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Heiteres Idyll in Wasserlage

| Lesedauer: 4 Minuten
Ulrike Borowczyk

Zwei-Länder-Tour: Schloss Sacrow, die Heilandskirche und der Schlosspark Glienicke

Fast bescheiden fügen sich Schloss und Park Sacrow am Westufer der Havel in den Kreis des bedeutenden architekturhistorischen Ensembles der preußischen Schlösser und Gärten ein. Direkt nach seiner Thronbesteigung erwarb König Friedrich Wilhelm IV. 1840 das Gut Sacrow. Auch heute noch ein heiter-romantisches Idyll umgeben von Wald und Wasser und als Teil Potsdamer Havellandschaft seit 1990 Unesco-Weltkulturerbe.

Schon die Fahrt vom Berliner Ortsteil Kladow mit dem Bus 697 ab der Haltestelle Neukladower Allee stimmt auf einen Ausflug ins Grüne ein. Hinter der Stadtgrenze geht es erst einmal eine geraume Weile durch das Landschaftsschutzgebiet des Königswaldes, hinter dem rechts der Sacrower See versteckt liegt. Auf der linken Seite erstreckt sich die Havel. Fast alle Häuser im malerischen Sacrow liegen am Wasser. Es ist der kleinste Gemeindeteil von Potsdam, der vor seiner Eingemeindung in die brandenburgische Landeshauptstadt im Jahr 1939 ein eigenständiges Dorf war. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Sacrow zu einem beliebten, teils exklusiven Ausflugs- und Wohnort. Auch heute noch finden sich Villen neben Einfamilien- und Wochenendhäusern.

Wir steigen an der Haltestelle „Schloss Sacrow“ aus, queren die Straße und nehmen den Weg, der direkt zum Schloss führt. Vor den Wirtschaftsgebäuden biegen wir jedoch rechts ab und folgen dem Weg zur sogenannten 1000-jährigen Eiche. Die imposante Erscheinung ist ein Naturdenkmal mit einem Stammumfang von stolzen 685 Zentimetern, recht gedrungenem Wuchs und kräftigem Stamm. Trotz des Namens soll die Stiel-Eiche allerdings „nur“ gut 300 Jahre alt sein.

Aktuelle Warnung davor, die Wege zu verlassen

Wir folgen dem Weg, der durch den Park Richtung Havelufer weiterführt. Aktuell warnt die Parkverwaltung übrigens davor, abseits der Wege zu gehen. Es wird vor Eichenprozessionsspinnern gewarnt. Daher sollte man fern der Bäume bleiben. Die Gifthaare der Raupen lösen bekanntlich heftige allergische Reaktionen aus. Den malerischen Park kann man aber auch gefahrlos genießen. Nach dem Kauf von Gut Sacrow wurde Gartenbaumeister Peter Joseph Lenné von Friedrich Wilhelm IV. mit der Gestaltung des etwa 26 Hektar großen königlichen Areals beauftragt. Er schuf einen Landschaftspark mit Sichtachsen zu Prachtbauten rings um die Havel. Ein besonders schönes Panorama hat man von der Römerbank am schilfbewachsenen Ufer. Von hier aus sieht man unter anderem das Schinkel-Casino in Glienicke, den Flatowturm im Schlosspark Babelsberg, die Glienicker Brücke und die Silhouette von Potsdam.

Mit dem Wassertaxi hinüber zum östlichen Havelufer

Wenige Meter weiter steht die Sacrower Heilandskirche auf der in den Jungfernsee ragenden Landspitze. Der König ließ sie nach eigenen Plänen von seinem Architekten Ludwig Persius 1844 im Stil einer italienischen Basilika mit frei stehendem Turm errichten. Nach dem Mauerbau 1961 stand die Kirche im Niemandsland der deutsch-deutschen Grenze und verfiel fast völlig. Seit ihrer Restaurierung im Jahr 1995 gehört sie zur Evangelischen Pfingst-Kirchengemeinde Potsdam.

Wir biegen hinter der Heilandskirche links ab und spazieren bis zum Schloss. Friedrich Wilhelm IV. ließ das einstige Gut in ein Schloss umbauen. Das Ergebnis erinnert allerdings eher an ein Herrenhaus. Wir gehen rechts am Schloss vorbei, biegen wieder rechts ab und flanieren zum Ufer. Dort biegen wir links ab und kommen schließlich zur Fährstraße, die zum Anleger des Potsdamer Wassertaxis führt. Fünf Mal legt es an Sonntagen hier an (Infos unter www.potsdamer-wassertaxi.de).

Wir setzen für 3,50 Euro über an das östliche Havelufer. Zehn Minuten dauert die Fahrt zur Anlegestelle Krughorn, die direkt an der Uferpromenade am Glienicker Park liegt. Wir biegen rechts ab und gehen Richtung Glienicker Brücke. Vorbei am Schinkel-Casino und der Großen Neugierde im Schlosspark, die wir vom Sacrower Ufer aus gesehen haben.

Hier lädt das Schloss Glienicke zum weiteren Verweilen ein. Schließlich bringt uns der Bus 316 von der gegenüberliegenden Haltestelle zum S-Bahnhof Wannsee.