Wiesbaden/Berlin

Bundeswahlleiter: Ältere Wähler immer wahlentscheidender

Wiesbaden/Berlin.  Die Bundestagswahl wird nach Angaben von Bundeswahlleiter Dieter Sarreither vor allem durch Wähler im Rentenalter entschieden. „Die älteren Wähler werden immer wahlentscheidender. Gut ein Drittel der Wahlberechtigten sind mindestens 60 Jahre alt“, sagte Sarreither der Morgenpost. Im Vergleich zu 1980 habe die Altersgruppe um mehr als sieben Prozentpunkte zugenommen. „Heute sind sogar mehr als 20 Prozent der Wahlberechtigten 70 Jahre alt oder älter“, so der Wahlleiter. „Außerdem beobachten wir seit einigen Jahren einen neuen Trend“, so Sarreither. Die Wahlbeteiligung älterer Wähler sei überdurchschnittlich hoch, „während jüngere Wähler eher seltener zur Wahl gehen“. Die Altersgruppe der 18- bis 21-Jährigen mache gerade mal 3,6 Prozent der Wahlberechtigten aus. Unterschiede zwischen Männern und Frauen gebe es aber kaum.Seite 4

Ende des Jahres wird er in den Ruhestand gehen. Er kann es noch gar nicht glauben, und noch schiebt er die Gedanken daran in weite Ferne. An die Zeit als Pensionär will Dieter Sarreither noch nicht denken. Zu viel wird in diesen letzten Wochen seiner langen Karriere noch geschehen. Zu bedeutend sind die Ereignisse, als dass er sich schon jetzt mit dem Danach beschäftigen könnte. Am wichtigsten Arbeitstag seines Lebens wird Dieter Sarreither in Berlin sein, die meiste Zeit davon im Reichstagsgebäude.

Der 65-Jährige Sarreither ist als Präsident des in Wiesbaden beheimateten Statistischen Bundesamtes automatisch auch Bundeswahlleiter: Er verantwortet die Abläufe der Bundestagswahl am 24. September. Noch nie zuvor war das Interesse an diesen Abläufen und der Rolle, die Sarreither einnehmen wird, so groß wie in diesem Jahr. Politiker und Sicherheitsexperten fürchten Hackerangriffe zur Bundestagswahl. Die Erfahrungen aus den Wahlen in den USA und Frankreich haben Experten alarmiert.

Auch über den Absender der möglichen digitalen Angriffe sind sie sich einig: Russland. Die Entscheidung über Einflussversuche werde im Kreml getroffen, ist Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen überzeugt. Die Chefs des Bundeskriminalamts (BKA) und des Bundesnachrichtendienstes (BND), Holger Münch und Bruno Kahl, warnten in den vergangenen Monaten ebenso vor wachsenden Gefahren im Cyberraum. Doch wie groß ist die Gefahr von Datenlecks und Cybersabotage wirklich? Könnten etwa die Ergebnisse am Abend der Bundestagswahl tatsächlich manipuliert werden?

Wiesbaden, ein verregneter Augusttag im Statistischen Bundesamt. Dieter Sarreither blickt aus dem Fenster des 50er-Jahre-Hochhauses, in dem seine Zahlen-Behörde residiert. Unter ihm die hessische Landeshauptstadt, weiter hinten die sanften Taunushügel, ganz weit weg der Mainzer Lerchenberg. Bei gutem Wetter könne man noch viel mehr sehen, erklärt er. Dann setzt er sich an den Konferenztisch und erklärt, was am 24. September auf ihn zukommen wird.

