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Typologie des Museumsbesuchers

1Schnelldurchgänger Das ist jener Besucher, der durch schnelles Verschwinden auffällt. Kaum ist er im Saal mit Botticellis Meisterwerken, ist er schon wieder draußen. Ein Blick auf Picasso, einer auf Giacometti, weg ist er. Er hat das Gefühl, etwas kulturell Wertvolles getan zu haben, das braucht er. Das geht aber nicht ohne Belohnung. Also trifft man diesen Besucher im Museumscafé wieder – zufrieden vor der Botticelli-Torte. Kunst kann man halt nicht messen, anders als beim Sport, da gilt das Trainingsresultat.

2Typ Oberstudienrat Man erkennt ihn sofort: Er ist nicht sonderlich auffällig in seinen Outfit, Frau wie Mann bevorzugen funktionale Kleidung, meist beige, die im Gegensatz zu den farbigen Kunstwerken steht. Auf jeden Fall ist ziemlich gutes Schuhwerk angesagt, Marke Kreppsohle, das federt den Ballen so prima. Schließlich wollen 18 Säle mit den alten Meistern durchschritten werden. Und ja, er hält einen Museumsführer vor der Nase. Jederzeit bereit für die Herausgabe seines Wissens. Man darf ihn gern ansprechen!

3Selfie-Sticker Die Selfie-Sticker-Hipster fotografieren sich gefühlt vor jedem Bild, egal was darauf ist. Es muss nicht mal die Mona Lisa sein. Das wäre auch gar nicht weiter schlimm, nur: Wer sieht eigentlich noch das Kunstwerk vor lauter Display mit dem eigenen Ich? Die Wahrnehmung der Welt erfolgt ausnahmslos durch eine kleine Linse. Herr Oberstudienrat is not amused.

4Die Mädelstruppe Sie kommen nie allein, sondern immer in der Mini-Gruppe, unter drei geht gar nichts. Sie mögen Kunst, schon klar, dazu gehört immer auch ein Glaserl Prosecco, mindestens. Kunst ist Genuss, das muss gefeiert werden. Beim Wachpersonal sind die Mädels äußerst beliebt, in den Ausstellungsräumen, wo sie sind, ist richtig was los. Sie sehen schick aus, es wird gelacht, da leuchtet Rubens’ „Engelssturz“ noch einmal in einem ganz anderen Licht.

5Bewunderer Er gehört zur eher seltenen Spezies, deren Leidenschaft für die Kunst so groß ist, dass er/sie einfach alles, was an der Museumswand hängt, gut findet. Man erkennt ihn/sie daran, dass ganz nah am Kunstwerk gestanden wird. Eine Art Versenkungshaltung, die beim Museumspersonal allerdings das Gegenteil auslöst. Sei es drum, beim nächsten Bild geht es weiter. Gabriela Walde