Immobilien

Welche Immobilienaktien sich lohnen

Analysten rechnen weiterhin mit einem boomenden Markt. Privatanleger sollten ihr Geld sinnvoll aufteilen

Immobilien machen glücklich – das zeigt eine Studie der Universität Hohenheim im Auftrag der LBS-Stiftung Bauen und Wohnen. Den Studienergebnissen zufolge sind knapp zwei Drittel der Immobilienbesitzer der Ansicht, dass ihr Wohneigentum sie glücklicher macht. Ob eine Immobilie aber auch ein gutes Investment ist, zeigt immer erst die Wertentwicklung in der Zukunft.

Dennoch: Immobilien haben einen sehr guten Ruf als solide Investmentklasse, sie stehen für Sicherheit und Wertbeständigkeit – also Attribute, die bei Anlegern derzeit stark nachgefragt sind. Folglich zählen sie auch zu den beliebtesten Formen der Geldanlage, gerade in Zeiten niedriger Zinsen. Denn diese auch gern mal als „Betongold“ titulierte Anlageklasse verspricht weiterhin steigende Preise – schließlich ist die Nachfrage nach Wohnraum derzeit ungebrochen, vor allem in den Großstädten und Metropolregionen.

Kehrseite dieser Anlageklasse ist allerdings, dass es bei Privatanlegern selten für mehr reicht als die eigenen vier Wände. Um sich durch Direktinvestitionen ein mehr oder weniger diversifiziertes Immobilienportfolio aufzubauen, sind Unmengen an Kapital notwendig. Kaum ein Privatanleger kann sich neben seinem Eigenheim viele weitere Häuser, Wohnungen und Gewerbeobjekte in unterschiedlichen Städten leisten.

Daher liegt der größte Teil des Investmentmarktes in der Hand großer Immobilienunternehmen, die diverse Objekte gleichzeitig entwickeln, bauen, bewirtschaften und vermarkten. Viele dieser Unternehmen sind Aktiengesellschaften, die Unternehmensanteile über die Börse verkauft und auf diese Weise von Anlegern das entsprechende Kapital eingesammelt haben. Und genau hier liegt auch eine Chance für Privatanleger, auf indirekte Art und Weise am Immobilienboom teilzuhaben.

Wie lässt sich das Risiko beim Investment eindämmen?

Denn die Aktien dieser Immobilienunternehmen haussieren: Die Anteilsscheine haben in den vergangenen drei Jahren einen beispiellosen Aufstieg hingelegt, die Kurse haben sich in diesem Zeitraum fast verdoppelt. Das zeigt
der deutsche Immobilienaktienindex
Dimax, der die Wertentwicklung der deutschen Immobilienaktien abbildet. Trotz des Kurssturzes Anfang Februar im Rahmen der weltweiten Börsenturbulenzen liegt der Index immer noch über dem Niveau vom November vergangenen Jahres.

Und in den kommenden Monaten dürfte es wieder aufwärtsgehen, erwarten Marktbeobachter. Denn die Grundstimmung in der Branche ist weiterhin positiv, wie eine Studie des Beratungshauses Kirchhoff zeigt, für die Ende vergangenen Jahres mehrere Analysten zu den Kurschancen deutscher Immobilienaktien befragt wurden. „Ob man direkt oder indirekt in Immobilien investiert, ist Geschmackssache“, konstatiert Thomas Schüttken, Geschäftsführer der Düsseldorfer Böcker Schüttken Real Estate GmbH.

Was für das Investieren in Immobilienaktien spricht: Aktuell befindet sich die Branche im Übernahmefieber – und das kann mitunter die Kurse beflügeln. Gerade erst genehmigten die Wettbewerbsbehörden dem im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Immobilienunternehmen Vonovia die Übernahme der österreichischen Buwog AG – allein das Volumen dieser Übernahme liegt bei schwindelerregenden fünf Milliarden Euro. „Durch Standardisierung und Digitalisierung steigern wir unsere Effizienz, durch Investitionen die Qualität unserer Immobilien“, sagt Rolf Buch, Vorstandsvorsitzender von Vonovia.

Doch trotz offenkundiger unternehmerischer Erfolge ist es für Privatanleger durchaus riskant, direkt in Immobilienaktien zu investieren und auf diese Weise Anteile an in der Immobilienbranche tätigen Unternehmen wie Vonovia zu erwerben. Denn auch die Aktien der großen Bauingenieurfirmen, Immobilienmakler, Wohnungsbaugesellschaften oder professionellen Hausverwaltungen sind sehr schwankungsanfällig.

Erst mit dem Erwerb vieler verschiedener Immobilienaktien lässt sich eine Risikostreuung innerhalb dieses Marktsegments erreichen. „Die Ergebnisse des vergangenen Jahres, aber auch über längere Zeiträume verdeutlichen: Mit breit gestreuten Unternehmensbeteiligungen kann der langfristige Vermögensaufbau gelingen“, sagt Norman Lemke, Vorstand und Gründer des Vermögensverwalters RWB Group. Eine breite Streuung auf eigene Faust zu erreichen, ist allerdings mühsam.

Einen Ausweg bieten Exchange Traded Funds (ETFs), also börsengehandelte Fonds, die im Unterschied zu klassischen Fonds nicht von Fondsmanagern gemanagt werden, sondern passiv einen bestimmten Index nachbilden – im Fall von Immobilien-ETFs beispielsweise den Dimax oder auch andere europäische oder globale Immobilienindizes. Dieser Vorgang des Nachbildens von Indizes wird auch als Replikation bezeichnet.

Im Unterschied zu Aktien setzen Anleger dadurch nicht auf einen Einzelwert, sondern beteiligen sich an einer Vielzahl von Gesellschaften auf einmal. So sinkt das Risiko. Außerdem bleiben die Anleger flexibel, weil sie durch das Börsenlisting jederzeit ein- oder aussteigen können – im Gegensatz zu einem Direktinvestment in eine oder mehrere Immobilien, wo man meist jahrelang an seine Anlage gebunden ist. Auch die Kosten sind geringer – schließlich muss kein Fondsmanager bezahlt werden, der Verwaltungsaufwand und auch die bei Fonds sonst üblichen Ausgabeaufschläge sind geringer.

Allerdings sollten Anleger auch beim Kauf von ETF-Anteilen eine wichtige Grundregel beachten, so Immobilienexperte Schüttken: „Je höher die Rendite, desto höher das Risiko.“ Außerdem sollte man grundsätzlich immer nur dann Geld investieren, wenn man auch Kursausschläge aushalten oder aussitzen kann. Wenn das der Fall ist, steht dem Glück des Immobilienbesitzes nichts mehr im Wege. Sogar ohne eigene vier Wände.

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