Sarreither ist ein freundlicher Mann mit sanfter Stimme und höflichem Auftreten, einer, der zu Understatement neigt. Die Verantwortung, die in diesen Wochen auf seinen Schultern lastet, trägt er mit Fassung. Seit 30 Jahren begleitet der Beamte in der Statistik-Behörde die Bundestags- und Europawahlen. Einige Jahre war er für die IT bei den Wahlen zuständig. Es ist nun die erste Wahl, in der er das „Gesamtsystem“, wie er es nennt, verantwortet. Der Bundeswahlleiter versucht erst gar nicht, Gelassenheit vorzutäuschen. „Die Anspannung vor dieser Wahl ist schon groß“, gesteht Sarreither. Die Verantwortung für die vielen Aktivitäten im Vorfeld sei immens.

Großer Testlauf am Tagvor der Wahl geplant

Was genau für ihn eine „sichere“ Wahl ausmacht, erklärt er so: „Letztlich läuft alles darauf hin, dass die Daten am Wahltag von den Landeswahlleitungen sicher und ordnungsgemäß übermittelt werden und am Ende ein Ergebnis ermittelt wird.“ Und er schiebt hinterher, man werde alle nötigen Voraussetzungen dafür schaffen, den Wahltag souverän zu meistern.

Doch dafür braucht der Chefstatistiker eine weitere Bundesbehörde, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Mit dem BSI stehen seine Mitarbeiter in ständigem Kontakt, das Sicherheitsamt soll fortwährend die Hard- und Software überprüfen und die Statistiker bei der Beseitigung eventueller Schwachstellen unterstützen. „Das Sicherheitsniveau am Wahlabend wird extrem hoch sein“, verspricht Sarreither. „Wir arbeiten in einem stark abgesicherten verschlüsselten Netzwerk. Es handelt sich um ein internes Verwaltungsnetz, das komplett vom Internet abgeschottet ist.“ Ob er dennoch einen Hackangriff auf die Systeme am Wahlabend fürchtet? „Konkrete Anhaltspunkte dafür habe ich bisher nicht.“

Fast so entscheidend wie der 24. September wird für ihn der 23. September sein: der Tag des Testlaufs. „Wir spielen vorher mehrere Ausfallszenarien durch, etwa Hackerangriffe oder technische Probleme wie einen Stromausfall. Wir werden mehrere Großtests durchführen – am letzten Tag vor der Wahl – um die technische Infrastruktur auf die Probe zu stellen“, erklärt er. Am Wahltag selbst wird er ein großes Team um sich haben, parallel werden Personal und Rechnerkapazitäten in Wiesbaden vorgehalten. All das, damit die Teilergebnisse aus den Wahlkreisen und den Ländern von den Landeswahlleitern über ein abgeschottetes Behördennetzwerk verschlüsselt nach Berlin gesendet werden können. „Und selbst wenn es da Probleme gibt, können wir die Wahlergebnisse telefonisch entgegennehmen“, beschwichtigt er. Alles in allem sei er sich sicher, „dass ich noch in der Wahlnacht ein vorläufiges Wahlergebnis präsentieren kann“. Jedes andere Szenario wäre eine Panne.

Vor vier Jahren wurde das vorläufige Ergebnis erst in der Nacht um 03:15 Uhr bekannt gegeben. Damals, erinnert sich Sarreither, sei auch das neue Wahlrecht ein Grund dafür gewesen, warum es länger dauerte. „Wir haben in der Nacht wegen der Ausgleichsmandate noch einmal genau nachgerechnet.“ Diesmal will er schneller sein: „Wir hoffen, dass wir gegen Mitternacht das vorläufige Ergebnis bekannt geben können.“ Manche Wahlkreise, etwa in Bayern, werden deutlich früher ihre Auszählungen beenden. Das sagt ihm seine Erfahrung. Andere, vor allem die Großstädte, „sind dagegen immer etwas schwieriger“, berichtet er. „Erfahrungsgemäß dauert es auch dort etwas länger, wo gleichzeitig noch andere Wahlen oder Volksabstimmungen stattfinden.“ Berlin könnte so ein Fall werden – parallel wird der Entscheid zum Erhalt des Flughafens Tegel ausgezählt.

