Sonntagsfragen vertont

Zur Groko-Abstimmung 2018: Der Sound zum Umfragetief der SPD

Zum Groko-Mitgliederentscheid der Sozialdemokraten 2018 hat die Berliner Morgenpost Umfragewerte der vergangenen 20 Jahre vertont.

Die Umfragewerte für die SPD von 1998 bis heute als Partitur

Die Umfragewerte für die SPD von 1998 bis heute als Partitur

Foto: Interaktiv-Team

Berlin. Groko oder keine Groko? Der Countdown läuft. Am Sonntag will die SPD das Ergebnis ihres Mitgliederentscheids bekanntgeben. In den Umfragen haben die Sozialdemokraten so wenig Zustimmung wie nie. Zur Mitgliederbefragung hat die Berliner Morgenpost aus Wahlumfragen der vergangenen 20 Jahre Musik gemacht.

>> Hier geht es zur Anwendung: Der Sound zum tiefen Fall der SPD <<

Von 46 Prozent im Jahr 1998 bis auf einen Tiefstwert von 15,5 Prozent heute: Der tiefe Fall der SPD in der Wählergunst wird so nicht nur auf einer Liniengrafik sichtbar, sondern auch auf einem Klavier hörbar, beginnend mit einem hohen D und am Ende mit einem tiefen C.

SPD-Sound zum Herunterladen und Remixen

Insgesamt 3838 Umfragewerte von Januar 1998 bis Februar 2018 wurden zu 242 Tönen umgewandelt. Sie werden nun synchron zu einer animierten Infografik abgespielts. Und wer daraus seinen eigenen Song machen möchte, kann das musikalische Rohmaterial herunterladen – im MIDI- und MP3-Format – inklusive Notenblatt.

Mit Hartz IV auf der Tonleiter nach unten

Der Triumph von Gerhard Schröder bei der Bundestagswahl 1998, als die Ära Kohl nach 16 Jahren endete, ist dabei genauso hörbar wie der anschließende Streit mit seinem innerparteilichen Widersacher Oscar Lafontaine. Erstmals richtig tiefe Töne werden dann 2003 und 2004 angeschlagen – zur der Zeit, als SPD und Grüne die Agenda 2010 mit Hartz-IV durchsetzten. Die sieben wichtigsten Punkte auf der Umfrage-Grafik werden in einer Kurz-Chronik beschrieben.

Grokos auch klanglich erkennbar

Klanglich wird aber auch deutlich, dass eine Groko unter Angela Merkel (CDU) für die Sozialdemokraten gemessen an den Umfragen kein Erfolgsmodell ist. In diesen Zeiten geht es auf der Tonleiter weiter nach unten – von Regierungsbeginn bis zum jeweiligen Ende von Schwarz-Rot. In der Opposition gegen Schwarz-Gelb erreicht die SPD dagegen wieder etwas höhere Noten.

Schulz-Hype in hohen Tönen

Und der Hype um Martin Schulz geht für jeden direkt in den Gehörgang. Sprunghaft steigen die Töne vor dem Schluss der Umfrage-Partitur an, als Martin Schulz zum Kanzlerkandidat und 100-Prozent-Chef gekürt wurde. Schließlich wurden die Sozialdemokraten dadurch Anfang des Wahljahres 2017 innerhalb von nicht einmal vier Wochen von 21 Prozent (Forsa 25.01.2017) auf einen Umfrage-Gipfel von 33 Prozent (Emnid 18.02.2017) katapultiert.

Ausklang mit Kevin Kühnert vs. Partei-Spitze

Doch dann kommt das Ende des Liedes: Wie die Liniengrafik stürzen die Töne in neue Tiefen. Die Zeit der Mitgliederbefragung zur Fortsetzung einer großen Koalition ist die Zeit eines innerparteilichen Streits – mit der Führungsspitze um Olaf Scholz und Andrea Nahles auf der einen Seite und Juso-Chef Kevin Kühnert auf der anderen Seite. Die „Ära Schulz“ ist nur noch eine kurze Episode. Sie klingt aus mit einem tiefen C.

>> Hier geht es zur Anwendung: Der Sound zum tiefen Fall der SPD <<

Hintergrund zur Methode und Quellen:

Die Grafik und die daraus abgeleitete Tonfolge basieren auf den Umfrageergebnissen verschiedener Meinungsforschungsinstitute auf die sogenannte Sonntagsfrage "Wenn am nächsten Tag Bundestagswahl wäre ...?". Die Umfragewerte stammen von wahlrecht.de.

Es handelt sich laut Angaben der Institute um repräsentative Umfragen, bei denen aber statistische und systematische Fehler auftreten können. Zu jedem Zeitpunkt berechnen wir deshalb einen Durchschnitt der umliegenden fünf Prozent der Umfragen aller sieben Institute. Je näher die Werte an diesem Zeitpunkt liegen, desto stärker fallen sie ins Gewicht. Daraus ergibt sich die Durchschnittslinie. Zusätzlich zeigen wir jede einzelne Umfrage im Hintergrund.

Der jeweilige Durchschnittswert zum ersten Tag eines Monats wurde gerundet und in Noten umgewandelt. Daher werden 242 Tonwerte auf einer Ganztonleiter von D5 bis C1 gespielt. Hier können Sie die musikalischen Rohdaten herunterladen (Zip-Datei 2 MB).

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.