Mediacampus

Traininghosen aus Strickpullovern - wie aus Textilmüll neues Design entsteht

Upcycling-Trend: Schülerreporterin Dana Electra Sauerzapfe hat den Designer Wilfried Pletzinger getroffen, der aus alten Stoffen neue Mode macht.

Pletzinger Upcycling-Mode an der Reinhardtstraße 6 in Mitte

Pletzinger Upcycling-Mode an der Reinhardtstraße 6 in Mitte

Foto: Dana Electra Sauerzapfe / BM

Es ist laut auf der Straße vor dem Friedrichstadtpalast. Ich bin neugierig und aufgeregt. Ich laufe in eine Querstraße hinein bis zu einem großen Schaufenster, über dem große, bunte Buchstaben angebracht sind. Sie ergeben den Namen "Pletzinger". Die kleinen Stufen gehe ich hinunter und öffne die Tür. Ich stehe in einem kleinen, aber doch sehr hellen Laden. Er ist gut und ordentlich sortiert und bestückt mit sehr bunter und auffälliger Kleidung.

Im hinteren Teil des Ladens zwischen Nähmaschinen und Nähutensilien sitzt ein lächelnder, großer Mann. Er begrüßt mich freundlich. Sein Name ist Wilfried Pletzinger, er ist der Besitzer des Ladens, in dem er "upcycelte" Kleidung verkauft.

Ich bin mit ihm zu einem Interview verabredet. Wilfried Pletzinger kenne ich aus einer Jugendkunstschule, wo er verschiedene Ferienkurse geleitet hat. Ich möchte von ihm wissen, was "Upcycling" ist. Man könne aus alter, vielleicht unmodischer Kleidung neue, hochwertige und moderne Kleidung herstellen, erklärt er mir. Anders als beim Recycling erhöhe man beim Upcycling den Wert der Ausgangsware.

Jährlich wandern tonnenweise Textilien in den Müll

Ich frage ihn, wie er zu dieser Idee kam. Er meint, er sei schon immer ein umweltbewusster Mensch gewesen . Nach Schätzungen landen in Deutschland mehr als eine Million Tonnen ausrangierte Textilien im Müll.

Ein Grund dafür sind die ständig wechselnde Kollektionen. Bei uns herrsche ein sogenanntes "Fast Fashion System", sagt Pletzinger, unter anderem deshalb designt, näht und upcycelt er seine eigene Kleidung.

Über seine Inspiration erzählt er mir, dass er schon seit seiner Kindheit kreativ sei, genäht habe und das Fach Kunst sein Lieblingsfach gewesen sei. Ihn inspiriere aber vor allem alles, was bunt und ausgefallen sei. Ich möchte weiterhin wissen, wie wichtig ihm das Nähen und Designen sei. Er antwortet: "Es ist meine Leidenschaft und mein Lebensinhalt". Das Schönste daran sei, ein einfaches Stück Stoff in ein schönes, gut aussehendes Design zu verwandeln. Dabei mache ihm am meisten Spaß, sich zu überlegen, was aus einem Stück wird, aber manchmal auch die Verarbeitung. Am aufwendigsten sei dabei der Zuschnitt, da teilweise Stücke für Schriftzüge zum Beispiel fehlen oder Teile beschädigt sind.

Einzelstücke mit einer Geschichte entstehen lassen

In seinem Laden verkauft der Designer vor allem Kleidungsstücke, die aus Sportbekleidung in sogenannte Streetwear oder auch Casualwear umdesignt wurden. Beim "Upcycling" mache es ihm ebenfalls Spaß neue Einzelstücke mit einer neuen Geschichte entstehen zu lassen. Eine Hose dauere dabei im Schnitt etwa einen Arbeitstag. Seine Kleidungsstücke verkauft er dann in seinem Laden an der Reinhardtstraße, den er seit 2012 hat.

Ich finde "Upcycling" unter anderem interessant, weil ich denke, dass es heutzutage ein wichtiges Thema ist, das auch immer populärer wird. Ich habe selbst schon Dinge "upcycelt", wie beispielsweise eine Lederjacke in eine neue Tasche umgewandelt. Die Arbeit von Wilfried Pletzinger bringt mich zum Nachdenken und ist auch eine Motivation für mich, neue Ideen zu entwickeln

Seine Ausgangsware besorgt sich Wilfried Pletzinger zum Beispiel auf Flohmärkten, in Secondhandläden, durch Kooperationen oder auf Onlinehandelsportalen.

Leute, die diese außergewöhnliche Kleidung kaufen, so sagt er, kämen selbst aus dem kreativen Bereich und seien Künstler, Schauspieler, Grafikdesigner und Individualisten. Die Altersgruppe sei etwa zwischen 25 und 40 Jahren.

Schlafsäcke werden zu Winterjacken

Bei ihm könnten sie dann beispielsweise auch Trainingshosen kaufen, die aus Strickpullovern entstanden sind. Außerdem habe er bereits Sportshirts in Cocktailkleider, Trainingsanzüge in Abendkleider und Schlafsäcke in Winterjacken verwandelt.

Ich finde man merkt, dass er seine Arbeit und das Kreativsein liebt und lebt.

Das "Upcycling" etabliert sich zunehmend in der Modebranche und auch so steigt die Auseinandersetzung mit nachhaltiger Mode und auch mit "Upcycling".

Mich regt seine Arbeit zum Nachdenken an, vor allem was das Umweltbewusstsein in Sachen Mode angeht.

Dana Electra Sauerzapfe, Marie-Curie-Gymnasium, Klasse 8a

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.