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Kann man Youtuber oder Influencer studieren?

Soziale Medien schufen neue einträgliche Berufe. Ihre Anerkennung steht noch aus

Der Begriff „Influencer Marketing“ verändert den Blick auf die Welt der sozialen Medien. Blogger, Youtuber und Instagramer sind als Werbegesichter mittlerweile mehr wert als die Stars des neuesten Blockbusters. Damit erscheint es für Modebegeisterte, Reiselustige oder Gaming-Experten immer reizvoller, ihr Hobby zum Beruf zu machen.

Alltag wird zum Geschäft

So wie Jacqueline Mikuta und ihr Freund Klemens White. Vor drei Jahren gaben sie für ihren Blog mikuta.nu alles andere auf. Inzwischen begeistern ihre Bilder auf Instagram über 800.000 Follower, den Medienwert eines Posts beziffert das Marketing-Tool Influencer DB mit rund 3300 Euro. Das Prinzip dahinter: Vertrauen. Jacquelines Leser vertrauen ihr, wenn sie beispielsweise auf die Taschen eines bestimmten Herstellers schwört. Indem die Influencer ihren Alltag teilen, können sie unterschiedlichste Produkte vermarkten.

Auch Julia Lassner lebt hauptberuflich von ihrer Arbeit als Bloggerin. Über 66.000-mal im Monat wird ihr Reiseblog globusliebe.com angeklickt, fast 18.000 Menschen verfolgen ihre Abenteuer auf Instagram. „Ich verdiene mein Geld mit Artikeln, die ich auf meinem eigenen Blog veröffentliche oder für Zeitungen, Zeitschriften oder Unternehmens-Blogs schreibe“, sagt sie, „außerdem verkaufe ich Fotos und Videos, biete Shootings für Werbezwecke an, organisiere Reisen und Events, erstelle Social-Media-Kampagnen und betreibe Empfehlungsmarketing.“

Dabei sieht sie sich häufig mit Vorurteilen konfrontiert: „Viele denken, dass mein Job daraus besteht, mit Laptop an Traumstränden zu liegen. Im Hintergrund arbeite ich täglich 6 bis 12 Stunden, Wochenenden und Feiertage gibt es nicht.“ Vor einem Artikel liegen oft wochen- oder monatelange Absprachen mit dem Kunden. Auch Jacqueline Mikuta erzählt: „Unser Leben richtet sich nach der Produktion von Inhalten. Wenn man nicht postet, ist man raus!“ Deshalb steht für sie fest: „Blogger ist ein Beruf. Es gibt immer mehr professionelle Blogger und die Tatsache, dass die Frage danach immer noch auftaucht, beweist, dass die Gesellschaft diesen neuen Job noch nicht voll akzeptiert hat. Das ist verständlich, weil er so schnell aufkam.“

In der Agentur für Arbeit ist Influencing ein Begriff – nicht zuletzt, weil für eine eigene Werbekampagne schon Youtuber engagiert wurden. Dadurch komme dieses Thema auch im Gespräch eher auf, sagt Elisa Wirbel, die in Berlin unter 25-Jährige berät. „Wenn jemand schon einen gut laufenden Blog und ein Netzwerk hat, wäre es nicht nachhaltig zu sagen: Brich das ab und mach eine Ausbildung“, meint sie. Sei das nicht der Fall, rate sie eher zum Teilzeit-Bloggen und einer Ausbildung in einem verwandten Bereich wie Mediengestaltung.

Keine Garantie für Erfolg

Denn diesen Haken hat der neue Traumberuf: Noch kann sich niemand zum Blogger, Youtuber oder Instagramer ausbilden lassen. Zwar gibt es seit vergangenem Herbst eine Influencer Marketing Academy in Berlin, an der kostenpflichtige Seminare angeboten werden. Mitgründer Sascha Schulz ist sicher: „Wie in jedem Beruf kann man das Handwerkszeug lernen und dann perfektionieren.“ Eine Abkürzung zum Erfolg gibt es jedoch nicht. Jacqueline Mikuta erzählt: „Das erste Jahr war wirklich hart, wir kamen nirgendwohin. Ich hatte oft das Gefühl, meine Zeit damit zu verschwenden, ein erfolgreicher Blogger werden zu wollen.“ Auch Julia Lassner weiß: „Eine Leserschaft muss über Jahre hinweg aufgebaut werden. Dazu gehört viel Ehrgeiz und Durchhaltevermögen.“

Beide glauben aber, dass es heute leichter sein kann, mit einem Blog Geld zu verdienen. „Früher gab es zwar weniger Konkurrenz, dafür wusste kaum jemand, was ein Reiseblog eigentlich ist. Heute haben viele Unternehmen den Einfluss erkannt“, meint Julia Lassner.

Sascha Schulz glaubt ebenfalls, dass sich das Berufsbild weiter professionalisieren wird. Auch weil die Vernetzung von Influencern und Unternehmen zunehmend von Vermittlungsplattformen gesteuert wird. „Vielleicht werden die Umsätze pro Kampagne sinken, weil die Plattformen Anteile nehmen. Dafür könnte sich ein stabiles Einkommensniveau etablieren lassen“, sagt er. Allerdings: „Bei Berufen kann man ja zwischen Voll- und Teilzeit unterscheiden. Es wird weiterhin nur eine kleine Gruppe sehr erfolgreich sein und der Großteil wird das in Teilzeit als Nebenverdienst machen.“

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