Um Punkt 18 Uhr, wenn die Wahlforschungsinstitute ihre Prognosen veröffentlichen, wird Sarreither einen der ruhigsten Momente des gesamten Tages erleben. Dann wird er sich auf dem Bildschirm die Reaktionen in den Parteizentralen anschauen. Und warten. Bis das erste Ergebnis aus den 299 Wahlkreisen bei ihm ankommt. „Mit viel Kaffee geht es dann in die Nacht.“ In all der Hektik kann er sich zumindest auf seine Routine verlassen. Sarreither will sie irgendwie auch genießen, diese erste und letzte Bundestagswahl als Bundeswahlleiter.

Ende des Jahres wird er in den Ruhestand gehen. Er kann es noch gar nicht glauben, und noch schiebt er die Gedanken daran in weite Ferne. An die Zeit als Pensionär will Dieter Sarreither noch nicht denken. Zu viel wird in diesen letzten Wochen seiner langen Karriere noch geschehen. Zu bedeutend sind die Ereignisse, als dass er sich schon jetzt mit dem Danach beschäftigen könnte. Am wichtigsten Arbeitstag seines Lebens wird Dieter Sarreither in Berlin sein, die meiste Zeit davon im Reichstagsgebäude.

Der 65-Jährige Sarreither ist als Präsident des in Wiesbaden beheimateten Statistischen Bundesamtes automatisch auch Bundeswahlleiter: Er verantwortet die Abläufe der Bundestagswahl am 24. September. Noch nie zuvor war das Interesse an diesen Abläufen und der Rolle, die Sarreither einnehmen wird, so groß wie in diesem Jahr. Politiker und Sicherheitsexperten fürchten Hackerangriffe zur Bundestagswahl. Die Erfahrungen aus den Wahlen in den USA und Frankreich haben Experten alarmiert.

Auch über den Absender der möglichen digitalen Angriffe sind sie sich einig: Russland. Die Entscheidung über Einflussversuche werde im Kreml getroffen, ist Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen überzeugt. Die Chefs des Bundeskriminalamts (BKA) und des Bundesnachrichtendienstes (BND), Holger Münch und Bruno Kahl, warnten in den vergangenen Monaten ebenso vor wachsenden Gefahren im Cyberraum. Doch wie groß ist die Gefahr von Datenlecks und Cybersabotage wirklich? Könnten etwa die Ergebnisse am Abend der Bundestagswahl tatsächlich manipuliert werden?

Wiesbaden, ein verregneter Augusttag im Statistischen Bundesamt. Dieter Sarreither blickt aus dem Fenster des 50er-Jahre-Hochhauses, in dem seine Zahlen-Behörde residiert. Unter ihm die hessische Landeshauptstadt, weiter hinten die sanften Taunushügel, ganz weit weg der Mainzer Lerchenberg. Bei gutem Wetter könne man noch viel mehr sehen, erklärt er. Dann setzt er sich an den Konferenztisch und erklärt, was am 24. September auf ihn zukommen wird.

Sarreither ist ein freundlicher Mann mit sanfter Stimme und höflichem Auftreten, einer, der zu Understatement neigt. Die Verantwortung, die in diesen Wochen auf seinen Schultern lastet, trägt er mit Fassung. Seit 30 Jahren begleitet der Beamte in der Statistik-Behörde die Bundestags- und Europawahlen. Einige Jahre war er für die IT bei den Wahlen zuständig. Es ist nun die erste Wahl, in der er das „Gesamtsystem“, wie er es nennt, verantwortet. Der Bundeswahlleiter versucht erst gar nicht, Gelassenheit vorzutäuschen. „Die Anspannung vor dieser Wahl ist schon groß“, gesteht Sarreither. Die Verantwortung für die vielen Aktivitäten im Vorfeld sei immens.

