Berlin

Chaos und Verletzte bei Musikfestival

Gedränge und Verletzte beim Lollapalooza in Hoppegarten. Bundespolizei sperrte zwischenzeitlich den S-Bahnhof

Berlin.  Nach dem Lollapalooza-Festival in Hoppegarten ist es in der Nacht zu Sonntag bei der Abreise zu chaotischen Szenen gekommen. Tausende Menschen waren am S-Bahnhof in ein Gedränge geraten. Laut Bundespolizei, die den Bahnhof sperrte, gab es am Sonnabend 40 Verletzte, die meisten klagten über Kreislaufprobleme. Einige Festivalbesucher mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Andere wurden von Sanitätern mit Wasser und Traubenzucker versorgt.

Die letzte Band hatte gerade ihren Auftritt beendet, Tausende Besucher wollten nach Hause und strömten in Richtung S-Bahnstation. Um vom Gelände zu kommen, mussten sie durch ein Nadelöhr, es gab Gedränge. Der Bahnsteig der Station Hoppegarten war stundenlang überfüllt. Damit es nicht noch voller wurde, blieben die Festival-Ausgänge zeitweise geschlossen. Warum sie das Areal nicht verlassen durften, wussten viele Besucher nicht.

Zwischenzeitlich befanden sich laut Bundespolizei 5000 Leute auf dem Bahnhofsvorplatz in Hoppegarten. Die S-Bahn sprach von 3000. "Wir mussten den Bahnhof sperren, um Schlimmeres zu verhindern", sagte ein Sprecher der Bundespolizei der Berliner Morgenpost. Es war befürchtet worden, dass Besucher bei dem Gedränge ins Gleis stürzen könnten. Bei einer Lageeinschätzung vor Ort hieß es, dass es Verletzte oder gar Tote hätte geben können, wenn man nicht reagiert hätte.

Das Veranstaltungsteam des Lollapalooza entschuldigte sich auf dem Kurznachrichtendienst Twitter für den Vorfall. "Wir möchten uns hiermit bei Euch für die gestrigen Umstände bei der An- und vor allem bei der Abreise entschuldigen und wir sind Euch sehr dankbar dafür, dass ihr ruhig geblieben seid", schrieb das Team am Sonntag. "Es tut uns wirklich leid, wie lang der Rückweg für viele von Euch wurde."

Veranstalter weist Vorwürfe zurück

Veranstalter Tommy Nick wies die Vorwürfe zurück, man habe die Abreise möglicherweise mangelhaft organisiert. Nach Absprache mit der BVG und der Bahn seien der S-Bahn-Takt von 20 auf 10 Minuten verdichtet und längere Züge eingesetzt worden. "Das Konzept war mit der Gemeinde, der Polizei, der Feuerwehr und dem Roten Kreuz abgestimmt", sagte er der Morgenpost.

Kreislaufprobleme oder Schwächeanfälle seien bei Veranstaltungen dieser Art nicht außergewöhnlich, meinte Nick. Trotzdem habe man reagiert und für den Sonntag mehr Shuttlebusse eingesetzt. Auch der S-Bahnverkehr, der in der Nacht zu Montag regulär 0.39 Uhr endet, sei bis 2.30 Uhr verlängert worden. Die S-Bahn konnte das bis Redaktionsschluss nicht bestätigen.

Panik gab es nach Angaben des Veranstalters zu keinem Zeitpunkt. Anders sahen das die Einsatzleiter der Polizei, die sich dazu entschieden hatten, den S-Bahnhof Hoppegarten zu sperren. Sie befürchteten, dass Besucher in dem Gedränge auf die Gleise stürzen oder auf der schmalen Zugängen zum Bahnsteig erdrückt würden. Zur Unterstützung hatte die Bundespolizei auch Kräfte aus anderen Bundesländern angefordert. Ihren Angaben zufolge waren rund 60.000 Festivalbesucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln angereist. Zur Verschärfung der Lage trug bei, dass in Neuenhagen (Märkisch-Oderland) ein Oktoberfest stattfindet. Viele Bahnen, auf die die Festivalbesucher nachts warteten, waren schon bei Ankunft in Hoppegarten überfüllt. Viele Menschen machten ihrem Ärger in den sozialen Netzwerken Luft und teilten Videos und Fotos.

Die S-Bahn Berlin hatte ihre Taktung auf der Strecke bereits am Sonnabend erhöht. Ab Mittag fuhren die Züge statt im 20-Minuten-, im 10-Minuten Takt. Die Züge fuhren ab 0.39 Uhr auch wieder nur im normalen nächtlichen Stundentakt. "Am Sonntag haben wir allerdings Vollzüge eingesetzt", sagte ein Sprecher. Diese sind länger und nehmen etwa 1000 Fahrgäste auf. "Eine dichtere Taktung als 10 Minuten ist technisch auf der eingleisigen Strecke nicht möglich", so ein Bahnsprecher. Grund hierfür sind Bauarbeiten an einer Brücke. Dadurch konnten die Züge nicht wie sonst kreuzen.

Auch die Shuttlebusse waren komplett ausgebucht

Doch auch wer eine andere Anreise wählte, kam nicht weiter. Besucher sollten auf Shuttlebusse umsteigen, die zwischen Elsterwerdaer Platz (U5) und Festivalgelände pendelten. Auch dort bildeten sich lange Schlangen. Außerdem gab es noch die Möglichkeit, im Vorfeld einen Sitz im "Lollabus" zu reservieren. Die Plätze waren aber ausgebucht. Viele Festivalbesucher beklagten außerdem eine chaotische Ausschilderung. Hinzu kam, dass am Sonnabend auch noch die B1 in Alt-Biesdorf wegen einer Demonstration der Hells Angels gesperrt werden musste – damit standen auch die im Stau, die nicht mit einem der öffentlichen Verkehrsmitteln anreisten. Seite 9

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