Extras

Geteilter Raum ist doppelter Raum

Wie das Prinzip „Sharing“ auch in der Immobilienbranche beliebt wird

Teilen, Leihen, Weitergeben. In der Sharing Economy dreht sich alles um ein nachhaltiges, ressourcenschonendes Wirtschaften, das individuellen Wünschen gerecht wird und Kosten spart. Was einst auf Tauschbörsen, Flohmärkten und in Wohn­gemeinschaften begann, ist heute ein starker Trend unter ­Start-ups und erobert zunehmend die klassische Wirtschaft mit neuen Geschäftsmodellen – auch in der Immobilienbranche.

Vorreiter sind die Bürogemeinschaften, aus denen die modernen Co-Working-Spaces wurden. Sie bedienen eine Arbeitswelt, in der Freiberufler, Existenzgründer und kleine Unternehmen zunehmen. Sie mieten auf repräsentativen Flächen nur den Teil, den sie wirklich brauchen. Der besondere Kniff: Wer bei spezialisierten Vermietern wie WeWork, Betahaus oder The Factory einmietet, bekommt gleich ein ganzes Netzwerk mitgeliefert. Kollaboration ist hier kein Zufallsprodukt, sondern Kern der Geschäftsidee.

Co-Living funktioniert ähnlich. Wer Mitglied bei Happy ­Pigeons wird, kann sich für 620 Euro im Monat über ein möbliertes Einzelzimmer inklusive wöchentlicher Reinigung, Communitymanager, Zugang zu Gemeinschaftsflächen, Fahrrädern und Co-Working-Arbeitsplatz freuen. Und das mitten im angesagten Prenzlauer Berg. Die drei Gründer begreifen es als ihre Mission, einzigartige Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, Vielfalt zu fördern und unterschiedliche Menschen zusammenzubringen.

Weniger idealistisch, aber dafür kommerziell erfolgreich, ist das Projekt „Quarters“ des Entwicklers Medici Living, das moderne Wohnprojekte in mehreren Städten der Welt betreibt. „Quarters hat es sich zum Ziel gesetzt, Wohnen flexibler, einfacher und komfortabler zu gestalten“, sagt Geschäftsführer Gunther Schmidt. „Unsere Community profitiert davon, dass sie nicht an einen Ort gebunden ist, sondern zum Beispiel den Sommer in New York verbringen kann und den Rest des Jahres in Berlin.“

„Diese Lebensflexibilität wird in erster Linie ermöglicht durch die Digitalisierung, die „sämtliche Bereiche unseres Lebens verändert“, so Schmidt. Das spricht vor allem Jüngere zwischen 25 und 35 an. „Sie arbeiten im ersten, zweiten oder dritten Job, haben noch keine Familie und gehen in ihren Jobs auf“, so Schmidt.

Eine Idee, die es in Form von Wohnungsbaugenossenschaften schon seit über 100 Jahren gibt. Berlin gilt als deutsche Hochburg. Und so ist es wenig verwunderlich, dass sich hier auch eine Entwicklungsgenossenschaft gegründet hat, um ein Neubauprojekt zu realisieren. Für die Urban Coop Berlin (UCB) gilt es, einen Beitrag zu leisten gegen steigende Mieten, Spekulation und Verdrängung, wie Mitgründer und Architekt Robert Ostmann sagt. Wie bei allen Pionierprojekten ist die Umsetzung nicht immer leicht. Doch die Vision ist klar und findet in einer jungen Generation eine wachsende Zielgruppe.