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Seit 80 Jahren standhaft: Der Löwe am Wannseeufer

Eigentlich könnte man ihn beneiden. Tagaus, tagein schweift sein Blick über den Wannsee bis hinüber zum Strandbad Wannsee. Die vertäuten Segelboote schaukeln im Wind, am Ufer spazieren ein paar Fußgänger. Doch für den Flensburger Löwe ist dieser Standort genau genommen die falsche Wahl. Denn solche Großkatzen wie er sind wasserscheu und zudem keine guten Schwimmer. Aber es war nicht seine Wahl.

Der mächtige Löwe ist eine Skulptur, wenn auch nur eine Kopie. Der dänische Bildhauer Herman Wilhelm Bissen (1798–1868) entwarf den Löwen als Symbol für den Sieg der Dänen über die Schleswig-Holsteiner im Sommer 1850 bei Idstedt. Er wurde auf dem Alten Friedhof in Flensburg aufgestellt. Nach dem Sieg des Deutschen Bundes über die Dänen 1864 kam der Löwe nach Berlin. Im Februar 1868 wurde er im Hof des Zeughauses aufgestellt. Als das als Waffenarsenal erbaute Gebäude umgebaut wurde, zog er weiter nach Lichterfelde. Dort wurde er im April 1978 im Hof der Preußischen Hauptkadettenanstalt aufgestellt.

Wilhelm Conrad, Bankier und Gründer der Villenkolonie Alsen, die heute ein Ortsteil von Wannsee ist, sah, wie man auf der Tafel an Leos Sockel lesen kann, in ihm „das Symbol des Sieges, der durch den Übergang der preußischen Truppen auf die Insel Alsen entschieden wurde“. Deshalb ließ Conrad 1865 einen etwa zwei Tonnen schweren Zinkabguss anfertigen. Der Standort am Wannseeufer auf einem Aussichtsplateau kann dieses Jahr ein rundes Jubiläum feiern. Der Abguss wurde 1938, also vor 80 Jahren, dort platziert.

Das Original zog 1945 um. Der Idstedt-Löwe wurde von den Amerikanern an die Dänen zurückgegeben und ging nach Kopenhagen. Vor sieben Jahren, 2011, machte sich der originale Leo erneut auf Reisen – zurück an seinen ursprünglichen Standort in Flensburg.

Auch, wenn der Löwe vom Wannsee kein Fan von Wasser ist, könnte er doch seine Natur, Geschichte und Kultur bietende Umgebung wertschätzen. Zum Düppeler Forst sind es nur wenige Schritte und auch das Haus der Wannsee-Konferenz und die Liebermann-Villa liegen in Laufnähe. Aber König Löwe blickt lieber in den Himmel.

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