Berlin

Erdgas ist ein Dauerbrenner

Die Technik schont Klima und Geldbeutel und lässt sich gut mit erneuerbaren Energien kombinieren

Berlin.  Erneuerbare Energien und fossile Brennstoffe – die einen gelten gemeinhin als Zukunftstechnik, die anderen symbolisieren die Vergangenheit. Das ist spätestens seit der von der Bundesregierung proklamierten Energiewende fest in den Köpfen der meisten Menschen verankert. Und doch ist bei der Wärmeversorgung von Gebäuden – und auf diesen Bereich entfallen immerhin 40 Prozent des Energieverbrauchs hierzulande – ein fossiler Energieträger gefragt: Erdgas ist und bleibt ein Dauerbrenner. Selbst im Neubau hat der Brennstoff laut Daten des Statistischen Bundesamtes mit 47,0 Prozent die Nase vorn, vor Wärmepumpen mit einem Anteil von 37,4 Prozent.

Das muss jedoch kein Widerspruch sein, denn mit Erdgas betriebene Heizungsanlagen können hocheffizient sein: Moderne Brennwertkessel arbeiten heutzutage mit einem Wirkungsgrad von annähernd 100 Prozent, sogar die Wärme aus dem Abgas wird genutzt. Außerdem schonen die geringen Schadstoffemissionen bei der Verbrennung die Umwelt: Laut Angaben des Verbraucherportals Check24 entstehen beim Heizen mit Gas nur rund 250 Gramm Kohlendioxid je Kilowattstunde. Bei Öl liegt dieser Wert um zwölf Prozent höher. Dazu sind Gasheizungen mit Anschaffungskosten zwischen 4500 und 8000 Euro auch recht günstig. "Effiziente Heiztechnologien auf Erdgasbasis können mit geringen CO2-Vermeidungskosten punkten", betont Ludwig Möhring, Vertriebsgeschäftsführer des Gasversorgers Wingas. Ein weiterer Vorteil: Da Erdgas über die Gasleitung kommt, ist kein Lagerraum oder Tank nötig. Und weil die Abgase durch eine kleine Leitung aus Kunststoff, Stahl oder Keramik abgeführt werden, ist auch ein Schornstein nicht zwingend erforderlich – er kann stattdessen für einen Kamin genutzt werden.

In einem Neubau ist der Einsatz von Brennwertheizungen mit fossilen Energieträgern wie Gas allerdings nur noch erlaubt, wenn ein bestimmter Anteil des Wärmebedarfs über erneuerbare Energien gedeckt wird, zum Beispiel mit einer thermischen Solaranlage, schreibt die Energieeinsparverordnung (EnEV) vor. Auch eine Holzheizung als erneuerbarer Partner für die Brennwertheizung ist denkbar. Dazu wird der klassische Kamin mit einer sogenannten Wassertasche versehen, die wiederum mit dem zentralen Warmwasserspeicher verbunden wird. Brennt der Kamin, erwärmt er automatisch das Wasser in der Wassertasche und unterstützt so Heizung und Trinkwassererwärmung.

Das Energielabel informiert über die Effizienz der Technik

Besonders hoch sind die Effizienzgewinne, wenn alte Gasheizungen gegen moderne Brennwertkessel getauscht werden. Ob sich der Austausch lohnt, zeigt das Energielabel nach einer Kon-trolle durch den Schornsteinfeger. Äußerlich ist das für die Hauseigentümer kostenfreie Label vergleichbar mit jenen, die sich auf Kühlschränken, Waschmaschinen und Geschirrspülern finden: Über ein Farbsystem werden die Anlagen in verschiedene Effizienzklassen eingeteilt, von A++ bis hin zur schlechtesten Klasse E.

"Das Label informiert über den Zustand Ihres Heizkessels", erklärt Frank Ebisch vom Zentralverband Heizung Klima Sanitär. So könnten Hausbesitzer besser nachvollziehen, ob es sich lohnt, den alten Heizkessel gegen einen neuen auszutauschen. Konventionelle Heizkessel werden dabei in die Klassen E bis B eingestuft, moderne Brennwertgeräte finden sich im grünen Klasse-A-Bereich wieder. Die besonders zukunftsträchtigen Hybridheizungen kriegen ein A+ oder A++. Alles, was schlechter als B ist, gilt als ineffizient und veraltet.

"Der Austausch alter Heizungen durch effiziente Technologie ist oft die schnellste und preisgünstigste Option, um deutliche CO2–Einsparungen zu erzielen und gleichzeitig die Heizkosten zu senken", sagt Ludwig Möhring. Denn von den in der aktuellen Schornsteinfegerstatistik erfassten 19,1 Millionen Öl- und Gasheizungen sind 2,2 Millionen Anlagen älter als 26 Jahre und sieben Millionen älter als 17 Jahre.

Um mehr Menschen dazu zu bewegen, ihren alten Heizkessel durch eine moderne, energieeffiziente Heizungsanlage zu ersetzen, bietet der Staat verschiedene Förderprogramme. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) etwa unterstützt den Einbau eines Gas-Brennwertgeräts beim Kesseltausch mit zehn Prozent der Investitionskosten. Bei einer Investitionssumme von 8000 Euro entspricht das also einem staatlichen Zuschuss in Höhe von 800 Euro. Unter bestimmten Bedingungen ist auch ein 15-prozentiger Modernisierungszuschuss aus dem "Anreizprogramm Energieeffizienz" der KfW drin.

Für eine Kombination aus einer Brennwerttherme und einer Solarthermieanlage kann zudem ein KfW-Darlehen zu einem Zinssatz von derzeit 0,75 Prozent beantragt werden. Zusätzlich bietet das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle eine Extraförderung für Solarthermieanlagen von bis zu 2000 Euro. Über die Fördermittel hinaus lassen sich außerdem bis zu 1200 Euro der Handwerkerkosten bei der Einkommensteuererklärung als "haushaltsnahe Dienstleistungen" absetzen.

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