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Wohnen wie am Meer

Hier der Müggelsee, dort schicke Gründerzeitvillen. Friedrichshagen gilt als eine der schönsten Lagen im Osten Berlins. Das Rezept: die Mischung aus Natur und Urbanität

THERESIA BALDUS


Der Schriftsteller und Journalist Kurt Tucholsky hat seine persönlichen Wohnwünsche einst so beschrieben: „eine Villa im Grünen mit großer Terrasse, vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße; mit schöner Aussicht, ländlich-mondän“. Nun, die Ostsee ist es nicht, sondern der Müggelsee. Ansonsten kommt der Ortsteil Friedrichshagen diesem „Ideal“ aber durchaus sehr nahe.

„Es ist diese Mischung aus grüner Umgebung und Urbanität, die es ausmacht“, schwärmt auch Oliver Giersch, Geschäftsführer des Maklerunternehmens Engel & Völkers Frohnau-Köpenick.

Friedrichshagen gilt innerhalb von Treptow-Köpenick als eine der besten Lagen überhaupt – und ist daher auch eine der begehrtesten. Kein Wunder also, dass auch der Zuzug in den vergangenen Jahren enorm war. Entsprechend knapp ist der Wohnraum geworden. Und da kaum Neubauten entstehen, stürzen sich alle auf frei werdende Bestandsobjekte. Laut Immobilienexperte Giersch machen diese knapp 85 Prozent aller Verkäufe aus. Mittelfristig würden es an die 100 Prozent sein. Das knappe Angebot hat natürlich auch die Preise nach oben getrieben. Eine Villa am See wechselt schon mal für 2,5 Millionen Euro den (sicher glücklichen) Eigentümer.

Unter 900.000 Euro ist ein Einfamilienhaus in den besten Lagen nicht zu bekommen. Und auch eine „einfache“ Eigentumswohnung in Friedrichshagen kostet bis zu 5000 Euro pro Quadratmeter. Liegt das Objekt am Wasser, werden noch höhere Preise erzielt. „Die Verkäufer verlangen keine realen Kaufpreise mehr, sie nehmen Trennungsgeld“, sagt Michael Sasse, Geschäftsführer des Immobilienkontors Berlin-Köpenick. Einerseits sei das schwer nachzuvollziehen: „Die Werthaltigkeit ist nicht gegeben.“ Die Mietpreisentwicklung halte auch nicht Schritt mit der Kaufpreisentwicklung. Auf der anderen Seite gibt es natürlich Gründe für diesen Run: Das schöne Friedrichshagen mit seinen vielen Gründerzeitvillen hat ein besonderes Flair. „Es könnte eine süddeutsche Kleinstadt sein“, sagt Sasse. Giersch hebt insbesondere die Bölschestraße hervor, die mitten durch den Ort hindurchgehende Flaniermeile mit Läden, Restaurants und Cafés. Sehr positiv bewertet der Makler außerdem das durchmischte Publikum in Friedrichs­hagen – die weniger gut Betuchten westlich der Bölschestraße, die Wohlhabenderen östlich und am See. „Hier grüßt man sich auf der Straße“, sagt er. Das gelte auch für die, die neu zuziehen.

Der Platz wird knapp

Sehr viele neue Bewohner kann Friedrichshagen allerdings nicht mehr aufnehmen. Der Platz wird knapp, es gibt fast keine Grundstücke mehr. Wenn überhaupt neuer Wohnraum entsteht, dann meist aus Umwandlungen. So sind kürzlich in der Ahorn­allee 39 A im Gebäude der alten Gießerei 27 Eigentumswohnungen entstanden. Der Immobilienvermarkter Ziegert hat den Vertrieb übernommen. Der Quadratmeter kostet rund 4500 Euro. „Das ist heute der Schnitt für Neubauten“, sagt Till McCourt, Leiter Recherche der Ziegert Bank- und Immobilienconsulting. Vor zwei Jahren habe der Preis noch deutlich darunter gelegen. Dennoch „läuft der Vertrieb gut“, sagt McCourt. Das mag auch damit zu tun haben, dass ein vergleichbar ausgestattetes Objekt in Mitte „je nach Lage mindestens 2000 Euro mehr kosten würde“. Und natürlich liegt es am Ortsteil selbst. Schon alleine wegen des Sees ist er im Osten Berlins nahezu einmalig.

Begehrte Neubauobjekte

Direkt am Wasser sind jüngst auch zwei neue Objekte entstanden. Das Areal am Müggelseedamm 128 besteht aus Alt- und Neubauten. Alle 22 Wohneinheiten sind bereits verkauft.

Rund einen Kilometer östlich, ebenfalls am Müggelseedamm, entstehen aktuell die „Müggelsee-Residenzen“, ein exklusives Wohnensemble aus fünf Gebäuden mit insgesamt 45 Eigentumswohnungen. Der Quadratmeterpreis liegt im Schnitt bei knapp 7000 Euro – ein stolzer Preis. Dafür erhält man aber auch ein Stückchen Luxus. Hans-Jürgen Alda, der vor zwölf Jahren begann, das Projekt zu entwickeln, wirbt mit einem „Seegrundstück, das in Berlin seinesgleichen sucht, mit eigener Marina vor der Tür“. Gut die Hälfte aller Wohnungen sind schon fertiggestellt. Die anderen sollen bis Ende des Jahres bezugsfertig sein. Verkauft seien sie fast alle, sagt der Chef des Immobilienunternehmens KAB.

Auch zwei öffentliche Immobilienprojekte befinden sich derzeit im Bau: In der Stillerzeile errichtet die Wohnungsbau­genossenschaft GWG Berliner Bär 50 Wohneinheiten, in der Karl-Pokern-Straße errichtet die
Degewo 72 Wohnungen.

Eines scheint festzustehen: Wer nach Friedrichshagen will, sollte sich beeilen. In Zukunft wird es eng. Eventuell wird noch die ehemalige Bürgerbräu-Brauerei in Wohnungen umgewandelt. Pläne dafür existieren bereits, recht voran geht es allerdings nicht. Sollten sie aber jemals realisiert werden, steht schon eines heute fest: Die Preise werden hoch sein. Die Lage ist schließlich ein Traum. Auch wenn man für einen Besuch an der Ostsee, wie Tucholsky es sich einst wünschte, doch ins Auto steigen muss.

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