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Aufwärts mit Vitamin B

Für beruflichen Erfolg ist Networking unerlässlich – gut, wenn man rechtzeitig zu üben beginnt

Da steht man nun mit seinem Lachshäppchen am Buffet und fühlt sich fehl am Platz. Der Kongress ist zwar spannend und es ist tatsächlich jemand anwesend, den man schon immer persönlich kennenlernen wollte – aber was jetzt? Einfach hingehen und über das Wetter reden wirkt komisch, die Visitenkarte ohne Vorgeplänkel zücken ist zu plump. „Um auf Veranstaltungen erfolgreich zu netzwerken, ist es notwendig, sich vorzubereiten“, sagt Personal-Performance-Trainerin Jessica Wahl. „Informieren Sie sich vorab, wer erscheint, überlegen Sie, wen Sie ansprechen möchten, und legen Sie sich ein paar Eisbrecher und Fragen zurecht – es ist wie bei einer Klassenarbeit: Eine gute Vorbereitung nimmt die Unsicherheit. Übrigens kann auch das Buffet zum lockeren Eisbrecher werden, ebenso wie der Rahmen der Veranstaltung. Nur dann muss es inhaltlich weitergehen.“

Mithilfe des sogenannten Elevator Pitchs trainiert Jessica Wahl mit ihren Seminarteilnehmern, sich kurz vorzustellen und dabei so interessant zu sein, dass das Gegenüber einen positiv im Gedächtnis behält. Die beliebte Übung basiert auf der Vorstellung, einen potenziellen Geschäftspartner im Aufzug zu treffen und ihn während der Fahrt von sich und seiner Idee überzeugen zu müssen. Nur über die eigenen Fähigkeiten zu sprechen reicht dabei allerdings nicht aus. „Erzählen Sie nicht nur von sich, zeigen Sie Interesse an Ihrem Gesprächspartner und hören Sie aufmerksam zu“, rät Jessica Wahl.

Beste Jobchancen

Wie wichtig ein gutes Netzwerk ist, zeigt die Statistik. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB) kommt zu dem Ergebnis, dass 2015 rund 30 Prozent der Stellen über persönliche Kontakte vergeben wurden. Kein anderer Rekrutierungsweg funktioniert dermaßen erfolgreich.

Für Einsteiger, aber auch für Freiberufler wie Diana Stört ist Networking unerlässlich. Die junge Gründerin machte sich Anfang 2012 mit ihrem Unternehmen Idea Textura in Berlin selbstständig und unterstützt wissenschaftliche Einrichtungen wie Museen oder Forschungsinstitute bei der Öffentlichkeitsarbeit. Sie weiß, dass es mit der ersten Kontaktaufnahme nicht getan ist. „Entscheidend ist, sich regelmäßig wieder in Erinnerung zu rufen, ohne aufdringlich zu wirken. Es hilft beispielsweise, sich nach einem Gespräch Notizen zu machen. Wenn man anschließend auf Themen stößt oder von Events erfährt, die für den Gesprächspartner interessant sind, reicht eine kurze Mail, schon hat man den Kontakt durch die Weitergabe von Informationen gefestigt“, sagt Diana Stört. Wichtig sei es, hierbei authentisch zu bleiben – geheucheltes Interesse kommt nicht gut an.

Auch online vernetzen

Ein hilfreiches Werkzeug ist eine gepflegte Datenbank, in der neben den Kontaktdaten steht, wo man die Person kennengelernt, wann sie Geburtstag und welche Interessen sie hat. Damit kann man beispielsweise schon während eines Praktikums oder im Studium beginnen. Auch Diana Stört hat eine solche Liste, bei der sie vor allem Wert auf Qualität anstatt Quantität legt. Einige gute Kontakte, die sie regelmäßig pflegen und vertiefen kann, sind ihr hierbei wichtiger als 1000 aufgelistete Menschen, mit denen sie nie spricht. Digitale Netzwerke wie Xing oder Facebook sieht sie eher als Hilfsmittel, um bestehende Kontakte zu halten, die persönliche Ebene ist für sie jedoch entscheidend.

Doch neben Aktivitäten in der realen Welt kann digitale Vernetzung ebenfalls zum Erfolg führen – und wird auch bei der Job- und Auftragssuche immer relevanter. Das Interessante hierbei ist, dass soziale Plattformen das Netzwerken demokratisieren. Denn auf einer Veranstaltung kann nicht jeder erscheinen, online lassen sich Gesprächspartner einfach kontaktieren.

Von virtuell zu real

Wer sich potenziellen Kunden oder Arbeitgebern dort nähern möchte, sollte genauso vorbereitet sein wie offline am Schnittchenbuffet. Das bedeutet, vorab die Zielgruppe festzulegen, das eigene Profil interessant zu gestalten und einen gut formulierten Text für den Erstkontakt zu erstellen. Außerdem ist ein ansprechendes Foto auf der eigenen Homepage oder Online- Plattform entscheidend. Denn da es erst einmal keine Face-to- Face-Kommunikation gibt, in der Sympathie und Interesse über Auftreten und Körpersprache geweckt werden, müssen Foto und Text überzeugen.

Vor allem der Inhalt muss individuell auf das Gegenüber zugeschnitten werden, denn es gibt keine Möglichkeit, sich über das Wetter auszutauschen. Keine Floskeln und standardisierten Mails, sondern interessante Angebote sind der Schlüssel. Aus anfänglich virtuellen Kontakten können sich so durchaus reale Geschäftsbeziehungen entwickeln – inklusive leckerer Lachshäppchen und persönlicher Gespräche.

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