Großer Testlauf am Tagvor der Wahl geplant

Was genau für ihn eine „sichere“ Wahl ausmacht, erklärt er so: „Letztlich läuft alles darauf hin, dass die Daten am Wahltag von den Landeswahlleitungen sicher und ordnungsgemäß übermittelt werden und am Ende ein Ergebnis ermittelt wird.“ Und er schiebt hinterher, man werde alle nötigen Voraussetzungen dafür schaffen, den Wahltag souverän zu meistern.

Doch dafür braucht der Chefstatistiker eine weitere Bundesbehörde, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Mit dem BSI stehen seine Mitarbeiter in ständigem Kontakt, das Sicherheitsamt soll fortwährend die Hard- und Software überprüfen und die Statistiker bei der Beseitigung eventueller Schwachstellen unterstützen. „Das Sicherheitsniveau am Wahlabend wird extrem hoch sein“, verspricht Sarreither. „Wir arbeiten in einem stark abgesicherten verschlüsselten Netzwerk. Es handelt sich um ein internes Verwaltungsnetz, das komplett vom Internet abgeschottet ist.“ Ob er dennoch einen Hackangriff auf die Systeme am Wahlabend fürchtet? „Konkrete Anhaltspunkte dafür habe ich bisher nicht.“

Fast so entscheidend wie der 24. September wird für ihn der 23. September sein: der Tag des Testlaufs. „Wir spielen vorher mehrere Ausfallszenarien durch, etwa Hackerangriffe oder technische Probleme wie einen Stromausfall. Wir werden mehrere Großtests durchführen – am letzten Tag vor der Wahl – um die technische Infrastruktur auf die Probe zu stellen“, erklärt er. Am Wahltag selbst wird er ein großes Team um sich haben, parallel werden Personal und Rechnerkapazitäten in Wiesbaden vorgehalten. All das, damit die Teilergebnisse aus den Wahlkreisen und den Ländern von den Landeswahlleitern über ein abgeschottetes Behördennetzwerk verschlüsselt nach Berlin gesendet werden können. „Und selbst wenn es da Probleme gibt, können wir die Wahlergebnisse telefonisch entgegennehmen“, beschwichtigt er. Alles in allem sei er sich sicher, „dass ich noch in der Wahlnacht ein vorläufiges Wahlergebnis präsentieren kann“. Jedes andere Szenario wäre eine Panne.

Vor vier Jahren wurde das vorläufige Ergebnis erst in der Nacht um 03:15 Uhr bekannt gegeben. Damals, erinnert sich Sarreither, sei auch das neue Wahlrecht ein Grund dafür gewesen, warum es länger dauerte. „Wir haben in der Nacht wegen der Ausgleichsmandate noch einmal genau nachgerechnet.“ Diesmal will er schneller sein: „Wir hoffen, dass wir gegen Mitternacht das vorläufige Ergebnis bekannt geben können.“ Manche Wahlkreise, etwa in Bayern, werden deutlich früher ihre Auszählungen beenden. Das sagt ihm seine Erfahrung. Andere, vor allem die Großstädte, „sind dagegen immer etwas schwieriger“, berichtet er. „Erfahrungsgemäß dauert es auch dort etwas länger, wo gleichzeitig noch andere Wahlen oder Volksabstimmungen stattfinden.“ Berlin könnte so ein Fall werden – parallel wird der Entscheid zum Erhalt des Flughafens Tegel ausgezählt.

Um Punkt 18 Uhr, wenn die Wahlforschungsinstitute ihre Prognosen veröffentlichen, wird Sarreither einen der ruhigsten Momente des gesamten Tages erleben. Dann wird er sich auf dem Bildschirm die Reaktionen in den Parteizentralen anschauen. Und warten. Bis das erste Ergebnis aus den 299 Wahlkreisen bei ihm ankommt. „Mit viel Kaffee geht es dann in die Nacht.“ In all der Hektik kann er sich zumindest auf seine Routine verlassen. Sarreither will sie irgendwie auch genießen, diese erste und letzte Bundestagswahl als Bundeswahlleiter.