Berlin

Berlin wächst rasant: Pankow zählt schon über 400.000 Einwohner

Erster Bezirk überspringt bisherige Obergrenze. Großer Zuwachs auch in Treptow-Köpenick und in Mitte

Berlin. Immer mehr Menschen zieht es nach Berlin: Nach der neuen Einwohnerstatistik ist die Bevölkerungszahl um 41.300 Personen und damit um rund 1,1 Prozent gestiegen. Am 31. Dezember 2017 hatten 3.711.930 Menschen ihren Hauptwohnsitz in Berlin, teilte das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Donnerstag mit.

Von dem Einwohnerplus haben der alte Westen und der frühere Ostteil unterschiedlich profitiert. Während auf dem Gebiet des früheren Ost-Berlin nun fast 24.000 (1,7 Prozent) mehr Menschen leben als Ende 2016, ließen sich im ehemaligen Westteil 17.352 Neu-Berliner nieder (0,8 Prozent).

Pankow, das seit Jahren zu den boomenden Stadtteilen gehört, hat jetzt als erster Berliner Bezirk die Marke von 400.000 Einwohnern übersprungen. Mit aktuell knapp 403.000 Bewohnern würde der Bezirk Pankow unter den größten Städten der Repu­blik hinter Duisburg auf Platz 16 stehen, wenn er eine eigenständige Kommune wäre. Die meisten Einwohnerinnen und Einwohner kamen in den Bezirken Mitte (6558 Zuzügler), Treptow-Köpenick (5475) und Pankow (4883) hinzu. Spandau (2201), Neukölln (1865) und Reinickendorf (1678) waren im zurückliegenden Jahr die Bezirke mit dem geringsten Zuwachs.

Für alle Bezirke wird es zunehmend zum Problem, für die vielen Neubürger die erforderliche Infrastruktur wie Schulen, Kitas oder Sportanlagen zu schaffen. Vor allem in den Innenstadtbezirken werden die Grundstücke für zusätzliche Einrichtungen knapp. Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) denkt deshalb über grundlegend neue Konzepte nach. „Da könnte doch ein Gebäude morgens von Senioren und nachmittags von Jugendlichen genutzt werden“, anstatt für jede Gruppe getrennte Klubs zu bauen, schlägt von Dassel vor. Reinhard Naumann (SPD), Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, hat ähnliche Sorgen. Einerseits wohnten im Bezirk sehr viele ältere Menschen, andererseits zögen viele Familien mit Kindern zu. „Das ist ein Spagat. Und es wird immer schwerer, aus dem Bestand heraus die passenden Grundstücke für die verschiedenen Zielgruppen zu finden“, klagt auch Naumann.

Das Bevölkerungswachstum in Berlin hat sich allerdings leicht abgeschwächt. Ein Jahr zuvor hatte der Anstieg der Einwohnerzahl noch 1,6 Prozent betragen. Und er blieb auch leicht hinter den Wachstumsprognosen des Senats zurück, der Ende 2017 mit rund 4000 Einwohnern mehr gerechnet hatte, als nun tatsächlich nach Berlin gezogen sind. Die Statistiker führen das leicht abgeschwächte Wachstum vor allem darauf zurück, dass der Zuzug von Flüchtlingen im vergangenen Jahr nachgelassen hat. Das Wachstum sei aber, wie schon seit sieben Jahren, noch immer überwiegend auf den Zuzug von Personen nicht deutscher Staatsangehörigkeit zurückzuführen, teilte das Amt für Statistik mit. 34.541 Menschen ausländischer Herkunft und 6767 Deutsche seien 2017 nach Berlin gekommen. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist berlinweit auf 19,2 Prozent gestiegen. Er liegt in Mitte bei 52 Prozent und in Treptow-Köpenick bei 14 Prozent.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sieht sich in ihren Bevölkerungsszenarien durch die neue Statistik weitgehend bestätigt. „Wichtig ist die Feststellung, dass die Berliner Bevölkerung weiterhin nicht unerheblich gewachsen ist“, so Sprecherin Pe­tra Rohland. Dass Treptow-Köpenick, Pankow und Mitte am schnellsten wachsen, sei nicht überraschend. Schließlich hätten diese Bezirke die größten Wohnungsbaupotenziale der Stadt, so die Sprecherin. Seiten 2 und 9

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