Berlin

Knappe Mehrheit für Flughafen Tegel

Berlin-Trend: 55 Prozent wollen den Flughafen offen halten. Aber die Zahl der Gegner ist deutlich gestiegen

Berlin. Eine knappe Mehrheit der Berliner ist dafür, den Flughafen Tegel auch nach der Eröffnung des neuen BER offen zu halten. Damit hat die von der FDP angestoßene Initiative gute Chancen, den Volksentscheid am 24. September zu gewinnen.

Im Berlin-Trend von Berliner Morgenpost und RBB-"Abendschau" sagten 55 Prozent der Befragten, Tegel solle weiter in Betrieb bleiben. 39 Prozent sprachen sich hingegen dafür aus, den Flughafen zu schließen, so wie das vom Senat und den anderen Flughafengesellschaftern Brandenburg und Bund bislang geplant ist. Sechs Prozent wissen noch nicht, wie sie sich entscheiden, oder haben keine Meinung. Im Westteil der Stadt ist die Haltung deutlich: 60 Prozent sind für den Weiterbetrieb, 36 Prozent dagegen. Im Osten wollen 48 Prozent eine Zukunft für den Flughafen Tegel, 44 Prozent wollen ihn schließen.

Die Abstimmung parallel zur Bundestagswahl dürfte aber knapper ausgehen, als es lange den Anschein hatte. Als Infratest dimap im Mai 2017 schon einmal nach TXL gefragt hatte, waren noch 69 Prozent für eine Offenhaltung und 27 Prozent für eine Schließung. Der Stimmungswandel der vergangenen Wochen zieht sich quer durch alle Altersgruppen und Bildungsschichten. Unter den Berlinern mit Abitur oder höherem Abschluss ist inzwischen eine knappe Mehrheit von 48 zu 46 Prozent dafür, sich von Tegel zu verabschieden. Im Mai lag das Verhältnis noch bei 35 zu 60 Prozent. Offenbar haben in dieser Bevölkerungsgruppe die Argumente der Tegel-Gegner gewirkt.

Betrachtet man die politischen Präferenzen, so sind vor allem die Wähler von Grünen und Linken besonders entschieden gegen den Flughafen am Rande der Innenstadt. Jeweils 59 Prozent folgen dem Kurs der von ihnen unterstützten Parteien. Immerhin 30 Prozent der Grünen- und 38 Prozent der Linken-Wähler sind aber anderer Meinung.

Insgesamt ist es den Schließungsbefürwortern aber gelungen, eine Mehrheit ihrer politischen Sympathisanten zu überzeugen. Im Mai waren auch Linken- und Grünen-Anhänger mehrheitlich für den Weiterbetrieb. Im Lager der SPD teilen nur 52 Prozent die offizielle Meinung der größten Regierungspartei. Sie wollen auf TXL verzichten. Immerhin 45 Prozent der SPD-Wähler sehen das jedoch anders. Aber auch unter SPD-Freunden hat sich die Stimmung gedreht, im Mai war noch eine Mehrheit für die Offenhaltung.

Die Sympathisanten der Pro-Tegel-Parteien FDP, AfD und CDU sind in ihrer Meinung ziemlich eindeutig. Aber immerhin jeder vierte Unionswähler ist gegen Tegel, im Falle von FDP und AfD ist nicht einmal jeder Fünfte dieser Ansicht.

Infratest dimap fragte die 1000 wahlberechtigten Teilnehmer der Studie, die zwischen dem 6. und 9. September angerufen wurden, auch nach den Gründen für ihre Meinung zu Tegel. Die Menschen konnten mehrere Punkte angeben. Berlin könne mehrere Flughäfen vertragen, sagten 36 Prozent der Tegel-Anhänger. 31 Prozent verwiesen auf die gute Lage nahe der Innenstadt, jeder Fünfte findet Tegel "praktisch". Die Situation am BER ist ebenfalls ein wichtiges Argument. 28 Prozent befürchten, der neue Airport werde zu klein sein, 14 Prozent glauben, der BER werde niemals fertig. Keine Rolle spielte das Thema Rot-Rot-Grün insgesamt. Nur ein Prozent kam auf die Idee, seine Entscheidung für Tegel als Denkzettel für die Koalition zu begründen.

Unter den Schließungsbefürwortern hält jeder Zweite (52 Prozent) TXL für zu laut und umweltschädlich. Jeder Vierte dieser Gruppe sieht ein hohes Unfallrisiko. Jeder Fünfte glaubt, Tegel sei unwirtschaftlich und zu klein. Acht Prozent sagen, der Flughafen von 1974 sei alt und sanierungsbedürftig. Kaum verfangen haben sich offenbar auch unter den Tegel-Gegnern wesentliche Argumente des Senats: Nur jeder zehnte Befragte (elf Prozent) denkt daran, dass die Flächen für Hochschule, Gewerbe und Wohnungen besser verwendet werden könnten. Ebenso viele verweisen auf die getroffene politische Entscheidung, TXL nach einem BER-Start dichtzumachen. Die Rechtslage als wesentliches Hindernis für einen Weiterbetrieb ist nur für sechs Prozent der Befragten wichtig. Seite 13

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