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Fit für die Digitalisierung

Zukünftig fordert der Arbeitsmarkt neue Kompetenzen und verändert viele Berufe

Bereits seit mehr als zwei Jahren fordert die BBC auf ihrer Homepage unter dem Motto „Will a robot take your job?“ („Wird ein Roboter deinen Job übernehmen?“) zum Selbsttest auf, der gleichzeitig einen Blick in die Zukunft wagt: Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit, dass in zwanzig Jahren etwa ein Chauffeur durch selbstfahrende Autos ersetzt wird, bei 57 Prozent, für Rezeptionisten liegt sie sogar bei 96 Prozent. Digitalisierung und die Entwicklung künstlicher Intelligenz bringen tiefgreifende Veränderungen mit sich.

Jeder 2. Job in Gefahr?

Wohin das führen könnte, untersuchten Oxford-Ökonomen in einer Studie bereits 2013 (siehe Interview rechts): Als Ergebnis der Digitalisierung würden 47 Prozent aller Jobs in den USA in den nächsten 25 Jahren von Computern ersetzt. Für Deutschland ergäbe sich umgerechnet eine Summe von 42 Prozent aller Tätigkeiten. Steht also fast jeder zweite Job zukünftig vor dem Aus? Tatsächlich könnten Drohnen, Roboter und smarte Software schon bald verschiedenste Aufgaben erledigen, die bisher von Menschen übernommen werden – so müssen vermutlich etwa Paketboten, Anwaltsgehilfen, Callcenter-Angestellte oder Rezeptionisten in Zukunft um ihren Job bangen. Allerdings sind sich viele Experten sicher: Im gleichen Zuge, wie die Digitalisierung Jobs verdrängt, schafft sie neue. Ob App Developer, Cloud Specialist, Security Manager, IT-Berater, Data Strategist oder Social Media Manager – all diese Berufsbilder sind ebenso neu wie gefragt.

Goldene Zeiten also für Technikfreaks – allerdings heißt das nicht, dass nur sie zukünftig in Lohn und Brot stehen. So vertreten etwa einige Ökonomen in einem für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte erarbeiteten Arbeitspapier die These, dass die fortschreitende Automatisierung für größeres Wachstum und höhere Einkommen sorgt und somit auch pflegerische und kreative Berufe besser bezahlt werden könnten. Ohnehin gehören Empathie, Kreativität und soziale Interaktion zu den entscheidenden Fertigkeiten in einer digitalisierten Welt, da Routine- und Kraftarbeiten immer stärker von Maschinen übernommen werden.

Flexibilität ist essenziell

Für Catharina Bruns ist noch ein weiterer Faktor entscheidend: Selbstständigkeit als Qualität. „Die Fähigkeit, aus jeder neuen Situation etwas zu machen, eigene Ideen zu entwickeln und umsetzen zu können – das ist eine universelle Zukunftskompetenz“, sagt Bruns, die gemeinsam mit ihrer Geschäftspartnerin mehrfach gegründet und zwei Bücher zum Thema selbstbestimmte Arbeit geschrieben hat. Die Flexibilität, die die Digitalisierung etwa in Sachen Arbeitszeiten und -orte mitbringt, wird auch vom arbeitenden Menschen gefordert: Gedanklich fit und offen für Veränderungen zu sein, wird zukünftig immer wichtiger. Digitale Kompetenzen sind Grundvoraussetzungen, um am Ball zu bleiben – gerade auch für diejenigen, die keinen IT-nahen Beruf ergreifen wollen.

Eigenverantwortung ist auch das Zauberwort, wenn es um En-trepreneurship geht, sagt Catharina Bruns. Diese innovative Form der Selbstständigkeit ist in der digitalisierten Welt viel leichter umzusetzen als früher: „Internetnutzer sind wir ja sowieso fast alle, aber man kann auch nebenberuflich einfach auf die Anbieterseite wechseln – die Vermarktungstools oder Verkaufsplattformen sind wie ein riesengroßer Spielplatz, auf dem man sich zum Einstieg unternehmerisch austoben kann. Für die erfolgreiche Selbstständigkeit wäre es dann natürlich wichtig, sich von Plattformen wieder zu emanzipieren.“

Auch ist die Entscheidung, selbstständig zu arbeiten, längst nicht so folgenschwer wie früher, sagt Catharina Bruns: „Man muss nicht gleich kündigen, einen Laden oder viel Kapital mitbringen – die Umsetzung ist viel unkomplizierter geworden. Allerdings braucht man natürlich immer ein starkes Geschäftskonzept.“ Ein solches ist besonders vonnöten, wenn man ein sogenanntes passives Einkommen generieren möchte. Das ist ein Zahlungsfluss, der aufgrund einer einmaligen Tätigkeit anschließend permanent fließt. Ob man Youtube-Videos dreht, Apps entwickelt, eBooks schreibt oder Unterrichtslektionen digital anbietet – ohne Arbeit geht gar nichts. In diesem Punkt wenigstens bleibt auch in der hochdigitalisierten Zukunft alles beim Alten.

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