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Ein Ort der Beseelten

„Heilung, Hilfe, Harmonie“: Dieser Dreiklang ist das Motto im buddhistischen Zentrum Bodhicharya mit Sitz in Friedrichshain. Die als Verein organisierte Gemeinschaft bietet auch Interessierten Einblicke. Ein Besuch

08:00 Bodo Schwarz schließt einen öffentlich zugänglichen Meditationsraum auf. „Ich bin immer der Erste morgens“, sagt er und macht sich an sein Tageswerk. Das buddhistische Zentrum Bodhicharya ist noch im Ausbau begriffen und es gibt immer viel zu tun. „Ich bin eine Art Hausmeister und erledige alle notwendigen Tätigkeiten“, sagt Schwarz. „Heute ist die Dachrinnenreinigung dran.“

09:10 Heilung, Hilfe, Harmonie – dafür stehen die Hände im Logo von Bodhicharya. „Diesen Dreiklang setzen wir auch um“, sagt Vorstandsmitglied Christiane Uekermann. An einem Schrein füllt sie Wasserschalen auf. Sie symbolisieren Opfergaben für Buddha, im übertragenen Sinne einen Willkommensgruß. „Wir sind weder sektiererisch, noch dogmatisch“, sagt Uekermann. „Der spirituelle Meister Ringu Tulku Rinpoche ist sehr liberal, er möchte einen offenen Ort schaffen, an dem der interreligiöse Dialog gepflegt wird. Eine Art Stadtteilzentrum, wo jeder willkommen ist.“

10:25 Architektin Inka Drohn hat ihr Büro direkt auf dem Gelände. Inzwischen findet sie Zeit für andere Projekte, „aber fast zehn Jahre habe ich nur Bodhicharya gemacht“. Eine ehrenvolle Aufgabe, denn das denkmalgeschützte ehemalige Stadtgehöft Boxhagen gehört zur ältesten Bausubstanz in ganz Friedrichshain. „Der einzige mit dem Denkmalschutz ausgehandelte Kompromiss war der Bau des über sechs Meter hohen Tempelraumes, den brauchten wir natürlich.“ Dorthinein kam ein riesiger Buddha, der als Kunstobjekt geschaffen worden war. Drohn hatte ihn auf dem Viktualienmarkt in München entdeckt.

10:55 Brigitte Huzly kümmert sich um die Vermietung der Vereinsräume, die auch gern von externen Gruppen genutzt werden. „Alles, was hilft und heilt ist bei uns willkommen“, sagt sie, „alles, wo Weisheit und Mitgefühl zusammenkommen.“ Ob Yoga, Tai Chi oder Tanzkurse – die stille Atmosphäre samt Garten macht das Zentrum zu einem gefragten Anlaufpunkt. Darüber hinaus braucht der gemeinnützige Verein die Mieteinnahmen.

12:20 Noch trocknet der Putz am über sechs Meter hohen Stupa, der im tibetischen Buddhismus vielfältige symbolische Bedeutung besitzt. In dem glockenförmigen Gebilde werden Reliquien aufbewahrt. „Hier sind unter anderem eine kupferne Mandalaplatte, gefüllte Buddhastatuen, Heilkräuter oder gesegnete Mantras aus Nepal drinnen“, sagt Vereinsvorstand Björn Behnke. „Das ist eine Wissenschaft für sich, im Innern des Stupas gibt es verschiedene Kammern. Spezialisierte Lamas aus Nepal entscheiden, was dort wie angeordnet werden muss.“ Nach drei Jahren Vorbereitungszeit fiebern alle der offiziellen Einweihung im Frühling entgegen.

13:15 Einnahmen sichten, Mieten buchen, Spendenbescheinigungen ausstellen – wo früher baufällige Garagen standen, kümmert sich Edel Exel in einem schicken Büro um die Buchhaltung. „Es war aber nicht immer so gemütlich“, sagt sie. „Als wir hier angefangen haben, musste ich morgens erst einmal den Kachelofen anheizen. Richtig warm wurde es dann erst Stunden später.“

14:35 Michaela Dräger klebt einen farbigen Halbedelstein ans Ende einer Steinspirale. Zusammen mit einem Kollegen leitet sie den buddhistischen Hospizdienst Horizont. „Das mit der Spirale war unsere Idee, jeder Stein erinnert an einen Menschen, den wir begleitet haben.“ Der Hospizdienst schult und koordiniert ehrenamtliche Helfer, die unentgeltlich Sterbende begleiten. „Unabhängig vom Glauben, weder muss man Buddhist sein, noch müssen wir von Buddhismus reden.“ Eine spirituelle Begleitung ist aber möglich. „Dafür haben wir verschiedene Meditationstechniken erlernt“, sagt Helferin Nadine Brüggebors, „das ist ein Plus zu herkömmlichen Hospizdiensten“.

15:00 Die Küche ist ein sozialer Treffpunkt der Bodhicharya-Gemeinschaft. Auch wegen der leckeren Gerichte, die Tenzo Tuc auftischt. Tuc kocht vegan und probiert gerade sein Sojageschnetzeltes mit frischem Tofu und Paprika. „Dazu gibt es Kichererbsen mit Riesenbohnen und Gemüse sowie je eine Fächerkartoffel mit Garam Masala und gebackenem Knoblauch“, sagt er. Das späte Mittagessen mundet der gut gelaunten Pausenrunde. Es wird stets von dem Geld für das Essen eingekauft, das alle zusammenlegen.

16:05 Nadja Haas wickelt ihre Schülerinnen Marianne und Jara in farbenfrohe Saris. Haas unterrichtet indischen Tanz, bei dem es nicht ausschließlich um Bewegung geht. „Unser Tanz hat eine spirituelle Komponente“, sagt Haas, „die Energie, die wir dabei freisetzen, lässt uns eins werden mit der Energie des Universums.“ Mit den Füßen erzeugte perkussive Klänge gehören dazu, „wir können quasi unser eigenes Instrument sein“.

17:40 Wenn Zaya Buyanbadrakh ins Treppenhaus tritt, begegnet ihr ab und zu Meister Ringu Tulku Rinpoche. Einer buddhistischen Tradition folgend, wurde für ihn und andere ranghohe spirituelle Führer ein Apartment direkt über dem Tempel erbaut. Als benachbarte Mieterin fühlt sich Buyanbadrakh wohl, „die Atmosphäre im Haus ist familiär und ich beschäftige mich ohnehin aktiv mit Buddhismus“.

18:50 Kassensturz im Buchladen. Der Kripo-Beamte Tino Schebek übernimmt den Tresendienst für die Psychologin Irmgard Jeuther, die gleich ihren Kurs zu Grundlagen von Buddhismus und Meditation gibt. Wenn sie den Buchladen betreut, verkauft sie vor allem aktuelle Bücher und Räucherstäbchen, „das geht am besten“. Daneben gibt es Meditationstexte, Statuen oder auch Klangschalen.

19:45 15 Minuten stilles Sitzen, danach achtsames Gehen. Im Kurs für Achtsamkeitsmeditation leitet Harald Schwericke die Teilnehmer an, sich ganz auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. „Meditation ist eine Übung im Nichtgreifen, darin, nicht abzuschweifen“, sagt er. Darin kann man immer besser werden, weswegen im Bodhicharya regelmäßig Teachings von spirituellen Lehrern stattfinden. „Kostbare Belehrungen“, so Schwericke, der Interessierte jeden ersten Sonnabend im Monat durchs Haus führt.

Bodhicharya– buddhistisches Zentrum für Frieden und Verständigung, Kinzigstr. 25–29, Friedrichshain, www.bodhicharya.de

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