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Massage gefällig?

Etwa 6000 Helfer nehmen am Berlin-Marathon teil,von den Streckenposten bis zu den Masseuren

DAGMAR TRÜPSCHUCH

Die einen laufen, die anderen skaten – und wieder andere helfen. Es gibt viele Möglichkeiten, am Berlin-Marathon teilzunehmen und die besondere Atmosphäre zu genießen. Jedes Jahr melden sich rund 6000 Frauen und Männer, Jüngere und Ältere an, um bei der Startnummernausgabe, als Streckenposten bei der Kleiderablage, der Versorgung oder der Medaillenvergabe zu helfen. „Es gibt alte Hasen, die seit Jahrzehnten dabei sind“, sagt Stefanie Zach, die die Freiwilligendienste organisiert und managt.

Ohne die helfenden Hände könnte das Fest der schnellen Beine nicht so perfekt organisiert und gestemmt werden. „Es gibt auch viele Vereinsgruppen oder sonstige größere Gruppen, die sich seit Jahren eigenständig organisieren und gesammelt bei uns für den immer gleichen Einsatz anmelden“, so Zach. Zum Beispiel Abiklassen – im Gegenzug erhalten sie das Helfergeld von zehn Euro pro Person gesammelt auf ihr Abikonto – als Finanzspritze für den Abiball. Helferinnen und Helfer registrieren sich beim SCC Events Vo­lunteer-Club (www.scc-events.com/­corporate/volunteers) und können sich hier schon ihren Einsatzbereich aussuchen. „Aufgrund des hohen Bedarfs an der Strecke, ist ein angemeldeter Streckenposteneinsatz in der Regel sicher bestätigt“, sagt Stefanie Zach.

Zwei der rund 6000 Volunteers sind ­Janina und Hafize. „Es ist ein ganz tolles Erlebnis“, sagt Janina, die im zweiten Jahr an der Strecke ist und als Masseurin Läuferinnen und Läufern, die einen Krampf im Bein haben oder am Rand der Strecke kurze Entspannung suchen, hilft. Die 28-Jährige macht gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Hafize, 41, die Ausbildung zur Masseurin und medizinischen Bademeisterin an der Euro Akademie. Sie sind im zweiten Jahr ihrer Ausbildung und werden die Abschlussprüfungen gerade hinter sich gebracht haben, wenn sie am Marathon-Sonnabend für die Skater und am Sonntag für die Läufer im Einsatz sind.

Auf die Skaterinnen und Skater warten sie hinter der Ziellinie im Massagezelt. Rund 20 Minuten dauert eine Behandlung, in der die Masseurinnen Beine und Rücken der Sportler behandeln. Die nehmen den Service gerne in Anspruch, um sich von den Anstrengungen des schnellen Skatens zu erholen.

Der Sonntag der Läuferinnen und Läufer sieht anders aus. Da stehen Janina und Hafize bei Kilometer 25 an der Strecke, gekleidet mit Veranstaltungsshirt und -jacke, und warten neben den tragbaren Pritschen auf Laufkundschaft. Aber nimmt sich wirklich jemand die Zeit für eine Massage, wenn es um die persönliche Bestzeit geht? Janina bejaht. Bei vielen Läuferinnen und Läufern, sofern sie nicht zur Spitzenmannschaft gehören, setzten zur Halbzeit die ersten Ermüdungserscheinungen ein, andere hätten einen Krampf. Die ersten seien noch zögerlich, sagt sie, aber wenn Läufer sähen, dass andere kurz innehielten und anschließend gestärkt weiterlaufen könnten, motiviere es auch sie, eine kurze Pause einzulegen. „Wir schütteln und kneten die Muskeln“, erläutert Hafize. Das Schütteln lockere das Gewebe auf, das Kneten nehme die Schmerzen.

Natürlich helfen auch Worte. Da kramt Hafize sogar ihre russischen Sprachkenntnisse raus und feuert die Sportler mit einem „Dawai, dawai“ an, weiterzulaufen. „Es ist toll, Menschen zu motivieren, die am Ende ihrer Kräfte sind, und zu wissen, dass sie es dann vielleicht doch ins Ziel schaffen“, sagt sie. Für beide Helferinnen ist die Arbeit am Sonntag wesentlich stressiger als am Sonnabend. Gerade zum Ende des Marathons, wenn die langsameren Läufer kommen, stehen diese mitunter Schlange und warten auf eine Massage. Fünf Minuten Zeit nehmen sie sich pro Person; Hafize erinnert sich an eine Situation, in der sie mit ihren Händen zwei Personen gleichzeitig auf zwei Liegen behandelt hat.

Doch warum investieren die beiden Frauen zwei Tage ihrer raren Freizeit, um zu helfen? „Zum einen, weil es Spaß macht“, sagt Hafize, die die Stimmung an der Strecke schätzt und zwischen zwei Einsätzen – besonders am Anfang des Wettkampfes, wenn die Profis auf der Strecke sind – applaudiert und anfeuert. „Zum anderen, um Praxiserfahrung zu sammeln“, ergänzt Janina. „Es geht mitunter zu wie auf einer Rettungsstation, das sind Erfahrungen, die wir im praktischen Teil unserer Ausbildung nicht machen.“ Zur Belohnung für ihren Einsatz erhalten sie neben dem Gefühl, etwas Gutes für sich und andere getan zu haben, die Event-Jacke und das Shirt.

Beide wollen dem Marathon als Helferinnen treu bleiben – wie so viele Urgesteine, die das besondere Marathon-Feeling schon seit Jahren erleben – ohne dafür 42 Kilometer laufen zu müssen.

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