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Ländlicher Charme in Gatow

Entlang der Rieselfelder des „Spandauer Dorfs“ und durch das idyllische Naturschutzgebiet

Im Südwesten am Rande Berlins liegt Gatow – ein ländlich geprägter Ortsteil mit ganz eigenem Charme. Wie gemacht für alle, die gern wandern oder spazieren gehen. Am besten erreicht man das "Spandauer Dorf" mit gerade mal knapp 4300 Einwohnern über die Gatower Straße mit der Buslinie X34 vom Theodor-Heuss-Platz aus. Wir steigen an der Haltestelle Biberburg aus und gehen einige Schritte zurück in nördliche Richtung. Dort biegen wir links ab in den Weg, der an Stallungen und Pferdekoppeln vorbei in die Rieselfelder Karolinenhöhe führt.

Früher wurden an dieser Stelle nahe der Spandauer Wilhelmstadt Berliner Abwässer gereinigt, die großflächig im Sandboden versickerten. Heute dienen die ehemaligen Rieselfelder vor allem zivilisationsmüden Städtern zur Erholung und haben sich zu einer malerischen Heidelandschaft entwickelt. Seit 1987 ist das 220 Hektar große Areal Landschaftsschutzgebiet.

Am Ende des Weges biegen wir links, dann gleich wieder rechts ab und folgen dem baumbestandenen Graben westwärts. Wiesen, Brachflächen und Felder wechseln sich ebenso ab wie Sträucher, Hecken und schöner, alter Baumbestand. Eine Heimat für viele Tiere und Pflanzen.

Am Ende des Weges biegen wir links ab und kommen so nach einer Weile zum Landschaftsfriedhof Gatow, der 1982 eröffnet wurde. Ein ökologisches Gutachten aus dem Jahr 1988 belegt, dass der Parkfriedhof vielen gefährdeten Pflanzen, Insekten und Vögeln einen geschützten Lebensraum bietet. Seit 1988 gibt es ein abgetrenntes islamisches Grabfeld, dessen Grabstellen nach Mekka ausgerichtet sind. 1994 ist zudem ein extra ausgewiesenes Grabfeld für Verstorbene des griechisch-orthodoxen Glaubens hinzugekommen.

Zwar lädt hier ein Café zum Rasten und Verweilen ein. Aber wir überqueren die Maximilian-Kolbe-Straße und folgen dem von Bäumen gesäumten Weg, der am Friedhof entlangführt. Besonders reizvoll sind die verschiedenen Aussichtspunkte entlang der Strecke, die immer neue Perspektiven bieten. Bei gutem Wetter teils mit Fernsicht zum Grundwaldturm und zum Teufelsberg. Wir gehen bis zur Straße 269, in die wir links einbiegen. Sie führt durch landwirtschaftlich genutzte Felder zur Siedlung am Windmühlenberg und geht in die Melsunger Straße über. Eher ein Sträßchen mit schmucken Einfamilienhäusern.

Am Abzweig Am Kinderkopf biegen wir rechts ab. Anschließend geht es links ab in die kleine Straße Am Berghang. Vorbei an den wenigen Häusern, biegen wir in den kleinen, unbefestigten Weg auf der rechten Seite ab.

Er führt uns in das seit 2002 bestehende Naturschutzgebiet Windmühlenberg. Das 5,1 Hektar kleine Areal zeichnet sich durch die seltene Sandstein-Trockenrasenflora aus. Ein Überbleibsel einstiger Steppenflora. Das Gelände steigt hier an zum 52 Meter hohen Windmühlenberg.

Die Dorfstruktur ist heute noch gut erkennbar

Wir queren die Anhöhe, verlassen das Naturschutzgebiet wieder und biegen links ab in die Straße An den Berggärten, der wir bis zur kopfsteingepflasterten Buchwaldzeile folgen. Hier geht es links ab. Nun befinden wir uns in Alt-Gatow. Gegenüber liegt der gleichnamige Gutshof mit einem Hofladen und der 2007/2008 erbauten Bockwindmühle. An die Großstadt Berlin erinnert an diesem dörflichen Fleck rein gar nichts mehr. Befestigte Gehwege Fehlanzeige. Kleine Häuser stehen links und rechts. Meist gut verborgen hinter dichtem Grün.

Dass sich im idyllisch gelegenen Gatow keine historisch gewachsene Villengegend etabliert hat wie in vergleichbaren anderen Berliner Ortsteilen, ist den Rieselfelder geschuldet. Ihre unmittelbare Nachbarschaft galt als unattraktiv. Das Dorf Gatow selbst wurde wahrscheinlich kurz nach 1200 gegründet und im Jahr 1258 erstmals urkundlich erwähnt. Heute noch ist die Dorfstruktur gut erkennbar.

Wir überqueren die Plievierstraße und stehen vor der denkmalgeschützten Dorfkirche Gatow, die im 14. Jahrhundert erbaut wurde. Ihre Pforten öffnet die Kirche zu Gottesdiensten der evangelischen Kirchengemeinde und zu Konzerten. Wir folgen der Plievierstraße anschließend in östliche Richtung zur Hauptstraße Alt-Gatow. Dort bieten sich mehrere Lokale an, um den Ausflug gemütlich ausklingen zu lassen. Oder man steigt dort an der Haltestelle gleich wieder in den Bus und braust dem urbanen Trubel entgegen.

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