schwieriger.

Woidke versus Wowereit?

Aber nein! In Potsdam ist das offizielle politische Interesse in Sachen jüdischer Film wirklich groß. Der Ministerpräsident kommt jedes Jahr zur Eröffnungsgala. Das Wirtschaftsministerium ist sehr interessiert. Film war und ist ein wichtiges Wirtschafts- und Kulturgut. Und das ist es auch, auf was wir uns konzentrieren wollen. Wir sind ein internationales Filmfestival, das Spannendes und Aufregendes zeigt.

Nehmen Sie einen meiner Lieblingsmomente, als wir den Film "Max Raabe in Israel" als Weltpremiere im Potsdamer Hans Otto Theater gezeigt haben und im Anschluss Max Raabe und das gesamte Palast Orchester auf der Bühne gesungen haben. Das war sehr ergreifend und wird mir immer unvergesslich sein. Max Raabe war anfangs eher zögerlich, wollte als Deutscher keine schlechten Erinnerungen durch die Lieder bringen.

Unberechtigte Sorgen?

Ja. Ganz und gar. Die Tournee war ein riesiger Erfolg! Die Israelis fanden die Konzerte mit Liedern auf Deutsch toll.

So wie viele Israelis Berlin toll finden – und im Übrigen viele Berliner Israel.

Tel Aviv ist eine sehr lebendige Stadt, wie auch Berlin. Ich lebe seit 1970 hier. Eigentlich bin ich für zwei Jahre in die alte Heimatstadt meiner Eltern gekommen und bin immer noch hier. Es war ein Paradies für junge Leute. Kreuzberg war damals anders. Jetzt hat der Wedding etwas vom damaligen Kreuzberg der 70er. Mein Sohn lebt dort, so wie viele junge Israelis auch. Berlin ist sehr kreativ.

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