BIZ

Wer bin ich? Was ein Accessoire verrät. Eine Typologie

Die Spezies der Handtaschenträgerinnen und -träger lässt sich in verschiedene Typen unterscheiden. Hier ein Überblick:

Monogam oder polygam? Es gibt zwei Typen von Frauen, monogame und polygame Handtaschenträgerinnen. Die einen gehen mit ihrer Tasche durch dick und dünn. Sie trennen sich erst von ihr, wenn sie aus den Nähten platzt. Die anderen haben für jede Gelegenheit eine Tasche, klein oder groß, schwarz oder rosa, funktional oder feierlich, sie muss zur Kleidung und zum Anlass passen.

Die Aufgeräumte Lucy Fricke (43) gehört zur ersten Kategorie. Und sie liebt es ordentlich. Sie sagt, ihre Tasche sei genauso aufgeräumt wie ihre Wohnung. Krümel haben bei ihr keine Chance. Sie kippe ihre Handtasche alle zwei Wochen aus und wische sie mit einem Tuch feucht aus. „Es ist mein Weg, Ordnung gegen das innere Chaos zu schaffen.“

Die Chaotische Tanja Dückers (49) ist da ganz anders. Sie wechselt ihre Taschen so oft wie ihre Schuhe. Sie sagt, ihre Taschen seien vollgestopft mit allem möglichen überflüssigem Krimskrams. Tanja Dückers fordert das Chaos heraus. Eine gelbe Tasche hat sie mal mit knallbunten Bonbons beklebt. In Barcelona, wo sie zwei Jahre als Stipendiatin gelebt hat, hat sie mit dieser Candybag nicht nur Scharen von Kindern, sondern auch Straßenhunde angelockt. Was noch relativ harmlos war. Einmal hatte sie sich vergriffen und die Tasche mit Kaubonbons verziert, die von Schokolade umhüllt waren. Sie schmolzen bei 38 Grad Celsius im Schatten.

Die Praktische Die Lyrikerin Sabine Bergk (42) ist zwar der monogame Typ. Ein ultraleichter Rucksack der Marke Mountain Top, das ist ihre Handtasche. In Pink. Aber wie Tanja Dückers stopft sie alles hinein, wenn auch nur Dinge, die sie als Mutter einer sieben Monate alten Tochter so braucht. Babywechselsachen zum Beispiel und den Einkauf.

Der Abtrünnige Der Lyriker Mirko Bonné (52) ist der einzige Mann, der in dem Buch zu Wort kommt. Er hat der Unke in der Tasche seiner Ex-Frau ein wunderbares Gedicht gewidmet. Selber der polygame Typ, habe er seine Herrenhandtasche wieder abgeschafft, sagt er: „Man wird als Mann immer noch schief angesehen, wenn man so ein Ding dabeihat.“

Eine Lesung aus dem Buch „Taschenliebe“ von Manuela Reichart (Hrsg.) findet statt am Dienstag, 19. Dezember, um 20 Uhr in der Neuköllner Lesebühne, Friedelstraße 8, 12047 Berlin. Lesen werden Judith Hermann, Lucy Fricke, Sabine Bergk, Esther Kinsky, Karin Reschke und Manuela Reichart.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.